Schlachthaus Harrl

Raubbau im Buchenwald

Förster nennen Verwüstungen, wie sie nun südlich des Idaturms veranstaltet wurden, beschönigend „Waldpflege“ oder „Durchforstung“. Hochwertige „Zunkunfts-Bäume“ sollen von angeblich minderwertigen „Bedrängern“ „freigestellt“ werden. So würden die Z-Bäume besser wachsen. Und „besser“ meint schneller: möglichst schnell möglichst dicke und gerade Baumstämme ernten, das ist das Ziel. Mit Natur hat das Ganze nichts zu tun – in einem Urwald stehen die Bäume viel dichter als in einem Wirtschaftswald. Was unterhalb des Idaturms entsteht, erinnert weniger an einen naturnahen Wald, denn an eine Streuobstwiese – nur nicht mit Obstbäumen, sondern mit Buchen.

 

Normalerweise werden Z-Bäume mit aufgesprühten roten oder gelben Ringen markiert. Eine solche Markierung fehlt am Harrl – nur die Bäume am Rand von Rückegassen wurden mit weißen Ringen markiert. Die Waldarbeiter haben wahllos einfach die Hälfte aller Bäume gefällt. Der Waldboden ist jetzt so kahl und das Kronendach so lückenhaft, dass dort bereits im nächsten Jahr Brennesseln und Brombeeren wuchern werden. Der Waldboden wird – im Försterjargon – „verkrauten„, sodass junge Bäume unter einer dichten Krautschicht ersticken. Außerdem werden Mäuse, die durch die Krautschicht vor Räubern geschützt sind, die jungen Bäume verbeissen. Mit einem naturnahen Buchenwald hat das nichts mehr zu tun.

Die Fichtenbestände zeigen deutliche Pflegerückstände: So sind z. B. die Fichtenstämme nicht geastet, d. h. die Äste in den unteren Stammbereichen wurden in den vergangenen Jahren nicht entfernt, wie es guter forstwirtschaftlicher Praxis entspricht. Äste führen aber zu minderwertigem Holz.

 

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