Schlachthaus Harrl

Schädigung des Waldbodens durch Rückegassen

Natürlich muss man die gefällten Bäume aus dem Wald heraustransportieren zu den Forstwegen. Dazu dienen Rückegassen. Warum sind Rückegassen ein Problem?

 

1. Bodenverdichtung

Der mit Ladung fast 30 t schwere Forstrückeschlepper (Forwarder) und der Harvester zerquetschen den empfindlichen Waldboden. Diesen muss man sich vorstellen wie einen Schwamm – nur eben nicht so elastisch. Ein Schwamm dehnt sich nach dem Zusammendrücken wieder aus, der Waldboden nicht.

Forwarder „Ponsse Elk“ Anfang Oktober 2013 im Harrl

 

Im Harrl kam als Forwarder ein Ponsse Elk mit 8 Rädern und einem K90-Ladekran zum Einsatz. Das „kompromisslose“ (Werbetext) Monstrum wiegt unbeladen 15,9 Tonnen und kann bis zu 13 Tonnen Holz laden. Zusammen macht das rund 29 Tonnen – nur 2 Tonnen weniger als der T-34 – der legendäre russische Panzer im 2. Weltkrieg. Der Forwarder wurde eingesetzt von der Firma Bernd Schmitting, einem forstwirtschaftlichen Lohnbetrieb aus Schwaförden. Schon lange hat das Fürstliche Forstamt seine eigenen Waldarbeiter wegrationalisiert und setzt für Forstarbeiten nur noch externe Firmen ein. Diese wiederum arbeiten bevorzugt mit osteuropäischen Waldarbeitern aus Polen oder Rumänien.

2. Trockenheit

Ein verdichteter Waldboden kann kein Wasser mehr speichern. Die Folge sind Bäume, die im Hochsommer an Wassermangel leiden. Dies führt zu vorzeitigem Blattabwurf, zum Absterben von Ästen und zur Erkrankung des ganzen Baumes.

3. Tod von Bodenlebewesen

Der Waldboden ist voller Leben: Asseln, Milben, Spinnen, Würmer usw. usw. Sie spielen als Zersetzer der Laubstreu und Humusbilder eine unersetzliche Rolle im Wald. Sie werden nicht nur mechanisch zerquetscht, sie sterben auch an Sauerstoffmangel, weil die luftgefüllten Poren und Kanäle zwischen den Bodenpartikeln zerstört wurden.

4. Verlust an Waldboden

Auf den Rückegassen wird in den nächsten Jahrhunderten kein Baum mehr wachsen. Die Schäden sind irreparabel. Unterhalb des Idaturms wurden im Buchen- und im Fichtenwald alle 20 m 5 m breite Rückegassen angelegt. An mehreren Stellen beträgt der Abstand sogar nur 10 m. Pro ha verliert man so unwiderruflich ein Viertel und mehr des Waldbodens! Würden Sie Ihr Geld einer Bank anvertrauen, die gleich zu Beginn 25% Gebühren erhebt? Man könnte auch alle 40 m oder wie im Göttinger oder Lübecker Stadtwald sogar alle 60 oder 80 m Rückegassen anlegen. Nur könnte man dann nicht mehr mit Harvestern arbeiten, sondern müsste teure und qualifizierte Waldarbeiter einsetzen. Für den kurzfristigen Gewinn opfert man den langfristigen Ertrag.

Vergleiche zum Thema Schädigung des Waldbodens: Waldbautechnik heute – Fluch oder Segen? vom BUND Helmstedt

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