Försterwald im Nordharrl

Einleitung

Der Wald im Norden des Harrl ist kein naturnaher Wald, sondern ein künstlicher Försterwald. Die Seite ist gegliedert in folgende Abschnitte:

Anfahrt und Wanderwege

Sie erreichen den Norden des Harrls z. B., wenn Sie Ihren Wagen am Alten Forsthaus in Bückeburg parken und dann Richtung Bad Eilsen wandern. Von der asphaltierten Straße „Harrl“ zweigen zahlreiche Forstwege den Hang hinauf zum Idaturm ab.


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Försterwald

Auf den ersten Blick sieht der Buchenwald im Nordteil des Harrls völlig unproblematisch aus. Und im Licht der Herbstsonne werden viele Menschen diesen Wald sogar recht hübsch finden:

 

Auf den zweiten Blick entdeckt man zahlreiche Probleme dieses Waldes. Sie sind typisch für den Zustand des deutschen Waldes insgesamt.

1.
Der Wald ist jung. Die ältesten Buchen werden vielleicht 100 Jahre alt sein. Ihr Brusthöhendurchmesser beträgt erst 50 cm. Viele Buchen sind dünner. Ihr Brusthöhendurchmesser beträgt 40 cm. Sie dürften um die 80 Jahre alt sein. Buchen können 300 Jahre und älter werden. Auf den Menschen übertragen sind die Buchen also gerade einmal junge Erwachsene. Alte Buchen sind im Harrl kaum zu finden, weil sie kaum 100 Jahre alt bereits gefällt werden.

2.
Der Wald ist holzarm. Die jungen Buchen stehen weit auseinander. Dass es ursprünglich einmal viel mehr Buchen waren, beweisen die unzähligen Baumstümpfe, mit denen der Waldboden übersät ist. Ich schätze den Holzvorrat auf allerhöchstens 250 m3/ha. In den naturnah bewirtschafteten Wirtschaftswäldern von Lübeck und Göttingen beträgt der Vorrat 380 m3 resp. 425 m3/ha.

3.
Der Buchenwald ist einschichtig. Es gibt nur eine Oberschicht. Die Bäume haben alle ungefähr das gleiche Alter haben. Förster sprechen von einem einschichtigen Altersklassenwald. Eine Zwischenschicht, in der jüngere Bäume eine Höhe von 2/3 der Oberschicht, und eine Unterschicht, in der ganz junge Bäume 1/3 der Höhe der Oberschicht erreichen, existiert nicht. Förster werden nicht müde zu behaupten, ein solcher einschichtiger Hallenwald sei „natürlich“. Das ist eine Lüge, wie Untersuchungen aus dem Jahr 2010 im größten Buchenurwald Europas, dem Buchenurwald Uholka-Shyrokyi Luh im Karpaten-Biosphärenreservat der Ukraine, beweisen:

SchichtenQuelle: Inventory Of The Largest Primeval Beech Forest in Europe, S. 48

60-70% der untersuchten Stichproben zeigten einen dreischichtigen Aufbau mit Ober-, Mittel- und Unterschicht.

4.
Das Kronendach der Oberschicht ist dicht geschlossen. Auch dies ist naturfern. Im Urwald von Uholka-Shyrokyi Luh sind bei 40-60 % der Stichproben der Kronen lückig: „Im Kronendach gibt es mehrere Lücken in der Grösse von einer durchschnittlich grossen Baumkrone.“ (Stichprobeninventur im Buchen-Urwald Uholka-Schyrokyj Luh – Anleitung für die Inventur 2010, S. 53). In rund 20 % der Fälle sind die Kronen sogar aufgelöst: „Zwischen den Einzelbäumen bzw. Baumgruppen gibt es grosse Lücken, in denen meist  mehr als ein zusätzlicher Oberschichtbaum Platz hätte.“

KroneQuelle: Inventory Of The Largest Primeval Beech Forest in Europe, S. 48

Folgende Abbildung veranschaulicht ein lückiges Kronendach:

Lückig

Folgende ein aufgelöstes Kronendach:

AufgeloestQuelle: Stichprobeninventur im Buchen-Urwald Uholka-Schyrokyj Luh – Anleitung für die Inventur 2010, S. 53

Um Missverständnissen vorzubeugen: Ein aufgelöstes Kronendach meint nicht, dass unter den Lücken im Kronendach keine Bäume wachsen. Unter den Lücken wachsen nämlich die vielen jungen Buchen der Zwischen- und Unterschicht. Wie unglaublich viele Bäume pro ha in einem Urwald wachsen, verdeutlicht die folgende Abbildung:

Durchmesser Quelle: Inventory Of The Largest Primeval Beech Forest in Europe, S. 48

Zum besseren Verständnis: Die Bäume sind in BHD-Klassen aufgeteilt: die 8 cm-Klasse reicht von 6-9,9 cm BHD, die 12 cm-Klasse von 10-13,9 cm BHD usw.. Achten Sie einmal auf die sensationelle Häufigkeit dicker und alter Bäume: Ungefähr je 10 Bäume gehören pro ha zum BHD-Klasse von 60, 64, 68 und 72 cm! Und insgesamt 10 Bäume pro ha haben sogar einen BHD von größer als 80 cm (Inventory, S. 49)!

5.
Der Försterwald im Nordharrl ist erschütternd totholzarm. Kein Totholz nirgends! Keine stehenden toten Bäume und auch keine liegenden. Nicht einmal dünnere Kronenäste sind zu sehen. Der Waldboden ist ratzekahl leergefegt. Schön sauber und ordentlich. Aber nicht natürlich. Und mit katastrophalen Auswirkungen z. B. auf Käfer und Vögel. In Urwäldern wie Uholka und Shyrokyi Luh beträgt die Menge an Totholz unglaubliche 163 m3/ha (Inventory, S. 53)!.

6.
Der Nordharrl ist durchzogen von einem sehr feinmaschigen Netz von Forstwegen und Rückegassen. Die Wege sind sogar auf Google Maps gut sichtbar. Kreuz und quer durch den Wald ziehen sich Schneisen, in denen in der Vergangenheit Holz gerückt wurde. Der Fachbegriff für diesen Missstand lautet „Übererschließung„.

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