Schaumburger Zeitung: „Wahllos die Hälfte aller Bäume gefällt“

2. Analyse der Argumente des Forstamts

 

„Halbwissen“

Die Argumentationsfigur ist so alt wie die Umweltschutzbewegung: Das „Fachpublikum“ spricht den Kritikern die Kompetenz ab. Atomkraftgegnern wurde vorgeworfen, sie hätten keine Kernphysik studiert. Gegnern der Massentierhaltung hält man vor, sie verstünden nichts von moderner Landwirtschaft. Und Kritikern des Braunkohletagebaus rät man doch bitteschön erst mal ein Geologiestudium zu absolvieren.

Ich bin Lehrer. Stellen Sie sich vor, Sie gehen zum Elternsprechtag und kritisieren einen Lehrer. Und der würde Ihnen antworten: „Ihre Kritik ist stark ideologisch geprägt und basiert auf Halbwissen. Sie ist vor einem Fachpublikum nichhaltbar. Deshalb werde ich  mich nicht inhaltlich damit auseinandersetzen.“

„Nachhaltigkeit“

Bemerkenswert ist, was Forstamtsleiter Weber nicht sagt. Er könnte Zahlen zum Holzvorrat, zum Hiebsatz und zum Zuwachs präsentieren (vergleiche z. B. die Auskünfte von Revierleiter Lauterbach aus Kammerforst). Jeder Förster kennt diese Kennzahlen zu seinem Wald in- und auswendig.

„Naturverjüngung“

Matthaei spricht von „sukzessiv eingeleiteter Naturverjüngung“. Dies gilt ausschließlich für die Schirmschläge im Südharrl. Im „Schlachthaus Harrl“ und im „Försterwald im Nordharrl“ fehlt jegliche Naturverjüngung. Massenhaft Buchen werden gefällt, ohne dass junge Bäume nachwachsen: Das ist eine klassiche Definition von Raubbau.

„keine Alternative zu schweren Maschinen“

Das Argument, dass etwas „alternativlos“ sei, kennen wir ja von unserer Kanzlerin. Die vielen hundert kurzen Holzstämme, die zu den riesigen Holzpoltern im Harrl aufgeschichtet waren, wogen keineswegs „mehrere Tonnen.“ Diese hätten ohne Probleme von Rückepferden gezogen werden können:

 

 

Zu Rückegassenabständen von 20 m gibt es sehr wohl Alternativen. Schwere Holzstämme können mit Seilzügen aus dem Wald gezogen werden. Der FSC-Deutschland schreibt im Gegensatz zum PEFC 40 m-Abstände zwischen Rückegassen vor und im Stadtwald Lübeck und Göttingen will man die Gassenabstände sogar auf 60 und 80 m erhöhen.

 

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