Schlachtfest im Wald an der Eisenbahnlinie

Keine ordnungsgemäße Forstwirtschaft

Am Samstag, den 8. März 2014, begannen die Fällungen östlich des Schrülkampwegs. Das angewendete Verfahren entspricht weder einem ordnungsgemäßen Schirmschlag noch einem Femelschlag.

Kein ordnungsgemäßer Schirmschlag

Ein Schirmschlag fängt häufig mit einem Vorbereitungshieb an.1 Förster Herber hat auf diesen großzügig verzichtet. Offenbar hält er den Bodenzustand trotz großflächig fehlender Humusschicht und trotz der vielen verdichteten Mountainbikepisten nicht für verbesserungswürdig.

Herber verzichtet aber auch auf den Besamungshieb und fängt gleich mit dem Lichtungshieb an, bei der die Hälfte des Altbestands der Motorsäge zum Opfer fällt. Das folgende Panoramafoto zeigt einen Herberschen „Lichtungshieb“ westlich des Schrülkampwegs. Das hochauflösende Foto ist 5,9 MB groß. Die Auflösung beträgt 3.925 x 2.400 Pixel. Klicken Sie auf das Foto, zoomen Sie mit der Lupe in das Bild und wählen Sie mit “F11″ die Vollbildansicht. Dann können Sie mit der vertikalen und horizontalen Bildlaufleiste durch das Panorama scrollen.

Panorama Brinkmannswäldchen

Die Aussage von Förster Michael Börth, dass 1.500 Altbäume stehen bleiben würden (WAZ vom 26.2.2014) ist falsch. Selbst der Lichtungshieb erfolgt nicht nach Lehrbuch, denn dann müssten die Hiebe gleichmäßig verteilt sein. Herber schafft aber viele kleine Minikahlschläge von 0,1 – 0,2 ha Größe. So wird der Waldboden viel zu stark aufgelichtet und die Konkurrenzvegetation der Buche bekommt einen Vorteil: Brombeere, Japanischer Staudenknöterich und Holunder stehen schon in den Startlöchern. Noch schlimmer ist, dass Herber den Hieb durchführt, ohne vorher ein Mastjahr abzuwarten. Das letzte war 2011: „Bucheckern sind dieses Jahr [= 2013] nur wenige gebildet worden.“2 Ohne Bucheckern macht eine Auflichtung überhaupt keinen Sinn.

Das folgende hochauflösende Foto wurde an der Rispdörnestraße aufgenommen und ist 6,9 MB groß. Die Auflösung beträgt 4.035 x 2.400 Pixel.

"Lichtungshieb" an der Ripsdoernestraße

Der 2013 verstorbene Forstwissenschaftler Peter Burschel, Autor des Standard-Lehrwerks „Grundriss des Waldbaus“, wird nicht müde zu betonen, dass die Hiebe „vorsichtig“ oder sogar „sehr vorsichtig“ durchgeführt werden müssen: „Geschickte Waldarbeiter sind nötig, sollen die jungen Buchen beim Abräumen der verbliebenen Altbäume keine Schaden nehmen.“3 Die Waldarbeiter der Firma Baumgartner sind für derartig anspruchsvolle Waldarbeiten völlig ungeeignet.

Kein ordnungsgemäßer Femelschlag

Spaziergänger standen Anfang März fassungslos vor den bis zu 0,2 ha großen Kahlschlägen im Wald an der Eisenbahnlinie. Die Flächen sahen aus wie nach einem Bombenangriff. Hier ein Panoramafoto eines kleinen Kahlschlags vom 14. März 2014. Er befindet sich in der nordöstlichen Ecke des Wäldchens. Das hochauflösende Foto ist 6,1 MB groß. Die Auflösung beträgt 3.447 x 2.400 Pixel. Klicken Sie auf das Foto, zoomen Sie mit der Lupe in das Bild und wählen Sie mit “F11″ die Vollbildansicht. Dann können Sie mit der vertikalen und horizontalen Bildlaufleiste durch das Panorama scrollen.

Pano_Brinkmann_NO

Förster sprechen angesichts solcher Verwüstungen missbräuchlich gerne von „Femelhieben“. Dabei würden „gruppenweise“ Bäume „entnommen“. Nun muss man wissen, dass „Gruppe“ bei Förstern etwas anderes bedeutet als bei normalen Menschen: Förster meinen mit „Gruppe“ eine Fläche „mit einem Durchmesser von ca. der Baumholzhöhe“.4 Eine solche Fläche mit dem Durchmesser von 40 m ist für Förster „klein“.

Das folgende Foto zeigt die „gruppenweise Entnahme“ von Altbuchen an der Ripsdörnestraße. Es ist 7,5 MB groß und hat eine Auflösung von 4.181 x 2.400 Pixeln:

"Femelhiebe" an der Ripsdoernestraße

Das waldbauliche Verfahren des „Femelhiebs“ wurde ursprünglich bei der Ernte und Verjüngung von Bergmischwäldern (Buche, Tanne, Fichte) entwickelt. Burschel hebt hervor, dass man mit einer „sehr vorsichtigen Öffnung des Kronendachs“ beginnt „über kleinen Flächen von wenigen Hundert Quadratmetern Größe“. Dann wartet man mehrere Jahre ab, bis sich die Verjüngung der Schattenbaumarten Buche und Tanne erfolgreich etabliert hat. Erst dann werden über den sogenannten „Femelkernen“ die „Schirmbäume entnommen“. Die so geschaffenen Löcher nennt man „Femellöcher“. In der Mitte dieser Löcher kann nun neben den schon vorhandenen jungen Buchen und Tannen auch die Lichtbaumart Fichte schnell emporwachsen. An den Rändern dominieren weiterhin die langsamen, schattentoleranten Buchen und Tannen. Die Löcher werden in den nächsten 2-4 Jahrzehnten schrittweise erweitert und fließen irgendwann zusammen.5

Herber weicht gleicht mehrfach vom in den Lehrbüchern beschriebenen Verfahren ab:

  1. Für reine Buchenwälder wie den Becker-Wald ist der Femelhieb nicht gedacht.
  2. Herbert überspringt die Öffnung des Kronendachs und entnimmt sofort die Schirmbäume.
  3. Er schafft Femellöcher, ohne die Naturverjüngung abzuwarten.
  4. Er überzieht das ganze Wäldchen gleich zu Beginn mit einem dichten Netz aus Femellöchern.

Wenn Förster von empörten Bürgern kritisiert werden, flüchten sie gerne in Fachchinesisch und spielen ihren vermeintlichen Wissensvorsprung aus. Sie tun so, als sei das Chaos, was man im Wald angerichtet hat, ein allgemein akzeptiertes Verfahren, das so an forstwirtschaftlichen Fachhochschulen gelehrt wird. „Femelhieb“ ist eines dieser Zauberwörter, das Kritiker zum Schweigen bringen soll.

Forstwirtschaft als organisierte Verantwortungslosigkeit

Herber muss keine Anklage wegen Verstoß gegen § 1 b des nordrhein-westfälischen Landesforstgesetzes befürchten: Alle 11 dort aufgeführten „Kennzeichen ordnungsgemäßer Forstwirtschaft“ sind so schwammig formuliert, dass sie alles und nichts bedeuten können, und sich bestenfalls für Sonntagsreden von Umweltministern eignen.

Auch eine Dienstaufsichtsbeschwerde muss Herber nicht befürchten. Es ist unglaublich, aber wahr: Es gibt bei Wald-und-Holz-NRW keine verbindlichen Richtlinien für die Bewirtschaftung von Buchenwäldern.6 Lediglich „Empfehlungen (sic!) für eine naturnahe Bewirtschaftung von Buchenrein- und -mischbeständen in Nordrhein-Westfalen“ wurden 2006 von Dr. Bertram Leder verfasst. Die Nachfrage hielt sich in Grenzen: Eine zweite Auflage wurde nie gedruckt. Die Empfehlungen sind so gehalten, dass sie stets scheunentorgroße Schlupflöcher lassen. Leder mahnt beispielsweise, bei einer „vollflächigen Verkrautung“ durch die Brombeere den vorhandenen „Schirm […] so  lange wie möglich zu halten und zu fördern“. Er schränkt das aber gleich wieder zur Freude von Förstern wie Herber ein: „unter Berücksichtigung der Altersrisiken“.

Das folgende Panoramafoto ist 7 MB groß und hat eine Auflösung von 4.249 x 2.400 Pixeln. Es zeigt die „vollflächige Verkrautung“ eines 0,2 ha großen Kahlschlags mit Brombeeren und Gräsern am nur 200 m entfernten Kickenberg:

Verkrautung am Kickenberg

Zur Kritik an Leders Z-Baum-Konzept vergleiche den Aufsatz des ehemaligen Leiters des Lübecker Stadtwalds Lutz Fähser: Betrachtung der „Grundsätze für die Bewirtschaftung von Buchen- und Buchenmischbeständen im Bayerischen Staatswald“.

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  1. vergleiche zum Folgenden: Peter Burschel, Der Waldbau, in: Horst Stern [Hg.], Rettet den Wald, München 1979, S. 218 []
  2. Waldschadensbericht NRW 2013, S. 15 []
  3. Peter Burschel, Der Waldbau, in: Horst Stern [Hg.], Rettet den Wald, München 1979, S. 240 []
  4. siehe Verjüngungsverfahren []
  5. Peter Burschel, Der Waldbau, in: Horst Stern [Hg.], Rettet den Wald, München 1979, S. 219 []
  6. siehe Ökologische Waldwirtschaft []