Beschwerden und Anfragen

„Forstwirtschaft ist Klimaschutz!“

Was den Brief Püttmanns im meinen Augen besonders interessant macht, ist die neue Verteidigungsstrategie von Wald-und-Holz-NRW: Jeder gefällte Baum ist ein Segen für das Klima! Püttmann steht mit dieser Position nicht alleine: Auch Herr Hassel, Leiter des Regionalforstamts Ruhrgebiet fiel auf der Informationsveranstaltung zum Lührmannswald dadurch auf, dass er jedem, der es nicht hören wollte, aus der Studie Wald und Klimaschutz in NRW – Beitrag des NRW Clusters ForstHolz zum Klimaschutz vorlas. Ich vermute, dass es im Landesbetrieb eine neue Kommunikationsrichtlinie gibt, dass bei jeder sich bietenden Gelegenheit das Gespräch auf den Klimaschutz gelenkt werden soll (vergleiche Klimapositives Wachstum ist möglich).

Was Förster hier machen, ist absolut typisch: Sie sind Meister darin, Naturschutzverbänden ihre Argumente zu stehlen und für ihre eigenen Zwecke zu instrumentalisieren. Ein Beispiel ist das Argument der Artenvielfalt. Naturschutzverbände wollten damit z. B. quadratkilometergroße Mais- oder Rapsplantagen kritisieren. Was machen Förster? Im Nationalpark Eifel schlägt Förster Dickmann Dutzende Hektar Fichtenwälder kahl mit dem Argument, das fördere die Artenvielfalt in den neuen Offenlandbiotopen (siehe den bizarren Bericht von Stephan Miseré im Leistungsbericht des Nationalparks Eifel 2009, S. 21 f.)!

Förderung „artenreicher Offenlandbiotope“ durch Fichtenkahlschlag im Nationalpark Eifel

 

Im Brinkmannswald fällt Förster Herber die Hälfte der Altbuchen mit dem Argument, das fördere die Artenvielfalt der Strauch- und Krautschicht. Diese Argumentationsstrategie gipfelt in dem Argument, dass Forstwirtschaft praktizierter Naturschutz ist. Oder in den Worten von Herrn Püttmann:

„Nach unserer Philosophie sind sowohl Natur- und Artenschutz, als auch Holzernte auf derselben Waldfläche möglich und nötig (sic!).“

 

Jetzt nehmen die Förster den Naturschützern ein neues Argument weg: den Klimaschutz. Forstwirtschaft ist neuerdings auch der beste Klimaschutz. Da muss man erst mal drauf kommen! Denn Bäume nehmen das Treibhausgas Kohlendioxid auf. Sie senken also den Kohlendioxidgehalt der Luft. Also müsste es eigentlich Ziel des Klimaschutzes sein, möglichst viele lebendige Bäume zu erhalten und nicht zu fällen. Wie man dieses Argument entkräftet, führt Püttmann ab Seite 3 vor. Die zentrale Behauptung lautet:

„Eine an Holznutzung orientierte Waldwirtschaft erbringt langfristig höhere nachweisbare Leistungen für den Klimaschutz als ein nicht bewirtschafteter Wald.“

Die 250 alten Buchen mussten also gefällt werden, um das Weltklima zu retten!

 

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