Förster Herber und die Buchenwälder

„Forstwirtschaft ist kein Naturschutz.“ (Peter Wohlleben)

 

Einleitung

In einem berühmten Aufsatz hat Hans Bibelriether den Begriff des „Forstmärchens“ geprägt: Forst- und Holzmärchen heute.1 Dem ehemaligen Leiter des Nationalparks Bayerischer Wald war beim Lesen der Hochglanzbroschüre „Waldblick – Einblick in die nachhaltige Forstwirtschaft“, herausgegeben vom Absatzförderungsfonds der deutschen Forst- und Holzwirtschaft, der Kragen geplatzt. Vielleicht hätte er sich auch über die Aussagen von Förster Markus Herber vom Landesbetrieb Wald-und-Holz-NRW empört, die dieser in der WAZ verbreiten darf.2 Herber ist ein Freund der lokalen Medien, die seine Meinungen ungeprüft und unkommentiert abdrucken. Ein bizarres Beispiel ist der Artikel Ein frischer Wind in der werbefinanzierten Zeitung Lebenart-regional vom 11.10.2012, die in Bottrop-Grafenwald und Kirchhellen viel gelesen wird. Lutz Fähser, ehemaliger Leiter des Stadtwald Lübecks, beklagt, dass Forstverwaltungen eine „selbstselektive Tendenz“ haben, „die den .. hierarchisch gehorsamen und stromlinienförmigen Kandidaten .. bevorzugt“3 Ob dieses Zitat auch auf Herber passt, möge der Leser entscheiden.

 

Herber: „Der Besitzer will nicht Kasse machen!“

Gefällt werden 248 alte Buchen. Jede Buche hat ein Volumen von rund 7 Festmetern (vergleiche Der Wert eines Baums). Angenommen, das Holz wird zum denkbar schlechtesten Preis verkauft, dann beträgt der Erlös pro Fm Brennholz immer noch 50 €. 248 x 7 x 50 = 86.800 €. Zieht man jetzt 20% Holzerntekosten für die Firma Baumgartner ab, verbleiben immer noch runde 70.000 €. Diese Schätzung deckt sich mit Zahlen, die aus gut unterrichteten Kreisen genannt werden. Vor 11 Jahren hat Heinrich Becker den Wald einschließlich der umliegenden Wiesen für 170.000 € vom Grafen Nesselrode gekauft. Die Wiesen hat er zwischenzeitlich verkauft.

Wenn es nicht ums Geld ginge, könnte man das Holz auch im Wald liegen lassen. Das ist überhaupt nicht schädlich für den Wald – im Gegenteil: In Urwäldern liegen z. B. bis zu 200 Fm Totholz/ha. Baumpilze und Totholzkäfer – viele davon auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten – würden sich freuen.

 

Herber: „Wir haben hier einen Hallenwald, der zudem noch überaltert ist.“

Ja und? Auch die Buchenwälder im Kellerwald, Hainich, Serrahn, Grumsin und Jasmund sind „überalterte“ Hallenwälder. Die UNESCO hat sie zum Weltnaturerbe erklärt. Einem Förster wie Herber fehlt die Liebe zum Wald. Die Liebe eines Großherzogs Georg von Mecklenburg, der für seine „Heiligen Hallen“ sogar ein Gedicht verfasste, können viele Förster nicht verstehen:

Unter meinen alten Buchen,
Die wie Himmelssäulen stehn,
Möcht’ ich Dich, o Ruhe, suchen,
Möcht’ den Himmel wiedersehn,
Wie er durch die dunklen Äste
Zwiefach schön und hehr erscheint,
Dann seh ich gewiss das Beste
Erd und Himmel eng vereint.

 

Herber: „Der Wald muss gepflegt werden.“

Laut Herber „sei es über Jahrzehnte versäumt worden, den Wald zu pflegen“. Herber verkündet das zentrale Dogma der Forstwirtschaft: Der Wald ist ein todkranker Patient, der sich selbst nicht helfen kann. Er muss gepflegt werden! Förster Peter Wohlleben hält davon gar nichts:

„Das ist ausgemachter Blödsinn! … Der Wald hat es seit Jahrmillionen bestens verstanden, sich selbst zu erhalten. … Wald durch Bewirtschaftung zu unterstützen wäre in etwa so, als wollten Sie als Laie ein komplexes mechanisches Uhrwerk durch den Ausbau einiger Zahnräder präziser machen.“4


Herber: „Der Wald muss verjüngt werden.“

Es gibt ein zweites Dogma, an das Herber wie viele seiner Kollegen glaubt. Das ist das Dogma von der Verjüngung. Kein Förster, der bei Holzfällungen nicht die frohe Botschaft von der „notwendigen“ Verjüngung verkündet. Dabei werden Vorurteile und Ängste gegenüber alten Menschen ausgebeutet. Alt sein wird von vielen Förstern gleichgesetzt mit Krankheit, Verfall, Hilfsbedürftigkeit, Siechtum und Tod. Herber spricht von „überalterten Wäldern“ wie Rentenpolitiker der CDU von der „überalterten Gesellschaft“. Er weckt damit unbewusste Phantasien, so als sei der Brinkmannswald ein Altenpflegeheim voller moribunder Patienten, die jeden Moment hinter ihrem Rollator zusammenbrechen können. Altsein wird so zu einer Last und einer Bürde. Die alten Bäume müssen weg, der Wald muss „verjüngt“ werden. So sprechen junge und dynamische Personalchefs von ihrer Belegschaft: Die Alten gehören in den Ruhestand, der Betrieb muss verjüngt und verschlankt werden. So wie die Titelseiten der Modezeitschriften huldigt Herber dem Jugendkult: Bäume haben jung, gesund, schlank und vital zu sein.

Es gibt Förster, die mir Angst machen. Schauen Sie sich dieses Beispiel aus dem Nationalpark Harz an. Hier entsteht laut Nationalparkverwaltung der „Mischwald der Zukunft“ (Zitat von einer dort aufgestellten Informationstafel):

 

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  1. in: Nationalpark 2, 2008, S. 14-16 []
  2. siehe WAZ vom 22.2.2014 „Anwohner verärgert über Abholzung in Bottrop“ und WAZ vom 26.2.2014 „Baumpatenschaften als möglicher Ausweg im Bottroper-Fällungsstreit„ []
  3. Lutz Fähser, Eine Schneise für die Mitsprache, in: Wald – Politische Spielräume zwischen Baum und Borke, Politische Ökologie, Heft 132, März 2013, S. 109 []
  4. Peter Wohlleben, Mein Wald – nachhaltig, sanft, wirtschaftlich, Stuttgart 2013, S. 10 []