Abholzung des Waldes am Waldstadion Rothebusch

Das Grundproblem der Waldnutzung ist, dass „eine sehr erhebliche Kluft, ja nicht selten ein scharfer Konflikt zwischen dem ‚Gebrauchswert‘, den der Wald für seine Anwohner(innen) besaß, und dem ‚Tauschwert‘, der durch die Waldprodukte entstand, die sich direkt zu Geld machen ließen.“
Joachim Radkau, Professor für Neuere Geschichte in Bielefeld1

Einleitung

Am Montag, den 13. Februar 2014, begann die Firma Baumgartner aus Sprockhövel damit, alte Buchen im Norden des Waldstadions Rothebusch zu fällen. Ein Google-Satellitenbild zeigt die grüne Oase inmitten der Stadt vor Beginn der Baumfällungen:

Satellitenbild WaldstadionQuelle: Google-Maps

Dieses Bild ist Vergangenheit: Das folgende Bild wurde vom Stadioneingang in der nordwestlichen Ecke des Platzes aufgenommen:

 

Vor dem Hieb war das Kronendach dicht geschlossen. Der Fachmann spricht von einem Kronenschlussgrad von 1,0 (= „volle Überschirmung“).2 Dies ist nicht etwa schlecht oder schädlich für die Buchen, sondern völlig natürlich. Auch wenn es Förstern nicht in ihren Kram passt und sie beständig gegen die volle Überschirmung ankämpfen: Das Blätterdach von natürlichen Buchenwäldern hat keine Lücken und am Boden ist es dunkel. Und das ist auch gut so.

 

Durch den Hieb wurde das Kronendach weit aufgerissen. In den Lücken würde weit mehr als eine Krone Platz finden. Der Kronenschlussgrad ist jetzt kleiner als 0,6 (Fachbegriff: „räumdig„).3 An vielen Stellen sind nur noch wenige Überhälter vorhanden. Der Kronenschlussgrad ist kleiner als 0,3 (Fachbegriff „lückig„).4 Auch am Rand des Waldes wurden Altbuchen gefällt, sodass der Wind nun nicht nur von oben, sondern auch von den Seiten freie Bahn hat. Ein kühles und feuchtes Waldbinnenklima kann sich so nicht mehr ausbilden. Von einem Buchenwald kann man nicht mehr sprechen: Die verloren herumstehenden Altbuchen erinnern eher an einen Stadtpark, es fehlen nur die Rasenflächen und die Blumenbeete.

 

Kreuz und quer durch den ehemaligen Wald ziehen sich vermatschte extrabreite Fahrwege, an deren Rändern sich Holzpolter und Kronenabfallberge türmen:

 

Und natürlich geht es um die Produktion von Holz: „Niemals davon sprechen, immer daran denken!“ ist das Motto vieler Förster.

 

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  1. Joachim Radkau, Die wortreiche und die stumme Geschichte, in: Wald – Politische Spielräume zwischen Baum und Borke, Politische Ökologie, Heft 132 (März 2013, 31. Jahrgang), S. 31 []
  2. siehe Norbert Panek und Markus Schönmüller, Umgang mit Buchenwäldern im Umfeld der UNESCO-Weltnaturerbestätte „Nationalpark Kellerwald-Edersee“, Mai 2013, S. 26 []
  3. siehe Panek, a. a. O. []
  4. ebd. []