Windwurf nach Durchforstung im Virchow-Wald

Angaben des Forstbetriebsplans zum Virchow-Wald

Das Bestandesblatt des Forstbetriebsplans zum Virchow-Wald wurde mir freundlicherweise von Herrn Klaus Arentz, dem Leiter des Grünflächenamts, zur Verfügung gestellt. Es sieht folgendermaßen aus:

Bestandesblatt_Virchow

Ich übersetze die Geheimschrift der Tabelle von links nach rechts. (Wie man ein Bestandesblatt dechiffriert, habe ich hier ausführlich dargestellt: Erklärung des Forstbetriebsplans.)  Im nur 1,46 ha großen Bestand wachsen zwei Baumarten: die Stieleiche („SEi“) und die Rotbuche („RBu“). Zum Stichtag des 1.1.2002 ist erstere 159 Jahre, letztere 89 Jahre alt. Die Stieleichen wurden demnach 1843, also noch vor der bürgerlichen Revolution von 1848, gepflanzt. Die Rotbuchen keimten ein Jahr vor Ausbruch des ersten Weltkriegs. 2012, im Jahr der Durchforstung, waren sie 99 Jahre alt. Die Stieleichen zählten 169 Jahre. Zur Erinnerung: Rotbuchen können 400, Stieleichen über 800 Jahre alt werden.

Die Stieleichen haben die Ertragsklasse („EKL“) II und damit einen „hohen“ Zuwachs an Holzmasse. Die Rotbuchen wachsen sogar noch besser: mit I,5 ist ihr Zuwachs fast „sehr hoch“.

Was den Eichen und Buchen zum Verhängnis wird, ist ihr Bestockungsgrad („BG)“: mit angeblich 1,3 gilt der Bestand als „überbestockt“ (zur Kritik am Bestockungsgrad von 1,3 siehe Falsche Zahlen im Forstbetriebsplan). In den Augen der Forsteinrichter wachsen zu viele Bäume dicht gedrängt auf engem Raum. Somit besteht für einen Förster dringender Durchforstungsbedarf.

Die Wertziffer („WZ“) der Stieleichen ist nur „4“. Sie haben eine nur „durchschnittliche Qualität“. Die Qualität der Rotbuchen ist dagegen „gut“ (Wertziffer „3“).

45 % der Fläche oder 0,66 ha sind mit Stieleichen bestockt. Auf dem Rest wachsen Buchen.

Verdächtig hoch ist der Holzvorrat: Bei der Stieleiche sollen es 394 Erntefestmester pro ha sein. Umgerechnet wären das 493 Vorratsfestmeter. Bei der Rotbuche lauten die Zahlen 412 Efm und 515 Vfm. Zum Vergleich: Der durchschnittliche Holzvorrat eines deutschen Wirtschaftswaldes liegt laut Bundeswaldinventur von 2008 gerade einmal bei 330 Vfm/ha (Eckhard Heuer, Studie bestätigt: Deutsche Wälder sind wichtige Kohlenstoffsenke, in: AFZ Der Wald, 20/2009, S. 1068). Ich werde später nachweisen, dass die Zahlen des Bestandsblattes falsch sind (siehe Falsche Zahlen im Forstbetriebsplan).

Rechnet man die Hektar-Werte auf den gesamten Bestand um, kommt man auf 260 Efm (394 x 0,66) Stieleiche und 330 Efm Rotbuche (412 x 0,8) im Jahr 2002. Macht zusammen 590 Efm.

Der jährliche Zuwachs der Stieleiche beträgt 3,6 Efm/ha, bei der Rotbuche 8,9 Efm/ha. Pro Jahr kommen Bestand also 9 Efm (3,6 x 0,66 + 8,9 x 0,8) hinzu. Diese Zahl wird bei der Bewertung der Durchforstung später wichtig werden.

Geplant war laut Betriebsplan nun folgendes: Der Bestand sollte zweimal „genutzt“ werden. Nutzungsart („NA“) ist die Vornutzung („V“). Diese sollte in Form einer zweimaligen Durchforstung der Rotbuchen geschehen. Gleichzeitig sollte die Stieleiche „zurückgedrängt“ werden. Deswegen sollen auch vergleichsweise mehr Stieleichen eingeschlagen werden: 80 Efm pro ha, was 20 % des Vorrats entspricht. Bei der Rotbuche sollen 60 Efm pro ha genutzt werden. Das macht nur 15 % ihres Vorrats. Rechnet man die Angaben für den Hektar wieder auf die tatsächlichen Flächen von 0,66 ha Stieleiche und 0,8 ha Rotbuche um, so sollten 53 Efm Stieleiche und 48 Efm Rotbuche eingeschlagen werden, zusammen 101 Efm. Das entspricht ungefähr dem Zuwachs von 10 Jahren und ist eine durchaus übliche Erntemenge. Diese Entnahme sollte auf zwei Einschläge innerhalb von 10 Jahren verteilt werden. So lange gilt der Forstbetriebsplan.

 

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