Bodenzerstörung am Schlehenkamp

Zwei Alternativen zum Harvestereinsatz

Auf seiner Homepage bekennt sich der RVR Ruhr Grün zur „naturnahen“ bzw. „naturgemäßen Waldwirtschaft“. Vielleicht versteht Jörg Wipf, Betriebsleiter von RVR Ruhr Grün, ja unter „Naturnähe„, dass seine 34 Forstwirte und Forstwirtschaftsmeister, 15 Förster und 15 Auszubildenden bei ihrer Arbeit der Natur nahe sind. Was aber an einem 21,5 Tonnen schweren Maschinenmonster „naturgemäß“ sein soll, bleibt sein persönliches Geheimnis. Vielleicht hat er ja ein „Faible für Technik“ und gehört zu den Männern, die sich für „große Maschinen … begeistern“1

Wenn der RVR Ruhr Grün seine eigenen Werbebotschaften ernst nehmen würde, gäbe es zwei Holzrückemethoden, die die Adjektive „naturnah“ und „naturgemäß“ auch wirklich verdienen:

Rückepferde

Die höchstens 30 cm dicken und nur drei Meter langen Rundhölzer hätten prima mit Rückepferden zum Schlehenkamp gezogen werden können. Dadurch erhöhen sich die Kosten pro Festmeter Holz nur „um etwa einen Euro“, so Bernd Reißmann, Leiter des hessischen Forstamts Nidda, in einem Interview mit der Welt.2 Reißmann setzt in seinem Revier mittlerweile wieder 10 Rückepferde ein. Denn: „Wir verlieren durch die vielen Rückegassen 15 bis 25 Prozent der Produktionsfläche im Wald.“ Im Zeitungsartikel heißt es über die Rückepferde:

„Die könnten auch auf nassen Böden die Stämme zum Abtransport bereitlegen – und das Holz so früher an den Markt bringen. Den Abstand der Rückegassen könne man auf bis zu 80 Meter vergrößern – das bringe mehr Platz für die Bäume, sagt Reißmann.“

Medienwirksame Pressefotos von Rückepferden würden dem grünen Image, das sich der RVR Ruhr Grün gerne verschaffen möchte, wesentlich mehr nutzen als peinliche Fotos von einem „Harvester bei der Laubholzdurchforstung in der Haard“.3

Weitere Informationen über Rückepferde bietet die Interessengemeinschaft Zugpferde e. V..

Schubkarren

Der RVR selbst bietet Motorsägenkurse für Bürger an, die Brennholz für den Eigenbedarf erwerben möchten. Diese privaten Selbstwerber können die gefällten Bäume so klein sägen, dass die Holzstücke mit einer Schubkarre aus dem Wald transportiert werden können. Dies hätte gleich mehrere Vorteile:

  • Das Brennholz könnte für Selbstwerber billiger angeboten werden, denn es fallen keine Kosten für gewerbliche Forstunternehmer an.
  • Trotzdem könnte der Forststützpunkt Heidhof einen höheren Erlös mit dem Brennholzverkauf erzielen. Schließlich entfallen die hohen Kosten für gewerbliche Forstunternehmen, die das Holz ernten.
  • Es müssten keine Rückegassen angelegt werden und der Waldboden würde geschont.

Natürlich ist diese Art der Holzernte für den Privatmann nicht so bequem wie das Einladen von bereits vorgerücktem und fertig zugeschnittenem Holz am Forstweg. Andererseits übersteigt die Nachfrage nach Brennholz in vielen Forstämtern mittlerweile das Angebot und sicherlich hätte der Forststützpunkt kein Problem, Selbstwerber zu finden, die den Mehraufwand an Arbeit nicht scheuen. Schließlich gehört gerade diese schweißtreibende Arbeit für viele Selbstwerber zum Reiz eines eigenen Holzofens hinzu. Dies klappt in vielen Forstämtern hervorragend und hat sich als besonders bodenschonende Holzernte bewährt.

Nach oben
Zurück zur Einleitung
Nächste Seite: Schluss – Angst um die alten Buchen

  1. Peter Wohlleben, Der Wald – ein Nachruf, München 2013, S. 71 []
  2. siehe Rückepferde statt Maschinen bei der Forstarbeit, Die Welt vom 10. März 2013 []
  3. siehe Snapshot der Webseite „Holzvermarktung durch RVR Ruhr Grün“ []