Gruselige Zahlen aus der Holzrohstoffbilanz

Kampf ums Holz

Schon 2008 wies Peter Wohlleben auf eine besorgniserregende „Kettenreaktion“ hin: Es ging um Holzpellets, die bis 2006 ausschließlich aus Sägemehl hergestellt wurden. Aufgrund der gestiegenen Nachfrage nach Pellets reichte das aber nicht mehr:

„Mehr und mehr Anlagen waren gebaut worden, die ganze Baumstämme zu den kleinen Rollen verarbeiten konnten. Da sich die Pellethersteller nun am Holzmarkt weitere Rohstoffe beschaffen mussten, nahmen sie zunächst das Segment der minderwertigen Hölzer ins Visier. Dadurch stiegen die Preise für dieses Sortiment stark an, denn die Pellethersteller, aber auch die Produzenten von Hackschnitzeln, traten in direkte Konkurrenz zu den Industrieholzkunden, die das Holz für ihre Spanplattenproduktion brauchten. Mancherorts verdoppelten sich die Preise innerhalb eines Jahres. Die Spanplattenhersteller wichen auf noch vorhandene, höherwertige Sortimente; welche etwas für Parkett oder auch Paletten geeignet waren, aus. Wie bei einem Staffellauf wurde die Verknappung weitergereicht […], sodass diese Hersteller ihrerseits auf höherwertiges Bau-und Möbelholz ausweichen mussten. […] In kurzer Zeit stieg der Preis für das gesamte lieferbare Waldholz drastisch an. Und es wurde allen Beteiligten klar, dass die Menge begrenzt […] ist.“1

Holzpreisaus: Holzmarktbericht 2014, S. 16

Vier Jahre später ist das auch der Arbeitsgemeinschaft der Rohholzverbraucher (AGR) klar. Ihr platzt wegen der Brennholzgier der Kragen:

„Die AGR sieht […] im weiteren Ausbau der Biomassenutzung, wie derzeit von der Bundesregierung noch forciert, eine drastische Fehlentwicklung. […] Die AGR sieht deshalb in der vielfach undifferenzierten Förderung der Energieholznutzung eine drastische politische Fehlsteuerung, die unweigerlich den Wettbewerb um den Rohstoff Holz verschärfen wird. Die AGR fordert von der Bundesregierung […], Fehlanreize zu korrigieren und auf den weiteren Ausbau insbesondere von Scheitholz- und Hackschnitzelheizungsanlagen zu verzichten.“2

Die AGR kritisiert, dass Privatleute mittlerweile sogar den Sägewerken das Holz wegkaufen:

„Gerade die Buche ist ein beliebtes Brennholz, so dass mittlerweile selbst stammholzfähige Sortimente als Brennholz vermarktet werden.“3

Zu diesem Vorwurf passt Abbildung 2-10 der Holzrohstoffbilanz. Mantau schreibt dazu:

„Auch beim Laubderbholz hat sich zwischen 2003 und 2006 ein starker Anstieg vollzogen, der vor allem auf die energetische Nutzung zurückgeht.“4

Nach oben
Zurück zur Einleitung

  1. Peter Wohlleben, Holzrausch, St. Augustin 2008, S. 69 []
  2. AGR hält amtlichen Holz-Einschlag für zu niedrig, Holz-Journal, Ausgabe 11, 30. Mai 2012, Hervorhebungen von mir []
  3. Holz-Journal, a. a. O., Hervorhebung von mir []
  4. S. 19, Hervorhebung von mir []