Gruselige Zahlen aus der Holzrohstoffbilanz

Einleitung

2010 war ein denkwürdiges Jahr für die deutsche Forstwirtschaft. In diesem Jahr überstieg die energetische Nutzung von Holz1 zum ersten Mal seit dem 2. Weltkrieg die stoffliche Nutzung. In Zahlen: Energetisch wurden 68,4 Millionen Festmeter verbraucht, stofflich 67,1 Millionen. Schon die stoffliche Nutzung hat sich seit 1987 verdoppelt. Aber die Holzverbrennung hat sich verfünffacht:

Zahlen und Abbildung stammen aus der Holzrohstoffbilanz Deutschland von Udo Mantau. DIE WELT nennt ihn den „deutschen Holzpapst“. Mantau lehrt als Professor am Zentrum für Holzwirtschaft der Universität Hamburg. Er leitet dort die Abteilung für Ökonomie der Holz- und Forstwirtschaft und kennt die Zahlen wie kein zweiter.2

Die Holzrohstoffbilanz ist eine wahre Fundgrube für Waldschützer. Leider sind die verstörenden Zahlen viel zu wenig bekannt. Wer wissen will, warum der Nutzungsdruck auf die Wälder so dramatisch gestiegen ist – hier findet er Antworten.
Ich gliedere meine Ausführungen in folgende Abschnitte:

  1. Aufkommen des Holzrohstoffes
    1. Waldholz
    2. Sonstige Holzrohstoffe
  2. Verwendung des Holzrohstoffes
    1. Stoffliche Nutzung
    2. Energetische Nutzung
  3. Brennholzgier der privaten Haushalte
  4. Kampf ums Holz

Hinweise:
1.
Das Gutachten ist gespickt mit holzwirtschaftlichem Fachchinesisch. Ich versuche die Fremdworte in verständliches Deutsch zu übersetzen.

2.
Die x-Achse der Abbildungen umfassen jeweils auch die Jahre 2011 – 2015. Verlässliche Zahlen lagen Mantau aber nur bis 2010 vor. Die Zahlen von 2011 – 2015 sind also Schätzungen. Ich benutze im Text die Zahlen für 2010. Wundern Sie sich also beispielsweise in der obigen Abbildung nicht, wenn der Wert am rechten Rand der Abbildung für die energetische Nutzung statt bei 68,4 bei fast 80 Mio. liegt. Letztere Zahl ist eine Schätzung für 2015.

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  1. Energetische Nutzung ist ein beschönigender Ausdruck für das Verbrennen von Holz. []
  2. Ich bin bereits einmal mit Mantau aneinander gerasselt: Er hatte 2012 ein Gutachten geschrieben, das für den Fall der Einrichtung eines NLP Teutoburger Wald 289 Arbeitsplatzverluste in der Forst- und Holzwirtschaft ausgerechnet hatte. Siehe Mantaus Stellungnahme zum Gutachten von Berger []