Der Wald wird gefegt

„Die Arbeit ist viel viel mehr geworden. Die Anlagen sind mehr geworden. Und der Materialbedarf ist auch mehr geworden. Es wird auch mehr gehackt. Was früher im Wald verfault ist, wird jetzt alles hinaus gezogen und alles gehackt.“
Jörg Irlacher, Hackschnitzelproduzent1

Einleitung

Förster Peter Wohlleben weist auf eine beunruhigende Tendenz hin:

„Vor 2006 erzielte man für Holz, welches mit Faulflecken behaftet war, abzüglich der Betriebskosten nur 1 Euro pro Kubikmeter als Gewinn. Wurden statt Unternehmen staatliche Waldarbeiter eingesetzt, so entstanden für die Verwaltungen sogar etliche Euro Verlust. Kein Wunder, dass man solches Holz in der Vergangenheit lieber im Wald beließ. Dass dies gleichzeitig der Natur zugute kam, war ein schöner Nebeneffekt, den man PR-wirksam nutzte. Aber seit Ende des Jahres 2006 steigen die Preise  […] deutlich an. Auch für angefaultes Holz können seitdem Reingewinne von über 20 Euro je Kubikmeter erzielt werden. […] minderwertiges Holz wird seit der Preissteigerung in vielen Betrieben restlos aus dem Wald entfernt und verkauft.“2

Es geht im folgenden Artikel um Waldrestholz. Waldrestholz war früher unverkäuflich. Heute kann man damit gutes Geld verdienen. Zum Waldrestholz gehört auch die Baumkrone, dazu kommen Äste und Reisig. All das blieb früher im Wald, verrottete dort zu Humus und bildete den Lebensraum für unzählige Lebewesen. Heute wird das Waldrestholz zu Hackschnitzeln verarbeitet und in Biomasseanlagen verfeuert. Der Wald sieht danach aus wie gefegt. Ich präsentiere aktuelle Zahlen und Zukunftsszenarien und gehe der Frage nach, welche schädlichen Folgen dem Wald drohen.

Waldrestholznutzung im NLP Eifel im Oktober 2013

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  1. BR-Dokumentation, Energie aus dem Wald, Minute 13:10 []
  2. Holzrausch, St. Augustin 2008, S. 38 f. []