Mein Fiasko auf dem Westweg im Oktober 2019

„Es reist sich besser mit leichtem Gepäck.“
Silbermond

Das Gewicht des Rucksacks

Auf normalen Tageswanderungen wiegt mein Rucksack 1 kg. Höchstens. Hinzu kommt 1 kg für Getränke. Beim Westweg hatte ich 5 kg mehr im Rucksack. Und das, obwohl ich schon sehr viel weggelassen und nur das Nötigste eingepackt hatte. Ich habe jedes der 5 kg einzeln verflucht. Es ist ein himmelweiter Unterschied 7 oder 2 kg zu schleppen.Wenn man dann noch wie ich einen Fotoapparat um den Hals hängen hat, der auch noch einmal 1 kg wiegt, fühlt man sich bepackt wie ein Maulesel. Und hätte ich die Wanderung im Sommer gemacht, wäre noch mehr Gewicht für Getränke nötig gewesen.

Nicht umsonst bieten Reiseveranstalter Touren mit Gepäcktransport an.1siehe z. B. die Angebote von Original-Landreisen. Aber Gepäcktransport ist teuer. Pro Person kosten 14 Übernachtungen 1.169 €.

„Schnell weg da, weg da, weg, es tut uns furchtbar leid, wir schaffen’s kaum, der Weg ist ja noch weit, wir dürfen keine Zeit verlieren, können hier nicht stehn, wir müssen gehn.“
Herman van Veen

Länge der Etappen

Der Westweg gilt als „schwer“2„Schwierigkeit = schwer“, siehe Westweg – Die Etappen und das liegt v. a. an der Länge der Etappen: 7 von 12 sind länger als 26 km. Die 11. Etappe ist sogar 32 km lang – und das mit 872 m Aufstieg!3Selbst für Hardcore-Wanderer ist das dann doch etwas viel und der Autor von Schwarzwald-Tourismus gibt den Tipp, die Etappe auf zwei Tage aufzuteilen. Und weicht für den Weg zum Hotel und zurück dafür dann stark von der Route ab. Aber die Länge der Etappen verwundert nicht mehr so, wenn man folgendes über den Erfinder des Westwegs, Philipp Bussemer, weiß:

„Bussemer muss ein sehr ambitionierter Wanderer gewesen sein, wie Dagmar Rumpf, Referentin für Kulturgeschichte im Schwarzwaldverein, recherchiert hat. Als der Baden-Badener Kaufmann im Jahr 1902 den ersten Westweg-Wanderführer veröffentlichte, schlug er Tagesetappen mit Gehzeiten von bis zu elf Stunden und 35 Kilometern vor.“4Westweg ist ein Klassiker – dank Philipp Bussemer, Badische Neueste Nachrichten, 17.9.2018, Hervorhebungen von F.-J. A.

„Sehr ambitionierter Wanderer“ … so kann man es auch nennen. Aber im Grunde genommen ist es logisch: Wer hat schon mehr als 14 Tage Urlaub? Und wenn ich 300 km in 14 Tagen schaffen will, dann müssen die Etappen lang sein. Mit gemütlichen 10 km Touren geht das nicht.  Und wenn nicht die knappen Urlaubstage schuld sind, dann das fehlende Geld. Je länger die Tour, desto teurer wird sie. Ganz davon ab, dass es an Übernachtungsmöglichkeiten direkt am Weg fehlt. Selbst wenn die einzelnen Etappen kürzer wären, bräuchte man lange Wege zum Hotel und wieder zurück. Also: lange Etappen! Die aber lassen keinen Raum für Umwege. 26 km sind gerade noch akzeptabel. 30 km sind es nicht. Die 11. Etappe muss die absolute Ausnahme bleiben.

Und so fallen die vielen Sehenswürdigkeiten abseits des Westwegs unter den Tisch. Ein Abstecher auf der 2. Etappe zum Wildseemoor im Kaltenbronn? Völlig ausgeschlossen! Die 26 km lange Etappe lässt keine Zeit für solche Eskapaden! Ein Umweg auf der 4. Etappe zum Wildsee im NLP Schwarzwald? Keine Zeit! Die Etappe ist sowieso schon 28 km lang.

Regen im Sommer

Wenn es im Urlaub regnet, kommen Menschen normalerweise nicht auf die Idee, eine Wanderung zu unternehmen. Einen kleinen Spaziergang vielleicht, aber schon eine 10 km-Tour dürfte bei anderen Hotelgästen Stirnrunzeln auslösen. Und 26 km? Vielleicht ist bei einer Fernwanderung eine Tagesetappe im strömenden Regen gerade noch zumutbar. Aber mehrere Tage Regen hintereinander machen einen Fernwanderweg auch im Sommer zu einer Tortur. Und es ist sind nicht nur die nassen Klamotten, die einem zusetzen. Der Weg verschlammt, Wurzeln auf dem Weg werden glitschig. Und wenn Sie mit einem Schirm in der Hand und 10 kg Gepäck auf dem Rücken ausrutschen, wünsche ich Ihnen viel Glück! Vermutlich geht mehr als der Fotoapparat oder das Handy kaputt … Wenn man sich aber entschließt, das Wandern zu unterbrechen, muss man sämtliche Hotels umbuchen. Das kann funktionieren, muss aber nicht.

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