Von Winnetou und Robin Hood – der SPIEGEL-Artikel über die BBIWS

Die Kritik von Heinz

Die Idee zu diesem Artikel kam mir, als mir ein guter Bekannter – nennen wir ihn Heinz – von dem SPIEGEL-Artikel und von seinen persönlichen Eindrücken beim Lesen erzählte. Ich wusste von Heinz, dass er für den Schutz des Waldes ist. Deshalb war ich perplex. Denn Heinz war enttäuscht:

„Mit nur zwei Seiten ist der Artikel ja ziemlich kurz und eine halbe Seite nimmt allein das unterbelichtete Foto eines Waldes ein.“

Sein Hauptvorwurf aber richtet sich gegen den „flachen Inhalt“:

„Inhaltlich präsentiert er nichts neues. Das hat man so oder so ähnlich schon in vielen anderen Artikeln und Zeitungen lesen können. Keine Überraschungen, alle spielen ihre vorgefertigten Rollen. So etwas kann  man aus x-beliebigen Artikeln zum Thema zusammenkopieren.“

Und dann beschreibt Heinz die Personen im Artikel, die alle das sagen, was sie immer sagen:

„Eine ‚Aktivistin‘ empört sich; Männer mit Harvestern haben alles platt gemacht“.

„Peter Wohlleben kritisiert Rückegassen und Bodenverdichtung.“

„Norbert Panek kritisiert den Wald im allgemeinen; zu wenig Laubbäume usw.“

„Ein(e) Bundeslandwirtschaftsminister(in) [Name austauschbar] findet alles wunderbar; den deutschen Wald, den nachhaltigen Rohstoff Holz und die seit 300 Jahren erfolgreiche deutsche Forstwirtschaft.“

„Ein ‚Forscher‘, in diesem Fall Andreas Bolte vom Thünen-Institut, gibt dem(r) Minister(in) Recht und bezieht sich dabei auf die BWI; es wächst ganz viel Holz nach, wunderbare Artenvielfalt. Außerdem warnt er davor, Holz aus anderen Ländern zu importieren; da ist der Wald nicht so wunderbar.“

„Förster Knut Sturm, eine Mischung aus Winnetou und Robin Hood, macht alles anders als die anderen Förster; er hat den Wald einfach nur lieb und verdient damit auch noch viel Geld.“

Heinz bedauert, dass der SPIEGEL keine der vielen Aussagen einem Faktencheck unterzieht:

„Wie sinnvoll ist z. B. das 5%-Ziel der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt?“

Zum Schluss seiner Kritik verweist er auf einen anderen SPIEGEL-Artikel, den er für deutlich besser hält: Nationalpark Bayerischer Wald – Tote Bäume spenden Leben. Der Artikel hat zudem den Vorteil, dass er nicht hinter einer Paywall ist.

Die Kritik von Heinz ist heftig, aber er kennt zumindest fast alle Personen in dem Artikel und auch ihre Positionen. Er ist zwar enttäuscht und wahrscheinlich auch gelangweilt, aber er hat zumindest den ganzen Artikel gelesen. Das kann man von einem Mitglied in meinem Fitnessstudio – nennen wir ihn Karl – nicht behaupten.

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