Von Winnetou und Robin Hood – der SPIEGEL-Artikel über die BBIWS

„Probleme können so beschaffen sein, dass es für sie keine Lösung gibt oder jedenfalls keine hier und jetzt realisierbare.“
Wolfgang Streeck1

Einleitung

Die 2018 neu gegründete Bundesbürgerinitiative Waldschutz (BBIWS) möchte eine erfolgreiche politische Bewegung sein. Sie will die öffentliche Meinung verändern und Millionen Menschen überzeugen. Ihr wichtigstes politisches Ziel ist es, das Bundeswaldgesetz zu reformieren. Dazu hat sie eine Online-Petition gestartet: Wälder sind keine Holzfabriken – es reicht!!! Wir Bürger fordern ein neues Bundeswaldgesetz! Ich bin selbst Mitglied der BBIWS.

Leider weiß ich nicht, was man machen muss, um eine erfolgreiche politische Bewegung zu werden. Ich weiß nicht, wie man massenhaft Menschen mobilisiert oder wie man politische Ziele erreicht. Ein schwacher Trost ist es, dass ich mit meiner Ratlosigkeit nicht alleine bin: Albrecht Müller, Daniele Ganser und Rainer Mausfeld haben auch kein Erfolgsrezept. Auch der kürzlich verstorbene Horst Stern hatte keines. Und auch Sahra Wagenknecht nicht: sowohl als Fraktionsvorsitzende der Linkspartei als auch mit ihrer Aufstehen-Bewegung ist sie krachend gescheitert.2

Ich kenne also kein Rezept für politischen Erfolg. Als Public-Relations-Experte für die BBIWS eigne ich mich nicht. Was ich aber mit Sicherheit weiß, ist, was nicht reicht, um politischen Erfolg zu haben. Twitter, Facebook und Auftritte bei Anne Will reichen nicht: siehe Sahra Wagenknecht. Eine eigene Fernsehshow und eine eigene Zeitschrift reichen nicht: siehe Horst Stern. Voll besetzte Hörsäle reichen nicht: siehe Rainer Mausfeld und Daniele Ganser. Eine Webseite und Gesprächskreise reichen nicht: siehe Albrecht Müller. Und ein Artikel im SPIEGEL reicht auch nicht: siehe Bundesbürgerinitiative Waldschutz.

Und damit bin ich beim Thema dieses Aufsatzes: Es geht um den SPIEGEL-Artikel über die Bundesbürgerinitiative Waldschutz, der am 5. Januar 2019 in der zweiten Ausgabe des Jahres erschien: Mein Wald gehört mir – wütende Bürger wehren sich gegen die Übernutzung öffentlicher Forste. Der Untertitel lautete:

„Bürgerinitiativen fordern einen Umbau der Forstwirtschaft. Ihre Analyse: Dem deutschen Wald gehe es miserabel. Promi-Förster Peter Wohlleben unterstützt die Protestler.“

Ein Hinweis auf den Artikel schaffte es sogar auf die Titelseite: Der deutsche Wald – Wirtschaftsraum oder Ökoparadies? Und bei SPIEGEL ONLINE konnte man sich zusätzlich ein rd. zweiminütiges Video anschauen: Die Wut der Waldschützer.

In drei Kapiteln werde ich den SPIEGEL-Artikel und die an ihn geknüpften Erwartungen kritisieren. Die Seite ist also gegliedert in folgende Abschnitte:

Wer von beiden hat jetzt Recht? Panek oder Bolte? Muss ich das wissen? Und wen interessiert das überhaupt?

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  1. Gekaufte Zeit – Die vertagte Krise des demokratischen Kapitalismus, Berlin 2013, S. 8 []
  2. siehe Andreas Wehr, Die Zäsur, 14. März 2019 []