Offener Brief an Thibault Lachat

Offener Brief an Thibault Lachat vom 6.6.2018

Sehr geehrter Dr. Lachat!

Ich schreibe Ihnen als Mitglied der kürzlich in Deutschland neu gegründeten Bundesbürgerinitiave Waldschutz (BBIWS). Ich halte Ihre wissenschaftlichen Aufsätze für sehr informativ und für sehr wichtig. Sie enthalten sehr spannende Ergebnisse, die für den Waldschutz sehr nützlich sind. Ich fürchte nur, dass es zwei Probleme gibt:

  1. Ihre Arbeiten sind bei den Waldschützern in Deutschland nicht bekannt.
  2. Ihre Arbeiten sind selbst für den interessierten und etwas gebildeten Laien – zu denen ich mich zähle – nicht verständlich.

zu 1.
Mit diesem Brief, den ich auf meiner Webseite veröffentlichen werde, möchte ich ein wenig dazu beitragen, dass Sie bei den Waldschützern in Deutschland bekannter werden. Dass Ihre Arbeiten für Bürgerinitiativen sehr nützlich sein können, hatte ich bereits 2015 festgestellt, als ich auf Ihren Aufsatz über Altholzinseln gestoßen war: Auswahlkriterien für Altholzinseln. Die Informationen waren mir eine große Hilfe bei der Kritik des Trittsteinkonzepts des Forstbetriebs Ebrach im Steigerwald: Die Mindestanforderungen an einen Trittstein.

zu 2.
Leider sind Ihre Arbeiten selbst für den interessierten Laien nicht verständlich. Als Beispiel möge ein Artikel aus dem Jahr 2013 dienen, der im Internet frei zugänglich und vollständig verfügbar ist: Current Near-to-Nature Forest Management Effects on Functional Trait Composition of Saproxylic Beetles in Beech Forests. Ich verstehe die Einleitung und die Diskussion. Den Methoden- und Ergebnisteil könnten Sie ebenso gut auf Chinesisch schreiben.

Selbst wenn man das Englisch und die vielen Fachbegriffe noch übersetzen kann, scheitert man spätestens an der Mathematik und der Statistik. Ich habe vor 30 Jahren Biologie studiert. Niemals haben wir in der Ökologie derartige Formeln und Abbildungen kennengelernt. Mathematik gab es damals ausschließlich in Biophysik. Deshalb möchte ich Ihnen die folgende Frage stellen:

Haben Sie vielleicht Texte über den Schutz des Waldes oder über Totholzkäfer u. ä. geschrieben, die für Laien verständlich sind? Wenn ja, wo sind diese im Internet zu finden? Gibt es vielleicht ein Buch, an dem Sie beteiligt waren oder das Sie empfehlen können?

Zum Schluss habe ich noch Fragen, die weniger biologisch als politisch sind: Wer ist eigentlich der Adressat des Artikels aus dem Jahr 2013? Richtet er sich an Förster? Oder an die Leitung der Abteilung Wald im Schweizer Bundesamt für Umwelt? Verstehen die solche wissenschaftlichen Texte? Haben Sie Erfolg mit solchen Artikeln? Erhöhen die Förster jetzt die Totholzmengen und die Mengen an dickem und stärker zersetztem Totholz? Der Artikel erwähnt ausdrücklich, dass er Daten aus dem Steigerwald benutzt hat. Ich fürchte, dass die Bürgerinitiativen im Steigerwald, die sich für einen Nationalpark einsetzen, damals nichts von Ihrer Arbeit erfahren haben. Oder irre ich mich?

Ich weiß, dass Sie vermutlich wenig Zeit haben. Trotzdem würde ich mich über eine Antwort bis Ende September freuen.

Mit freundlichen Grüßen aus dem Weserbergland
gez. Franz-Josef Adrian

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