Greenpeace hilft keinem Schwein

Greenpeace und das Fiasko der Demo in Berlin

In einem Punkt gebe ich der „Greenpeace-Landwirtschaftsexpertin“ Stephanie Töwe völlig recht. In einer Presseerklärung mit der Überschrift Haltung von Mastschweinen verstößt gegen Tierschutzgesetz und Verfassung fordert sie am 3.5.2017:

„Das Bundeslandwirtschaftsministerium muss die Haltungsvorschriften dringend verschärfen und das Leiden in den Ställen beenden.“

Leider ändert das Ministerium die Nutztierhaltungsverordnung (TierSchNutztV) nicht freiwillig. Um den dafür nötigen politischen Druck auszuüben, hätten die Kampaigner von Greenpeace aus einer Fülle von bewährten gewaltfreien Protestformen auswählen können. Denkbar wäre z. B. ein Die-in gewesen vor dem Schlachthof von Tönnies in Rheda-Wiedenbrück, dem größten Schlachthof für Schweine in Deutschland. Auch Sit-ins und Mahnwachen vor einem der vielen Megaställe in Mecklenburg-Vorpommern oder Menschenketten von einer Anlage zur anderen hätte man mit Hilfe der Greenpeace-Ortsgruppen organisieren können:

Urheber/in: Heinrich-Böll-Stiftung, BUND. Dieses Bild steht unter einer Creative Commons Lizenz.

Aktivisten und Ehrenamtliche von Greenpeace hätten auch Auftritte von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt mit Applaus-Störfeuer oder Go-ins stören können.

Aber Greenpeace hat keine einzige dieser Protestformen ausprobiert, damit das Bundeslandwirtschaftsministerium die Haltungsvorschriften verschärft und das „Leiden in den Ställen“ beendet. Stattdessen entschied sich Martin Kaiser, der Kampagnen-Geschäftsführer von Greenpeace mit einem Jahresgehalt von 120.000 €, für die Teilnahme an der Demonstration „Wir haben es satt“ am 20.1.2018 in Berlin.

Eine der drei zentralen Forderungen lautete:

„In Megaställen […] trimmt die Fleischindustrie die Tiere immer weiter auf Profit. Doch Schweine, Hühner und Kühe brauchen Stroh, Auslauf und Weideland. […] Die Bundesregierung muss den Umbau hin zu artgerechter Tierhaltung wirksam fördern!“

Zur Demonstration hatten mehr als 50 – in Worten: fünfzigOrganisationen aufgerufen: darunter BUND und NABU und sämtliche biologischen Produktionsverbände von Bioland über Demeter bis hin zu Neuland. Allein der BUND hat 584.000 Mitglieder und Spender.1 Der NABU hat 575.000 Mitglieder2 und Greenpeace bringt es auf 586.000 Förderer.3 An der Demonstration teilgenommen haben ganze 33.000 Menschen. Das sind nicht einmal 2 % der Mitglieder dieser drei Organisationen. Die geringe Teilnehmerzahl ist niederschmetternd.

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  1. BUND-Jahresbericht 2016, S. 31 []
  2. NABU-Jahresbericht 2016, S. 40 []
  3. Greenpeace-Jahresbericht 2016, S. 18 []