Greenpeace hilft keinem Schwein

Greenpeace hilft keinem Schwein

Zum Schluss möchte ich die Ergebnisse zusammenfassen und auf meine Vorwürfe in der Einleitung zurückkommen. Die Kampagne von Greenpeace …

  1. richtet sich an den falschen Adressaten,
  2. verfehlt die richtigen und
  3. erreicht die falschen Ziele.

1. Lidl ist der falsche Adressat

Es ist nicht der Discounter Lidl, der festlegt, dass einem 110 kg schweres Mastschwein nur eine Stallfläche von 0,75 m2 zusteht. (Zum Vergleich: Eine handelsübliche Schreibtischplatte hat eine Fläche von 1,2 m2.) Dies ist festgelegt in § 29 (2) der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung (TierSchNutztV). Verantwortlich für diese Verordnung ist das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Zum Zeitpunkt der Greenpeace-Kampagne war Christian Schmidt der zuständige Bundesminister. Sitz des Ministeriums ist die Wilhelmstraße 54 in 10117 Berlin. Dort hätte Greenpeace demonstrieren müssen.

Campaignerin Töwe weiß das insgeheim auch. In einer Presserklärung vom 3. Mai 2017 sagte sie noch:

„Das Bundeslandwirtschaftsministerium muss die Haltungsvorschriften dringend verschärfen und das Leiden in den Ställen beenden.“

Genau das ist nicht passiert.

2. Greenpeace verfehlt die richtigen Ziele

Greenpeace hatte für seine Kampagne einen professionell gemachten Werbeclip gedreht und auf Youtube veröffentlicht:

 Im Text unter dem Video steht:

„Lidl verkauft billiges Fleisch aus Massentierhaltung. Für die Schweine ein Leben in extremer Enge, auf nacktem Spaltenboden und im eigenen Kot. Ein trauriges Dasein!“

Greenpeace wollte dieses „traurige Dasein“ abschaffen. Aber durch den LidI-Haltungskompass ändert Greenpeace nichts. Es wird als „Erfolg“ gefeiert, dass der Verbraucher jetzt die Wahl hat: zwischen „Tierleid oder Verantwortung“. Dabei hat der Verbraucher diese Wahl seit Jahrzehnten. Auch das „traurige Dasein“ der Schweine ist seit Jahrzehnten bekannt. Aber es ändert sich nichts.

Lidl verspricht  in seiner Presserklärung:

„Langfristig soll das komplette Frischfleischsortiment der Lidl-Eigenmarken mindestens auf Stufe 2 „Stallhaltung Plus“ umgestellt werden.“

Dumm ist nur, dass die „Greenpeace-Expertin“ Töwe diese Stufe 2 auch für schlecht hält:

„Die Stufe 2, mit der Lidl Fleisch aus der Initiative Tierwohl kennzeichnet, reicht uns aus Tierschutzsicht nicht aus. Auch dort werden die Tiere nicht viel besser gehalten als beim Mindeststandard.“1

3. Greenpeace erreicht die falschen Ziele

Am 1. Februar lobt sich Greenpeace überschwänglich für seinen „Erfolg“:

Schon die Überschrift der PR-Meldung ist Fake-News: Lidl kennzeichnet gar kein Fleisch mit dem Wort „Qual-Haltung“. Und Lidl beantwortet auch nicht die Frage „Wo steckt Tierleid drin?“ Das Label spricht von „Stallhaltung“. Punkt! Glaubt man der PR-Meldung von Greenpeace, dann ist diese Etikettierung „phantastisch“. Eine Sensation! Greenpeace tut so, als würde Lidl mit dem Label „Stallhaltung“ das Geheimnis um die Frage lüften: „Wie haben die Tiere gelebt?“ Endlich! Nach all den Jahren quälender Ungewissheit! Schweine leben im Stall! Das haben die „Kundinnen und Kunden“ nicht gewusst! Wenn sie das geahnt hätten!

„Transparenz“ ist das falsche Ziel. Denn die „Transparenz“ war immer schon da. Bio-Fleisch war immer schon eindeutig gekennzeichnet. Und „Transparenz“ war sicherlich auch nicht die Forderung der Aktivisten und Ehrenamtlichen, die „unermüdlich gekämpft“ haben.

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  1. „Wir werden genau hingucken“ []