Der Hambacher Forst als grünes Deckmäntelchen

Fake News über den Hambacher Forst auf Twitter und Facebook

Am 17. September 2018 veröffentlichen die Journalisten Marcel Laggai und Jürgen Mladek vom Nordkurier einen sehr gut recherchierten Artikel: Fake News um Hambacher Forst. Darin stellen sie fest, dass mehrere Politiker quer durch die Parteien Falschinformationen über den Hambacher Forst auf Twitter und Facebook verbreiten.

Silke Gajek von Bündnis 90/ Die Grünen postet auf Facebook, der Hambacher Wald sei „der letzte große Mischwald Mitteleuropas“.

Nicht nur das ist Unfug und dafür bräuchte nicht einmal den Stefan Ruge, Professor für Botanik und Waldbau-Grundlagen an der Hochschule für Forstwirtschaft in Rottenburg (Baden-Württemberg), um das zu widerlegen. Auch das Alter von 12.000 Jahren ist falsch sagt Wolfgang Schumacher, Professor für Geobotanik und Naturschutz an der Universität Bonn, im Kölner Stadtanzeiger:

„Vor 12.000 Jahren war im Hambacher Forst nichts als Tundra. Das richtige Alter dürfte bei 4.000 bis 5.000 Jahren liegen.“1

Eine weitere Falschmeldung verbreitet Katja Kipping, Vorsitzende der Partei Die Linke:

Es gibt im Hambacher Forst Bäume, die mit 350 Jahren sehr alt sind. Wie viele es sind, darüber schweigt sich auch Stefan Ruge im besagten Artikel des Nordkurier aus.

Sahra Wagenknecht, Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag, retweetet sogar die falsche Behauptung der von ihr mitgegründeten Sammlungsbewegung Aufstehen, beim Hambacher Wald handele es sich um die „letzten 100 Hektar des letzten intakten Urwalds in Deutschland“.

Das behauptet nicht einmal der BUND NRW: BUND-Hintergrund: Hambacher Wald retten. Die Wälder sind naturnah, aber keine Urwälder. Für den Ruf von Wagenknecht ist das fatal. Constantin Wißman kommentiert am 21.9.2018 im CICERO unter der Überschrift Fake News machen Wäldchen zu „Europas letztem großen Mischwald”:

„Dabei hatte sie selbst auf Facebook geschrieben: ‚Nur wer selbst sauber und seriös arbeitet, kann auch glaubwürdig die Lügen der anderen aufdecken und verurteilen.‘ ”

Es war Karlheinz Paskuda, der das eingangs erwähnte Foto über den „letzten großen Mischwald“ am 13.9.2018 auf Facebook veröffentlichte. Bis zum 10.10.2018 wurde es über 46.000 mal geteilt:

Der Kölner Stadtanzeiger schreibt über ihn:

„Die Aussagen habe er nicht überprüft. Er bestreitet auch nicht, dass sie falsch sind. ‚Mir ist es egal, ob der Hambacher Forst 2.000 Jahre oder 12.000 Jahre alt ist. Mir geht es um die politische Botschaft‘, sagt er.“

Und in der Politik spielt der Wald nur eine Nebenrolle. Er ist offenbar nur Mittel zum Zweck, um gegen den Kohleabbau und RWE zu mobilisieren.

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  1. „Letzter großer Mischwald“ – Kampf um Hambacher Forst wird auch mit Fake News geführt, KStA vom 21.9.2018 []