Das Fiasko der Umweltschutzorganisationen beim Altpapier

Erklärungen für den Misserfolg der Recyclingpapier-Kampagnen

Es besteht überhaupt kein Zweifel – Recyclingpapier ist dem Frischfaserpapier in jeder Hinsicht überlegen:

  • Bei seiner Erzeugung wird weniger Wasser benötigt.
  • Es wird weniger Energie verbraucht.
  • Es wird weniger CO2 produziert.
  • Der wertvolle Rohstoff Holz wird nicht verschwendet.
  • Abfall wird vermieden.

Trotzdem nutzen alle Anstrengungen der Umweltschutzorganisationen offenbar nichts, so sehr sie sich auch bemühen.

Die Organisationen erklären diesen eklatanten Misserfolg z. B. so: Beim Papier herrsche ein Wirrwarr von unterschiedlichen Siegeln, deren Bedeutung die Verbraucher nicht durchschauen können.

So kennen die Verbraucher den Unterschied zwischen dem Siegel des PEFC, des FSC, des Blauen Engels und den diversen anderen Siegeln auf den Packungen angeblich nicht:

„Tatsächlich sind viele der bunten Zeichen wenig hilfreich, weil sie den Eindruck von Umweltfreundlichkeit erwecken, aber es gar nicht sind. Die meisten wurden von der Industrie selbst erfunden und sind reiner Etikettenschwindel.“1

Die Organisationen wollen für „klare Sicht“ im „Umweltsiegel-Dschungel“ sorgen und meinen, dass die Verbraucher „im Labelschungel“ und „Dschungel der Abzeichen“ durch noch mehr Informationskampagnen aufgeklärt werden müssen.

Im Zweifelsfall ist der Verbraucher schuld. Dr. Martina Eisenbeis, sogenannte „Umweltmanagerin“ von Tempo und Zewa-Hersteller Essity, meint:

„Der Verbraucher nimmt Frischfaserpapier häufig als höherwertiger wahr. Als weicher, als weißer – vielleicht auch als hygienischer.“2

Und Monika Nolle von der Umweltschutzorganisation Ara fürchtet:

„[D]er Verbraucher schaut meistens doch nicht so genau hin.“

Greenpeace-Aachen zeigt sich schockiert:

„Es ist schockierend, wie uninformiert selbst Menschen sind, die täglich mit Papier arbeiten (Druckereien, CopyShops, Papierlieferanten).“

Sandra Kirchner von klimaretter.info wirft dem Verbraucher Vorurteile vor:

„[…] seit Jahren halten sich die Vorurteile zu Recyclingpapier fest in den Köpfen: Zu rau, schlecht beschreibbar, nicht tauglich für Drucker oder Kopierer, wenig praktikabel. Selbst dutzende Imagekampagnen von Behörden und Umweltorganisationen haben daran wenig geändert.“3

Nur – was sagt das über die Qualität der bisherigen Kampagnen aus? Und was über deren Sinn? Den Blauen Engel gibt es seit 1978. Wie viel Jahre braucht es denn noch, bis die Verbraucher endlich verstanden haben, dass sie nur Papier mit diesem Siegel kaufen sollen?

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  1. Abenteuer Regenwald – Für klare Sicht im Umweltsiegel-Dschungel []
  2. Brandgefährlich: Unsere Papierverschwendung! Bayerischer Rundfunk vom 7.12.2017 []
  3. Recyclingpapier – Die Mär von der hohen Quote, Frankfurter Rundschau vom 25.11.2016 []