NWE nützt Naturliebhabern nichts

Vor drei Tagen veröffentlichte ich den Beitrag Ausverkauf im Rumbecker Wald, in dem ich mich über das Umsägen der letzten dicken Buchen im Rumbecker Wald beklagte und sehr drastische Schimpfworte für den Wald verwendete: Drecksloch und Scheißeimer.

Vielleicht werden Förster der Niedersächsischen Landesforsten des zuständigen Forstamts Oldendorf oder der Revierförsterei Dobbelstein einwenden:

„Alles dummer Quatsch! Unsinn! Natürlich gibt es dicke und alte Buchen im Rumbecker Wald. Es gibt doch die NWE-Flächen!“

NWE steht für „Natürliche Waldentwicklung“. Auf NWE-Flächen ist die Holznutzung nicht erlaubt.1

Zu diesem Einwand möchte ich Folgendes sagen:

  • Ja, es gibt NWE-Flächen im Rumbecker Wald. Auf der Karte des NWE5-NI-Info-Portals kann man sie sich ansehen, indem man auf den Rumbecker Wald westlich von Hameln zoomt. Man erhält dann ein Bild wie das folgende:2

P = Parkplatz Schullandheim Friedrichsburg, L = Ludwigsturm, X = Wegsperrungen

  • Das NWE5-NI-Info-Portal im allgemeinen und die NWE-Flächen im besonderen sind in der Öffentlichkeit nicht bekannt. Bürger wissen darüber nichts.
  • Symptomatisch ist das Fehlen von NWE-Flächen im funkelnagelneuen Wanderführer Weserbergland. Autor Norbert Rother kennt die NWE-Flächen nicht und erwähnt sie z. B. bei der Tour Nr. 7 „Hünenburg“3 rund um den Rumbecker Berg mit keinem einzigen Wort.
  • Ein anderes Beispiel für die völlige Unwissenheit der Bevölkerung ist der Weserbergland Tourismus e.V. in Hameln. Er ist zuständig für den Weserbergland-Weg und weiß ebenfalls nichts über NWE-Flächen. Die Streckenführung berücksichtigt die Flächen in keinster Weise. Selbst wenn der Weg manchmal zufällig mitten durch NWE-Flächen hindurch führt, erfährt der Wanderer es nicht. So führt beispielsweise die 11. Etappe zu den Klippen des Hohenstein. Diese liegen in der 1.300 ha großen NWE-Fläche des Süntel, der „größte[n] zusammenhängende[n] Naturwaldfläche außerhalb des Nationalparks Harz“.4 Kein Wort davon in der Beschreibung des „Top Trail of Germany“.
  • Als Wanderer finde ich die Flächen im Wald nicht. Es gibt keine Hinweisschilder oder Wegweiser, die auf die Flächen hinweisen würden. Und die Bäume sind auch nicht markiert. Sonst ist alles markiert: Rückegassen mit weißen Strichen, umzuschneidende Bäume mit roten Strichen. Nur die Grenzen von NWE-Flächen – die sind nicht markiert.
  • Auf Wanderkarten sind die NWE-Flächen auch nicht eingezeichnet. Auch auf den Karten von outdooractive, der größten Outdoor-Plattform Europas, fehlen sie. Deshalb können mit dem Tourenplaner auch keine Wanderungen zu NWE-Flächen geplant werden.
  • Es gibt keine markierten Wanderwege, die ganz gezielt zu den weit verstreuten NWE-Flächen führen und sie miteinander verbinden.
  • Die Flächen liegen oft weit entfernt von Wanderwegen und sind für die Wanderer gar nicht sichtbar.
  • NWE-Flächen enthalten nicht zwangsläufig auch dicke und alte Buchen. Im Rumbecker Wald gibt es Flächen, deren Buchen sind nur 35 Jahre alt (8,53 ha). Sogar 22 Jahre alte Buchen werden unter Schutz gestellt (0,95 ha).
  • Fast alle Flächen sind winzig und schmal und nicht breiter als 100 m.

NWE-Fläche in unmittelbarer Nähe des ehemaligen Schullandheims, 3,44 ha, 164 Jahre alte Buchen

  • Die größte zusammenhängende Fläche liegt am Herkenberg und besteht aus 5 einzelnen Flächen. Zusammen sind sie 17,3 ha groß. Das ist zwar immer noch nicht riesig, aber unser geplanter Wanderweg führte daran entlang und man hätte 10 Minuten neben alten Buchen wandern können. Und ausgerechnet dort brütet der Seeadler! So sind die Wanderwege jedes Jahr gesperrt – und zwar nicht für 1 -2 Wochen, sondern gleich für über ein halbes Jahr. Das Verbot ist umso verrückter, als es im gesamten Rumbecker Wald kein einziges Naturschutzgebiet gibt.5

Hinter der Sperre auf der linken Seite liegt in der verbotenen Zone der Herkenberg mit 138 Jahre alte Buchen.

  1. siehe NWE5-NI-Info-Portal []
  2. Beschriftung mit P, L und X von F.-J. A. []
  3. ebd., S. 64 -68 []
  4. Im Süntel werden 1.300 Hektar Forst zum „Urwald“, Pressemitteilung des Niedersächsischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz vom 3.10.2017 []
  5. siehe Niedersächsische Umweltkarte []