Totholzkäfer im Schäferheld

Bemerkenswerte Totholzkäfer in der Naturwaldzelle Schäferheld

Alle im folgenden vorgestellten Käfer wurden von Köhler entweder zum ersten Mal in der Eifel nachgewiesen oder nach Jahrzehnten wiedergefunden. Sie sind so speziell, dass nicht einer von ihnen von Amann in seinem Standardwerk „Kerfe des Waldes“ beschrieben wird.

  1. Neuraphes plicicollis
  2. Euryptilium saxonicum
  3. Quedius infuscatus
  4. Euplectus bescidicus
  5. Plectophloeus erichsoni
  6. Phloiophilus edwardsi
  7. Platycis cosnardi
  8. Atomaria diluta
  9. Atomaria pulchra
  10. Notolaemus unifasciatus
  11. Latridus nidicola
  12. Enicmus brevicornis
  13. Corticarina lambiana
  14. Mycetophagus multipunctatus
  15. Ernoporicus fagi
  16. Xyleborus dryographus
  17. Xyleborus germanus
  18. Acalles camelus

 

1. Neuraphes plicicollis

Neuraphes_plicicollisFotograf: Udo Schmidt, Käfer der Welt

Neuraphes plicicollis misst nur 1,3 mm und gehört zur Familie der Ameisenkäfer (Scydmaenidae). Er lebt im Mulm morscher alter Baumstümpfe oder -stämme und macht dort Jagd auf Milben. Im Schäferheld hat Köhler ein Exemplar gefangen (Käferfauna, S. 160). Der Käfer steht nicht auf der Roten Liste.

2. Euryptilium saxonicum

Euryptilium_saxonicumFotograf: Udo Schmidt, Käfer der Welt

Euryptilium saxonicum zählt zur Familie der Zwergkäfer (Ptiliidae). Er ist auch nur 0,75-0,85 mm groß. Man findet ihn hauptsächlich an Vogelexkrementen, aber auch an faulenden Holzpilzen. 7 Exemplare Käfers wurden im Schäferheld entdeckt. Er ist „äußerst selten“ (Käferfauna, S. 161).

3. Quedius infuscatus

quedius_microps2Fotograf: Udo Schmidt, Käfer der Welt

Quedius infuscatus ist 5 mm groß und gehört zur Familie der Kurzflügler (Staphylinidae). Nur 3 Exemplare wurden im Schäferheld gefangen. Er ist sehr selten und in der Roten Liste für NRW wird seine Gefährdung angenommen. Er lebt „im Mulm hohler oder anbrüchiger Bäume, in denen Vogelnester vorhanden sind“ (Käferfauna, S. 170). Er frißt Fliegenmaden, die aus den Nestern in den Mulm wandern, um sich dort zu verpuppen.

4. Euplectus bescidicus

Euplectus_bescidicus
Quelle: World Archive of Sciences

Der nur knapp 2 mm kleine Euplectus bescidicus gehört zur Familie der Palpenkäfer (Pselaphidae). Er steht in Deutschland auf der Roten Liste und gilt als „stark gefährdet„. Im Schäferheld hat Köhler 7 Exemplare entdeckt. Die Käfer stellen in morschen Baumwurzeln Milben und deren Larven nach (Käferfauna, S. 178).

5. Plectophloeus erichsoni

Plectophloeus_erichsoni
Quelle: World Archive of Sciences

Plectophloeus erichsoni zählt ebenfalls zur Familie der Palpenkäfer (Pselaphidae). Die Rote Liste führt ihn als „stark gefährdet„. Köhler hat im Schäferheld nur ein einziges Exemplar fangen können. Der nur 1 mm kleine Winzling lebt räuberisch „in lehmiger Erde tief eingebettet in den nassen Rindenpartien weißfauler Wurzeln“ (Käferfauna, S. 179).

6. Platycis cosnardi

Platycis cosnardi
Foto: World Archive of Sciences

Platycis cosnardi aus der Famile der Rotdeckenkäfer (Lycidae) ist laut Roter Liste „stark gefährdet„. Im Schäferheld wurden 2 Exemplare eingefangen – eines im „weißfaulen Mulm eines liegenden Buchenstamms“, das andere in einer Fensterfalle. Er ist 7-8 mm groß und lebt im Mulm und auf Bäumen und Blüten. Seine Larven „leben räuberisch in morschem Holz“ (Käferfauna, S. 179).

7. Phloiophilus edwardsi

Phloiophilus edwardsiFotograf: Udo Schmidt, Käfer der Welt

Der rund 3 mm große Phloiophilus edwardsi ist in Mitteleuropa der einzige Vertreter der Familie der Phloiophilidae (Kosmos, S. 93). Nur ein einziges Exemplar wurde im Schäferheld gefunden (Käferfauna, S. 180). In Deutschland steht er als „stark gefährdet“ auf der Roten Liste. Seine Larven leben in dürren Ästen. Er ist ein Räuber.

8. Atomaria diluta

Atomaria diluta
Quelle: Edmund Reitter, Fauna Germanica – Die Käfer des Deutschen Reichs, Bd. III, Stuttgart 1911

Atomaria diluta gehört in die Familie der Schimmelkäfer (Cryptophagidae). Er ist nur 1 mm groß. Eigentlich bevorzugt er Nadelwälder; im Schäferheld wurde er aber auch mit Leimringen an Buchen gefangen. Sein Lebensraum sind Holzpilze und er frisst Schimmel. 24 Exemplare wurden im Schäferheld gefangen. Er ist „überall selten“ (Käferfauna, S. 184) und wird in der Roten Liste als „gefährdet“ geführt.

9. Atomaria pulchra

Atomaria pulchraFoto: Ingrid Altmann

Nur ein Exemplar des 1 mm kleinen Winzlings aus der Familie der Schimmelkäfer (Cryptophagidae) wurde im Schäferheld gefangen (Käferfauna, S. 184). Er frisst Schimmelpilze im Holz von Nadelbäumen. Laut Roter Liste für NRW ist der Käfer selten und eine „Gefährdung anzunehmen„.

10. Notolaemus unifasciatus

Notolaemus unifasciatusFoto: Kirill Makarov

Der 1 mm kleine Zweifleckige Bastplattkäfer (Notolaemus unifasciatus) gehört zu den Halsplattkäfern (Laemophloeidae). 8 Exemplare von dem seltenen Käfer wurden im Schäferheld eingefangen. Er kommt aus der westlichen Mittelmeer- und Atlantikregion. Deshalb ist er wärmeliebend und lebt räuberisch in den Rinden von Bäumen in offenen Waldstrukturen. Köhler stellt folgende Vermutung über seine Ausbreitung auf: „Vermutlich besiedelt Notolaemus unifasciatus im Kermeter die wärmebegünstigten, mit lichten Baumbeständen bewachsenen Hänge oberhalb des Urft- und Rurstausees, von wo aus sich die Art im besonders heißen Frühjahr 1993 entlang der besonnten Fahrwege und Straßen in die geschlossenen Buchenbestände ausbreiten konnte.“ (Käferfauna, S. 186) Laut Roter Liste für NRW ist eine „Gefährdung anzunehmen„.

11. Latridus nidicola

Latridius-nidicola
Foto: World Archve of Sciences

Der 2 mm kleine Latridus nidicola gehört zur Familie der Moderkäfer (Latridiidae). Er frißt Schimmelpilze. Nur ein einziges Exemplar des Käfers wurde im Schäferheld „an einer Buchenruine an einem Leimring“ gefangen. Im naheliegenden Waldgebiet „Am Steinbach“ fand man ein weiteres Exemplar im „weißfaulen Mulm an den Innenwänden einer hohlen, alten Buche“ (Käferfauna, S. 186).

12. Enicmus brevicornis

Enicmus brevicornis
Foto: World Archive of Sciences

Enicmus brevicornis gehört ebenfalls zur Familie der Moderkäfer (Latridiidae). Er frisst Schimmelpilze und wird 1,5-2 mm groß und lebt „an verpilzten, absterbenden Laubhölzern, unter verpilzten Rinden, in Baumschwämmen und an Schleimpilzen“ (Käferfauna, S. 187). Nur 2 Exemplare des sehr seltenen Käfers wurden im Schäferheld gefunden. In NRW ist eine „Gefährdung anzunehmen„.

13. Corticarina lambiana

Corticarina_lambiana

Quelle: World Archive of Sciences

Der 1,4-1,6 mm kleine Käfer zählt auch zu den Moderkäfern (Latridiidae). Wie seine auf dieser Seite beschriebenen Familienmitglieder frisst auch er Schimmelpilze. Er lebt „sowohl an schimmeligem Laub- wie auch an Nadelholz“. Im Schäferheld wurde 5 Exemplare des seltenen Käfers entdeckt.

14. Mycetophagus multipunctatus

Mycetophagus multipuncta_msFoto: Maxim Smirnov, Ivánovo, Russland

5 Exemplare dieses Käfers aus der Familie der Pilzfresser (Mycetophagidae) hat Köhler im Schäferheld gefangen. Der ca. 4 mm große Käfer lebt in und von Holzpilzen. Die Larven „entwickeln sich in verschiedenen Baumschwämmen an Laubhölzern“. Er ist „nur stellenweise und selten zu finden“ (Käferfauna, S. 188). In NRW ist laut Roter Liste eine „Gefährdung anzunehmen„.

15. Ernoporicus fagi

Ernoporicus fagiFoto: Ole Martin

Der Kleine Buchenborkenkäfer gehört zu den Borkenkäfern (Scolytinae). Er wird bis zu 2 mm groß und lebt in der Rinde von Buchen, wo er das Holz frisst und seine Larven sich entwickeln. „1993 erfolgte im Kermeter eine offenbar duch Witterungsbedingungen begünstigte Massenvermehrung.“ Im Schäferheld konnte Köhler 502 Exemplare fangen (Käferfauna, S. 193).

16. Xyleborus dryographus

Xyleborus dryographusFoto: Boris Loboda

Der ebenfalls zur Familie der Borkenkäfer (Scolytinae) gehörende Gekörnter Nutzholzborkenkäfer kommt normalerweise in Eichenwäldern vor, besiedelt aber auch in Buchen. Er wird 2 mm groß, lebt im Hartholz und frisst Ambrosiapilze, die in den Fraßgängen wachsen. Im Schäferheld wurden nur 5 Exemplare gefunden. Er ist „in Deutschland überall selten“ (Käferfauna, S. 194).

17. Xyleborus germanus

Xyleborus germanusFoto: Christoph Benisch

Der 3,5 mm große Schwarze Nutzholzborkenkäfer aus der Familie der Borkenkäfer (Scolytinae) bohrt sich in das äußere Splintholz absterbender Bäume ein und frisst Ambrosiapilze, die in den Fraßgängen wachsen. Er befällt bevorzugt Eichen, aber auch andere Laub- und Nadelholz.Trotz seines germanischen Artnamens stammt er ursprünglich aus Ostasien und wurde entweder „durch Eichenrundholzimporte aus Japan“ in den Jahren 1907-24 oder in den 30er Jahren aus Amerika eingeschleppt (siehe 7. Waldschutzinfo 2007 Schwarzer Nutzholzborkenkäfer, S. 1) Er wird als Schädling gefürchtet, weil er sich gerne auch in frisch gefällte Fichten- und Kiefernstämme einbohrt und diese dann durch den Bläuepilz befallen werden und verbläuen (siehe Olaf Schmidt, Eingeschleppte Borkenkäferarten in Bayerischen Wäldern, LWF-aktuell 45/2007, S. 22). Köhler hat 7 Exemplare im Schäferheld gefangen (Käferfauna, S. 194).

18. Acalles camelus

Acalles_camelus
Foto: World Archive of Sciences

Der 3 mm kleine Käfer gehört zur Familie der Rüsselkäfer (Curculionidae). Er lebt in Bodennähe in und von toten Ästen. Er profitiert von der Forstwirtschaft, weil diese Reisighaufen zurücklässt. 15 Exemplare hat Köhler im Schäferheld entdeckt (Käferfauna, S. 62).

 

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