Heerener Holz bei Kamen

Altholz

Überall in der Naturwaldzelle gibt es liegende oder stehende Biotopbäume:

 

Manche Bäume faulen seit Jahrzehnten und sind mit einer dicken Moosschicht überwachsen. Auf diesem toten Baum wächst der Sauerklee (Oxalis acetosella):

Holz

 

Vom hohen Totholzanteil profitieren die Totholzbewohner, z. B. der Scharlachrote Feuerkäfer (Pyrochroa coccinea), deren Larven unter der Borke kranker Laubbäume „die Larven von Bock- und Prachtkäfern jagen“ (Kosmos-Waldführer, S. 242), oder der Erdläufer (Geophilus longicornis):

 

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Wildverbiss

Das Problem des Heerener Holzes sind nicht illegale Trampelpfade und weggeworfener Müll. Das Problem sind die viel zu hohen Rehwildbestände. Bei meinem Besuch Ende Mai 2013 konnte ich eines in der Nähe des Baches beobachten:

Reh

Die Rehe im Heerener Holz sind nicht besonders scheu: Sie haben gelernt, dass sie im Wald nicht geschossen werden. Laut telefonischer Auskunft von Förster Müller jagt die Genossenschaft, an die die Jagd verpachtet ist, nur auf den Äckern.

Im Winter frißt ein Reh durchschnittlich 1,5 kg Nahrung. Vorsichtig geschätzt besteht 50% der Nahrung aus Laubbaumknospen. Hiervon sind meist die endständige Leittriebe von Jungbäumen betroffen. Eine Knospe wiegt ca. 0,05-0,1 g. Schätzungsweise frißt also ein Reh pro Tag 7.500-15.000 Knospen. So wird verständlich, warum im Heerener Holz seit Jahrzehnten keine junge Eiche und keine junge Buche dem massiven Verbissdruck entgeht. Es gibt im Heerener Holz keine natürliche Verjüngung. Der Wald stirbt von unten (Peter Wohlleben, Wald ohne Hüter, S. 60).

Die Verbissschäden sind extrem. Sogar Stechpalmen und Adlerfarn werden verbissen:

 

Viele Spaziergänger wissen gar nicht, wie ein Wald mit einer natürlichen Verjüngung von Buche und Eiche aussieht, weil sie den verbissenen Wald für den Normalfall halten. Deshalb zum Vergleich ein Foto einer Verjüngungsfläche mit jungen Eichen im Renntweinsdorfer Wald, wo der Förster selbt die Rehe schießt:

Eiche_2

 

Der Heerener Wald hat mir einem „Urwald von morgen“ (Förster Müller in der WAZ vom 20.7.2012) so wenig Ähnlichkeit wie eine Kuhweide mit einer Wildwiese.

Zum Wildverbiss vergleiche auch meine Seite zur Naturwaldzelle Hellerberg.

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