Der Streit um den Wolfsschluchtweg – eine Provinzposse aus Ostwestfalen

6.4.2020 – der dritte Artikel des MT zur Sperrung

Eine Woche nach dem Pressetermin am Kaiser-Wilhelm-Denkmal erscheint der dritte Artikel des MT zur Sperrung: Gesperrter Weg durch die Wolfsschlucht – Barkhauser Politiker protestieren. Das MT übertreibt maßlos, wenn es schreibt:

„Denn wenige Tage, nachdem das Regionalforstamt Ostwestfalen-Lippe […] den Weg endgültig gesperrt hat, regt sich massiver Protest dagegen. Allen voran Barkhauser Politiker und Landschaftsführer.“

Es sind ganze zwei Politiker und ein einziger Landschaftsführer. „Massiver Protest“ sieht anders aus.

Einer der beiden Politiker ist Hilmar Wohlgemuth. Er war von 1999-2004 Bürgermeister von Porta Westfalica, ist seit fast 50 Jahren in der CDU1Porta Westfalica – Mitgliederversammlung mit Mitgliederehrung, CDU-Stadverband Porta Westfalica vom 19.11.2011 und mittlerweile 82 Jahre alt.2Altbürgermeister Hilmar Wohlgemuth wird 80, MT vom 8.9.2017 Glaubt man ihm und dem MT, so war er es,

„der vor 18 Jahren dafür sorgte, dass der Wanderweg trotz aller Bedenken der Landesforsten auf eigene Gefahr geöffnet bleibt. ‚Ich kann nicht verstehen, wieso der Weg jetzt plötzlich aus Verkehrssicherungsgründen gesperrt wird. Die Bäume sind doch alle die gleichen wie damals‘, betont er.“

Lokalredakteur Lieske fragt nicht nach und er äußert auch keine Bedenken wie z. B.: „Entschuldigen Sie Herr Wohlgemuth, soll ich Sie so zitieren? Die Bäume sind doch nicht die gleichen wie damals! Sie sind jetzt 18 Jahre älter. Sie sterben. Und sie fallen um!“ Aber ohne mit der Wimper zu zucken, zitiert er die letzten beiden Sätze und lässt es zu, dass sich der Altbürgermeister blamiert. Und Lieske lässt den armen ehemaligen Bürgermeister noch mehr sagen:

„Er glaubt inzwischen, dass die Sperrung des Wegs ‚ein Wunsch einzelner Personen‘ sei, der nun kurzerhand in die Tat umgesetzt worden sei.“

Hätte Wohlgemuth statt „Wunsch einzelner Personen“ von einer „Verschwörung einzelner Personen“ geredet, Lieske hätte vermutlich auch das abgedruckt.

Der zweite Politiker, der gegen die Sperrung protestiert, ist Dirk Rahnenführer, Mitglied des Stadtrates von Porta Westfalica und dort Fraktionsvorsitzender der SPD. Rahnenführer hat sich auf der Homepage des Umweltministeriums schlau gemacht und dort einen Widerspruch entdeckt:

„In NRW gibt es 100 ausgewiesene Wildnisentwicklungsgebiete, die alle betretbar sind“, sagt er. Selbst das Landesministerium für Umwelt betone auf seiner Webseite, dass gerade solche Gebiete für den Menschen erlebbar gemacht werden müssten.“3Hervorhebung von F.-J. A.

Rahnenführer hätte genauer lesen sollen. Es stimmt:

„Das Land Nordrhein-Westfalen hat im Staatswald bisher rund 100 Wildnisentwicklungsgebiete auf knapp 8.000 Hektar ausgewiesen“

Aber nirgendwo steht, dass „alle“ betretbar sind:

Ausgewählte Wildnisentwicklungsgebiete sollen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, damit sich die Bürgerinnen und Bürger selbst ein Bild davon machen können, wie sich Wälder unter ungestörten Bedingungen ohne menschliche Steuerung standortgerecht und naturnah entwickeln.“4Hervorhebung von F.-J. A.

Der Informationstext des Umweltministeriums hätte Rahnenführer zu denken geben müssen:

„Diese Gebiete stehen unter Prozessschutz; menschliche Eingriffe in natürliche Prozesse finden im Regelfall nicht statt. So kann erforscht und beobachtet werden, wie die Natur sich ohne regulierende Maßnahmen entwickelt. […] Da Wildnisentwicklungsgebiete insbesondere den an die Alters- und Zerfallsphase gebundenen Pflanzen- und Tierarten einen geeigneten Lebensraum bieten […]“5Hervorhebung von F.-J. A.

Das scheint Rahnenführer überhaupt nicht gelesen zu haben, denn:

„Verkehrssicherung sei schon immer Pflicht in diesem Wald gewesen, betont Dirk Rahnenführer (SPD). Warum das jetzt plötzlich nicht mehr gehe, könne er sich nicht erklären.“

Dabei ist es ganz einfach zu erklären: entweder Prozessschutz oder Verkehrssicherung  – beides zusammen geht nicht. Und Rahnenführer übersieht noch etwas: Schon heute ist das Wildnisgebiet „erlebbar“ – man muss nur den Kammweg gehen und kann sich „selbst ein Bild“ machen. Übrigens kann Rahnenführer froh sein, dass er Mitglied der SPD und nicht der AFD ist. Sonst wäre er vom MT sofort als Verschwörungstheoretiker denunziert worden:

„Nach seinem Empfinden, und damit ist er in Porta bei Weitem nicht allein, sei der Kompromiss zum bisherigen Offenhalten des Weges ‚den Landesforsten schon immer ein Dorn im Auge‘ gewesen.“

Das MT hätte aufgemacht mit der Schlagzeile: „AFD-Politiker wirft den Landesforsten Verschwörung gegen den Wolfsschluchtweg vor“.

Obwohl kein Politiker taucht als dritter Zeuge für den angeblich so „massiven Protest“ Lutz Carta wieder im MT-Artikel auf – wie schon am 30.3.. Carta meint:

„Dieser Weg durch die Wolfsschlucht sei nicht nur landschaftlich einmalig im Wiehengebirge.“

Das ist Unsinn. Und jeder Wanderer weiß das.

„‚Ihm kommt auch eine besondere, kulturhistorische Bedeutung zu‘, betont er. Denn der Weg sei eigens dafür angelegt worden, um den für den Bau des Kaiser-Wilhelm-Denkmals abgebauten Porta-Sandstein zur Baustelle zu transportieren. ‚Wer auf diesem Weg entlanggeht, kann diesen historischen Prozess überhaupt erst begreifen‘, findet er.“

Selbst Lokalredakteur Lieske scheint etwas skeptisch zu sein und schreibt vorsichtig: „findet er“. Aber was „findet“ Carta? Von welchem „historischen Prozess“ redet er? Meint er den Bau des Denkmals? Und den kann man „erst begreifen“, wenn man den Wolfsschluchtweg geht? Was will uns Carta damit sagen? Man begreift das Kaiser-Wilhelm-Denkmal, wenn man den Weg geht, auf dem die Bausteine transportiert wurden? Lokalredakteur Lieske fragt nicht nach.

„‚Weil der offizielle Weg gesperrt ist, gehen viele jetzt von oben über den Hang auf den Weg. Die Leute rennen damit wirklich quer durch das Wildnisentwicklungsgebiet. Und das kann doch wirklich nicht erklärtes Ziel sein‘, schimpft Carta. Er ist sich sicher, dass viele die illegale Abkürzung nehmen, um weiterhin auf dem beliebten Wanderweg gehen zu können.“


Auch das ist Unsinn. Ich kenne Cartas „illegale Abkürzung“ noch aus der Zeit, als der ganze Platz vor dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal eine riesige Baustelle und abgesperrt war. Und ich bin mir im Gegensatz zu Carta sicher, dass nicht „viele“ sie nehmen. Die Abkürzung ist nämlich wirklich halsbrecherisch steil und die beste Ehefrau von allen und ich sind damals auf allen vieren hochgekrabbelt. Wer aber den Wolfsschluchtweg unbedingt weiterhin gehen will, klettert am Kaiser-Wilhelm-Denkmal einfach links über das Geländer:

Oder man geht ganz ohne Klettern bequem rechts am Baugitter vorbei. Der dilettantisch rechts daneben angebrachte Draht wurde mühelos umgebogen:

Auch an der Wittekindsburg kann man sich die Seite aussuchen, wo man an dem Gitter vorbeigehen möchte. Es steht dort sowieso nur zur Zierde. Aber über solche Kleinigkeiten berichtet das MT nicht.

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