Der Streit um den Wolfsschluchtweg – eine Provinzposse aus Ostwestfalen

30.3.2020 – der erste Artikel des MT zur Sperrung

Am Montag, den 30.3.2020, startet das MT seine Serie von Artikeln zur Sperrung des Wolfsschluchtweg; in den nächsten zwei Monaten werden es insgesamt sieben Artikel sein. Schon die Überschrift von Redakteur Lieske ist programmatisch: „Lebensgefahr“: Wanderweg durch Wolfsschlucht gesperrt.1siehe auch „Lebensgefahr“: Wanderweg durch Wolfsschlucht gesperrt, Neue Westfälische vom 30.3.2020 Lieske setzt Lebensgefahr in Anführungszeichen und suggeriert damit, dass diese Lebensgefahr keine echte ist, sondern bloß behauptet wird. Zwar ist die Grundlage des Artikels offenbar eine Pressemitteilung des Regionalforstamts Ostwestfalen-Lippe. Lieske rahmt diese aber ein mit Sätzen, die gespickt sind mit Halbwahrheiten und Fehlern.

Pressemitteilung des Regionalforstamts-Lippe

Die Sperrung angeordnet hat das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz (MULNV) des Landes NRW. Das Betreten des Wegs und auch den Waldes ist „behördlich streng verboten“. Denn auf dem Wolfsschluchtweg besteht „unmittelbare Lebensgefahr“.

Grund sind die „abgestorbenen und kranken Bäume“, die in dem dortigen Wildnisentwicklungsgebiet nicht gefällt werden.

„Das wäre aus Verkehrssicherungsgründen aber notwendig, wenn der Weg weiterhin für Wanderer und Mountainbiker offengehalten werden sollte.“

Halbwahrheiten und Fehler

Lokalredakteur Lieske betont gleich zweimal, dass der Wolfsschluchtweg „beliebt“ sei.2in der Unterschrift des Titelbildes („Der anspruchsvolle, aber beliebte Wanderweg …“) und im zweiten Satz des Artikels („Der beliebte Wanderweg …“) Für diese angebliche Beliebtheit führt Lieske keinen einzigen Beweis an; er hat weder mit Wanderern gesprochen noch hat er Umfragen unter Besuchern des Kaiser-Wilhelm-Denkmals oder der Wittekindsburg durchgeführt. Er präsentiert auch keine Zahlen, wie viele Spaziergänger oder Wanderer diesen Weg täglich, wöchentlich oder monatlich nutzen. Solche Zahlen gibt es auch nicht; niemand hätte das Geld für aufwändige Besucherzählungen. Die „Beliebtheit“ des Wanderwegs wird von Lieske also nur behauptet und ist unbewiesen.

Lieske weiter:

„Die Wegführung ist anspruchsvoll, weil sie große Höhenunterschiede auf kurzer Strecke aufweist und direkt an einem steilen Abgrund liegt, die [sic!] ungesichert ist.“

Der Weg ist nicht anspruchsvoll, es sei denn, man wertet die quer über dem Weg liegenden Baumstämme als Anspruch. Über diese aber kann man steigen oder unter ihnen hindurchkriechen. Der Weg überwindet auch keine großen Höhenunterschiede; schon ein flüchtiger Blick auf eine Karte hätte Lieske darüber belehrt, dass der Weg auf einer Höhe bleibt.

Quelle: Natura 2000-Gebiete in Nordrhein-Westfalen

Es ist bezeichnend, dass der vom Verein für Naturschutz und Heimatpflege Porta herausgegebene Wanderführer Wandern, Radeln, Erkunden – Porta Westfalica – Band 1 nichts, aber auch gar nichts von der „anspruchsvollen Wegführung“ und dem „steilen Abgrund“ weiß. Über den Wolfsschluchtweg, der Teil der Tour 1 „Rund um den Wittekindsberg“ ist, lesen wir:

„Der Weg führt am Südhang entlang durch das Naturschutzgebiet Wittekindsberg mit seinen naturnahen Buchenwald- und Laubmischwaldgesellschaften. […] Besonders im Hochsommer ist der Wolfsschlucht-Weg durch die dichte und hohe Wegesrandvegetation schmal und zugewachsen. […] Der Weg steigt dann ein kurzes Stück steil an. An der Gabelung halten wir uns links und […]“

Ja, der Weg steigt ein kurzes Stück steil an. Das aber hat er mit Dutzenden Wegen und Straßen in Porta gemeinsam und ist nicht der Rede wert. Von einem „steilen Abhang“ weiß der Wanderführer nichts. Er stammt aus dem Jahr 1999 und wurde nie neu aufgelegt. Band 2 aus dem Jahr 2008 kennt auch einen Tour am Wittekindsberg, die Tour 11 – Barkhausen – Wald- und Kulturlehrpfad. Interessanterweise wählt sie als Verbindung zwischen Wittekindsburg und Kaiser-Wilhelm-Denkmal den Kammweg und nicht den Wolfsschluchtweg. Soviel zum Thema seiner Beliebtheit.

Mag man sich über Beliebtheit, Anspruch und Steilheit noch streiten – eines ist unstrittig: es gibt am Wolfsschluchtweg nur eine „Büste“, nämlich das völlig verwitterte Sandsteinrelief. Umso erstaunlicher der folgende Satz von Lieske:

„Allerdings schätzen viele Wanderer den Anblick der unberührten Natur sowie der Büsten [sic!], die dort versteckt im Wald in Sandstein gemeißelt wurden.“

Es dürfte unstrittig sein, dass es nur eine Büste am Weg gibt. Der Wanderführer des Heimatvereins widmet ihr einen einzigen Satz:

„Das […] Steinbild, vermutlich aus dem 12./13. Jhd. stammend, wurde bei der Errichtung der Gedenkstätte für Rudolf Leonhardi 1912 entdeckt.“

Wertschätzung sieht anders aus.

Nach oben
Zurück zur Einleitung
Nächste Seite: 31.3.2020 – der zweite Artikel des MT zur Sperrung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.