Der Streit um den Wolfsschluchtweg – eine Provinzposse aus Ostwestfalen

20.5.2020 – der achte Artikel des MT zur Sperrung

Hinweis: Die Fotos in diesem Kapitel wurden am Sonntag, den 5. Juli 2020, zur Kaffeezeit aufgenommen. Das MT behauptet immer wieder, das Kaiser-Wilhelm-Denkmal und die Wittekindsburg seien sehr beliebte Touristenziele. „Beliebt“ ist offenbar ein sehr dehnbares Adjektiv.

Hotel Kaiserhof am zentralen Parkplatz für das Kaiser-Wilhelm-Denkmal

Viele Artikel des MT über die Sperrung sind sonderbar, der achte ist einer der sonderbarsten. Denn es gibt überhaupt nichts Neues zu berichten. Veröffentlicht wird dieser Artikel am 20.5.2020. Der Titel müsste eigentlich lauten „Keine Neuigkeiten zur Sperrung des Wolfsschluchtwegs in Porta“. Er lautet aber  
Land hält trotz massiver Kritik an Sperrung des Wolfsschluchtwegs in Porta fest. Der Artikel wiederholt in Kurzform alle Fake-News, die das MT in den vergangenen Wochen verbreitet hat.

Fake-News

„Die zahlreichen Kritiker […] wünschen sich eine Entwicklung des Wildnisgebiets, durch das der Wolfsschluchtweg verläuft, mit dem Menschen. So werde der Besucher ausgeschlossen.“

Die Kritiker sind nicht zahlreich, im Gegenteil: sie sind sehr überschaubar und es sind immer dieselben wenigen Namen, die fallen.1siehe Zwischenbilanz – Die Meinungsmache des MT Die Besucher werden auch nicht „ausgeschlossen“. Es gibt den Wittekindsweg auf dem Kamm direkt oberhalb des Gebiets, von dem man einen hervorragenden Blick in die Wildnis hat.

„Zudem sei eine wichtige Verbindung zwischen Kaiser-Denkmal und Wittekindsburg, die zudem durch die erlebbare Abbaustelle von Porta-Sandstein eine kulturhistorische Bedeutung habe, gekappt.“

Die wichtigste Verbindung zwischen Denkmal und Wittekindsburg ist der hervorragend ausgebaute und ausgeschilderte Wittekindsweg.

Hotel Wittekindsburg

Die Wittekindsburg liegt an mehreren Rund- und Fernwanderwegen. Außerdem ist sie über den Burgweg sogar mit dem Auto zu erreichen.

Sonntag Nachmittag auf dem Parkplatz an der Wittekindsburg

Selbst wenn alle Verbindungswege zum Denkmal „gekappt“ wären, bräuchte sie sich über einen Mangel an Gästen nicht zu beschweren. Ohnehin ist die ehemalige Ausflugsgaststätte immer geschlossen – und das war sie auch schon lange vor der Sperrung.

Wittekindsburg am Sonntag Nachmittag

„Abbaustellen von Porta Sandstein“ – gemeint sind Steinbrüche – sind in Porta Westfalica so zahlreich wie ehemalige Zechen im Ruhrgebiet. In unmittelbarer Nähe meiner Wohnung liegen gleich ein halbes Dutzend, die ich „erleben“ kann. Von „kulturhistorischer Bedeutsamkeit“ sind sie nicht.2siehe dazu auch meine Kritik an derselben Behauptung von Lutz Carta

„Das Land bleibt also hart. Der Protest ist dennoch nicht spurlos an den beteiligten Behörden vorübergezogen. Deshalb versprechen Land und Forstamt […] einen Informations- und Diskussionstag […] zu organisieren.“

Die Sperrung erfolgte Ende März. Die Informationsveranstaltung war bereits für April geplant, musste aber wegen Corona abgesagt werden. 3siehe MT vom 15.4.2020 .

Meinungsmache mit Adjektiven

Die Kritik an der Sperrung ist „massiv“. Die Kritiker sind „zahlreich“. Die Sperrung ist „heftig umstritten“. Der Wanderweg ist „beliebt“. Der Verbindungsweg ist „wichtig“. Die Fachkanzlei ist „renommiert“. Deren juristische Bewertung ist „umfangreich“. Das Land bleibt „hart“.

Die unbeholfene PR des Landesbetriebs Wald und Holz

Das MT hat sich offenbar die besondere Mühe gemacht, bei der Pressestelle des Landesbetriebs Wald und Holz anzurufen. Michael Blaschke wird deutlicher als Forstamtsleiter Raguse. Letzterer sagte:

„Eine Beseitigung der problematischen Bäume komme wegen der besonderen ökologischen Bedeutung nicht in Frage.“

Bei Blaschke heißt das so:

„Gerade die zahlreichen stehenden morschen Bäume machen aber den hohen ökologischen Wert des Wildnisentwicklungsgebietes am Wittekindsberg aus. Deshalb sträube man sich davor, die Kettensäge anzuschmeißen.“

„Kettensägen anschmeißen“ ist deutlich besser als „Beseitigung“. Auch „morsche“ Bäume ist leichter verständlich als „problematisch“. Was aber nicht leicht verständlich ist, und zwar leider bei beiden nicht, das ist „besondere ökologische Bedeutung“ bzw. „hoher ökologischer Wert“. Ich habe hier dargelegt, dass meiner Meinung nach konkrete Beispiele, unter denen sich jeder etwas vorstellen kann, besser sind.

„Auf eine MT-Anfrage, wie das Land auf die bevorstehende Klageeinreichung reagieren werde, gab es bisher allerdings keine Antwort. Stattdessen lässt die Forstbehörde nun im Auftrag des Landes verlauten, dass die Sperrung des Wolfsschluchtweges nach ‚umfangreicher Prüfung‘ durch die Landesforstverwaltung und den Kreis Minden-Lübbecke alternativlos sei. Deshalb wolle das Land zusammen mit allen Beteiligten ein Besucherlenkungskonzept erarbeiten.“

Noch hat der Witthüs-Verein gar keine Klage vor dem Verwaltungsgericht eingereicht. Und selbst wenn er das schon getan hätte, würde das Land zu einem laufenden Verfahren keine Stellungnahme abgeben. Das ist selbstverständlich und ohne jeden Nachrichtenwert. Auch dass der Wolfsschluchtweg nicht aus Jux und Dollerei gesperrt wurde und diese Sperrung auch nicht von einem Praktikanten veranlasst wurde, ist selbstverständlich. Vielleicht hätte Blaschke auf das Wort „alternativlos“ verzichten sollen. Auch wenn es in diesen Fall durchaus zutrifft, hat dieses Modewort bei vielen Bürgern mittlerweile einen schlechten Beigeschmack. Und viele erwidern fast schon reflexartig: „Es gibt immer eine Alternative!“

Sonntag Nachmittag am zentralen Parkplatz für das Kaiser-Wilhelm-Denkmal

Viel problematischer ist die Rede von einem „Besucherlenkungskonzept“.

„Das soll, verspricht die Landesbehörde, ‚einerseits ermöglichen, die Wälder weitgehend gefahrlos zu genießen und andererseits die interessante natürliche Entwicklung eines alten Waldes aus gesicherter Entfernung zur Wildnis zu betrachten.‘

Ich habe die Rede von einem „Besucherlenkungskonzept“ bereits hier kritisiert. Auch Forstamtsleiter Raguse sprach bereits am 31.3.2020 von einem „Besucherleitungskonzept, das zusammen mit dem Kreis und der Stadt Porta Westfalica erarbeitet werden soll.“ Genutzt hat das alles nichts. Im Gegenteil – der Landesbetrieb und das Regionalforstamt tappen in eine Falle, die ihnen von den Gegnern aufgestellt wird: Beide glauben offensichtlich an das Märchen, dass der Wittekindsberg von Besucherfluten überschwemmt wird und dass es ganz viele Wege braucht, um diese Massen zu lenken und zu leiten.

Sonntag Nachmittag am zentralen Parkplatz für das Kaiser-Wilhelm-Denkmal

Nach oben
Zurück zur Einleitung
Nächste Seite: 22.5.2020 – der neunte Artikel des MT zur Sperrung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.