Rentweinsdorfer Wald

Eichenbewirtschaftung

Der Rentweinsdorfer Wald ist bekannt für seine 160-180 Jahre alten Kiefer- und Lärchenüberhälter. Ein Überhälter ist ein Baum, der beim Kahlschlag von Wäldern („Abtrieb“) stehen gelassen wird. Einige Alteichen sind sogar über 300 Jahre alt und bis zu 1,5 m dick. Sie sind durch Naturverjüngung entstanden und waren ursprünglich solitär stehende Hudeeichen. Das Vieh wurde unter diese Eichen getrieben, damit es die Eicheln fressen konnte. Man erkennt die ehemaligen Hudeeichen an den reich verzweigten Ästen in ungefähr 10 m Stammhöhe.

 

Der oben abgebildete 1,1 m dicke Eichenüberhälter bietet schon zu seinen Lebzeiten in seiner Krone wertvolle Biotope z. B. für holzbewohnende Käfer wie den Eremiten. Dort finden sich viele Stellen, die bereits von Pilzen zersetzt werden. Auch nach dem Fällen verbleibt das Kronenholz im Wald:

KronenholzKronenholz einer gefällten alten Furniereiche

Auch beim Tot- bzw. Biotopholz wird eine weitere Grenze der Bewirtschaftung des Rentweinsdorfer Walds deutlich: der Mangel an starken stehendem und liegendem Totholz. Dies ist kein Wunder, denn Privatleute können keine wertvollen Bäume im Wald verfaulen lassen. Und wertlose Bäume werden frühzeitig gefällt: „Es macht .. nicht den geringsten Sinn, krumme, schiefe, Zwiesel oder sonstige ‚Schrecken‘ länger als unbedingt nötig stehen zu lassen.“ (Leitfaden, S. 5)

Auf der unten fotografierten Hiebsfläche wurden 60 Fm Holz pro Hektar eingeschlagen.

 

Auf dem Schlag wächst sowohl dichter Eichen- als auch Buchenjungwuchs. Der lichtbedürftige Eichenjungwuchs muss konsequent gepflegt werden, damit er nicht von der Buche überwachsen wird. Manchmal lässt es sich, so Elflein, nicht vermeiden, dass Kronen in den Jungwuchs fallen. Schon bald aber wachsen neue junge Bäume zwischen den Kronenästen hervor.

Das folgende Foto zeigt einen Wald mit mittelalten Furniereichen. Neben den Eichen wachsen häufig junge Buchen, die dafür sorgen, dass der Schaft der Eichen astrein bleibt.

EichenwaldEichen-Buchen-Mischwald mit mittelalten Furniereichen

Für die Schaftpflege eignen sich aber auch junge Eichen oder auch die Elsbeere:

ElsbeereElsbeere (rechts) neben einer Eiche

Geerntet werden die Eichen erst dann, wenn sie z. B. an der Eichenkomplexkrankheit erkranken und nicht mehr wachsen. Einzelne Exemplare dürfen 300-400 Jahre alt werden. „Bei der Eiche hat man da viel Zeit, sie wächst fast ewig und entwertet nicht so schnell.“ (Leitfaden, S. 5)

KomplexkrankheitEichenkomplexkrankheit

 

Auf dem obigen Foto erkennt man links eine Eiche, die an der Eichenkomplexkrankheit leidet. Rechts ist eine Eiche bereits abgestorben.

Auch hier werden zwei Grenzen der naturgemäßen Waldwirtschaft deutlich:

  1. Eine Mischwuchsregulierung zugunsten der Eiche ist unnatürlich. Um es mit den Worten des „klugen Forstmannes“ zu sagen: Hier entfernt man sich deutlich vom „Pfad der Natur“. Ohne menschlichen Eingriff würde die Eiche in der Konkurrenz mit der Buche unterliegen. Es würde ein reiner Buchenwald entstehen. Einzig die schattenerträgliche Weißtanne könnte hier und da im Schatten der Buchen aufwachsen. Die Mischwuchsregulierung zugunsten von Eiche, Lärche und Kiefer oder auch Fichte weicht zwar ab vom „Pfad der Natur“, ist aber naturnäher als ein Fichtenforst.
  2. Beängstigend viele alte Eichen verlieren an Vitalität und werden krank: Ihre Kronen sind verlichtet, Äste sterben ab. Betriebsleiter Elflein spricht von der „Eichenkomplexkrankheit“. Aber dieses Etikett erklärt nichts. Die Ursachen der Krankheit bleiben im Dunkeln. Das Gleiche gilt für die alten Buchen, die durch Holzeinschläge freigestellt werden. Die Überhälter werden durch Sonnenbrand massiv geschädigt.

Auf der nächsten Seite ist der Holzmarkt das Thema.

Nach oben
Zur Einleitung