Rentweinsdorfer Wald

Holzvorrat

Der Rentweinsdorfer Wald ist 1.381 ha groß. Sein Holzvorrat berägt 270 Volumenfestmeter (Vfm)/ha. Das ist weniger als der Bundesdurchschnitt von 330 Vfm (Eckhard Heuer, Studie bestätigt: Deutsche Wälder sind wichtige Kohlenstoffsenke, in: AFZ Der Wald, 20/2009, S. 1068). Und noch viel weniger als die 423 Vfm im Göttinger Stadtwald (Gesche Jürgens, Martin Kaiser, Martin Levin, Der Stadtwald Göttingen: Ein Modell mit Zukunft, Hamburg 2012, S. 24). Ganz zu schweigen von den 589 Vfm im Naturwald Dreyberg (Gesche Jürgens, Martin KaiserEin neues Wildnisgebiet im Bürgerwald Niedersachsens”, Hamburg 2013) oder den fast 800 Vfm (567 Vfm lebend, über 200 Vfm tot) im Naturwald Heilige Hallen (Sperber, Urwälder Deutschlands, S. 43).

Jährlich wachsen 8 Fm/ha zu und es werden 5,8 Fm/ha, d. h. insgesamt 8.000 Fm geerntet.

Für den Klimaschutz wäre es sinnvoll, die Holzvorräte im Rentweinsdorfer Wald zu steigern (vgl. dazu Der Stadtwald Göttingen, S. 32 ff und Wildnisgebiet, S. 26) . Dazu müsste man aber den Holzeinschlag drastisch reduzieren. Selbst wenn man die Forstwirtschaft komplett einstellen würde, würde es fast 20 Jahre (= 153/8) dauern, bis Rentweinsdorf die gleichen Holzvorräte hätte wie Göttingen. Die Rotenhans können aber auf die Nutzung nicht verzichten, da sie von den Einnahmen leben müssen. Dies zeigt die Grenzen des naturgemäßen Waldbaus von Privatleuten auf. Staatliche Ausgleichszahlungen für privaten Nutzungsverzicht wären eine Lösung. Und die öffentlichen Wälder müssten in der Pflicht genommen werden, Vorreiter und Vorbild zu sein. Durch die Umwandlung der Landesforstämter in profitorientierte Landesbetriebe ist aber genau das Gegenteil geschehen.

Abschuss des Rehwilds

Die Verantwortung für die Jagd im Rentweinsdorfer Wald liegt bei Betriebsleiter Tobias Elflein. 10 Rehe pro 100 ha und Jahr werden geschossen.

HochsitzHochsitz im Rentweinsdorfer Wald

Oberförster Wolgang Elflein, Vater von Tobias Elflein, „hat in seinem Berufsleben 3.000 Stück Rehwild geschossen“ (Leitfaden, S 2).  Doch trotz intensiver Bejagung leben schätzungsweise immer noch 20 Rehe pro 100 ha im Wald. Zum Vergleich: In Urwäldern lebt pro 100 ha gerade einmal 1 Reh (Peter Wohlleben, Wald ohne Hüter, S. 54). Doch ähnlich wie auf der 100 ha großen Urwaldinsel Vilm, wo sich heute auch schätzungsweise 20 Rehe tummeln (Sperber, Urwälder Deutschlands, S. 41), verjüngen sich bei diesen vergleichsweise niedrigen Rehwilddichten selbst sensible Arten wie die Weißtanne:

TanneNaturverjüngung der Weißtanne

 Ich habe im Rentweinsdorfer Wald zum ersten Mal Naturverjüngung der Eiche gesehen:

 

Maximilian Frhr. v. Rotenhan erklärt, dass der Abschuss des Rehwilds vor 150 Jahren, als sein Ururgroßvater Gottfried den jetztigen Wald begründete, eine Notlösung war. Die verarmte Adelsfamilie hatte schlicht das Geld nicht für die künstliche Anpflanzung von Fichten. Damals wurde er von allen belächelt: „Unsere ganze Familie galt lange als so etwas wie die Zeugen Jehovas der Wälder“, sagt Vater Sebastian von Rotenhan in einem Interview mit der Berliner Zeitung (Susanne Rost, Nicht sturmfest, Berliner Zeitung vom 25.1.2007).

Bis heute spart man so die hohen Kosten für die Kulturneubegründung:
1,50 € pro Setzling + 1,50 € für den Verbissschutz (z. B. durch Wuchshüllen und Tonkinstäbe) x 2000 Setzlinge/ha = 6.000 € Kulturkosten/ha

Auch Wildschutzzäune und das Entfernen des Unkrauts („Ausgrasen“) kann man sich in Renntweinsdorf sparen .

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