Grunddatenerfassung für das FFH-Gebiet „Hoher Keller“

Mangelhafte Fotos des Ebereschen-Bergahorn-Buchen-Grenzwalds in der Grunddatenerfassung

Im Anhang der Grunddatenerfassung sind insgesamt 58 Abbildungen.1 Acht Abbildungen zeigen den „Ebereschen-Bergahorn-Buchen-Grenzwald“. Aus nicht erkennbaren Gründen fehlen alle 58 Abbildungen in der Version der Grunddatenerfassung, die im Hessischen Naturschutz-Informationssystem (NATUREG) zum Download zur Verfügung steht. Das „Informationssystem“ informiert also nicht und bietet eine „Fotodokumentation des Untersuchungsgebiets“ ohne Fotos.

Ich habe die 58 Fotos freundlicherweise von Michael Lenz von der Oberen Naturschutzbehörde in Kassel erhalten. Leider darf ich sie aus urheberrechtlichen Gründen nicht veröffentlichen. Ich werde deshalb zunächst den Text zu den Abbildungen zitieren und dann beschreiben, was auf den Fotos tatsächlich zu sehen bzw. nicht zu sehen ist. Kein Foto ist ein Beleg für die Existenz eines „Ebereschen-Bergahorn-Buchen-Grenzwaldes“. Der Text zu den Abbildungen ist im Original voller Rechtschreibfehler.

Abb. Nr. 19

Hochgradig naturnaher, urwaldartiger Mischwald aus Eberesche, Birke, Bergahorn und Fichtenanflug ersetzt in den Kammlagen den hier nicht mehr konkurrenzfähiBodensauren (sic!) Buchenwald

Dieses Foto ist das gleiche Foto wie auf dem Titelblatt der Grunddatenerfassung. Sie können als Leser also selbst überprüfen, ob die Beschreibung stimmt. Anhand ihrer roten Früchte und gefiederten Blätter sind zwei Ebereschen eindeutig identifizierbar. Aber es fehlen sowohl Birke als auch Berg-Ahorn. Die Birke wäre an ihrer weißen Borke, der Berg-Ahorn an seinen fünflappigen Blättern gut erkennbar. Im Hintergrund ist halb links eine kleine Fichte zu sehen. Das Foto zeigt also keinen Mischwald aus Eberesche, Birke und Bergahorn. Zwar gibt es auf dem Foto liegendes und stehendes Totholz. Aber nicht jeder totholzreiche Wald ist gleich „urwaldartig“. Den häufigsten Baum unterschlägt die Beschreibung: die Buche kommt hier angeblich gar nicht vor, aber gleich mehrere mächtige Buchen sind im Mittelgrund deutlich erkennbar und im Hintergrund ist ein ganzer Buchenwald.

Abb. Nr. 20

LRT 8220 Silikatfelsen und ihre Felsspaltenvegetation
Typisches Bild in der Umgebung der Felsbildungen der Kammlagen sind Ebereschen-reiche Birkenwälder über Drahtschmielen-Rasen auf den nur teilweise humusverfüllten Blockfeldern.

Das Bild zeigt eine markante Felsformation, die als „Mausefalle“ bekannt ist. Die meterhohen Felsen sind vegetationsfrei. Das Blockfeld aber ist nicht „teilweise“, sondern vollständig mit Humus gefüllt. Auf dem Drahtschmielen-Rasen wachsen ungefähr zwölf Birken, aber nur eine Eberesche. Die Birken wurden 1971 künstlich gepflanzt, indem Birkensamen auf den Schnee gestreut wurden.2

Abb. Nr. 21

LRT 8220 Silikatfelsen und ihre Felsspaltenvegetation
Wald- bzw. vegetationsfreie Blockhalden wechseln kleinräumig mit bewaldeten bzw. von Drahtschmiele überzogenen Bereichen. Im Hintergund (sic!) Buchen-Grenzwald

Das Foto zeigt eine kleine Halde von Gesteinsblöcken, die vielleicht 5 m breit und 10 m lang ist. Das vordere Drittel ist nicht bewachsen, denn die Lücken zwischen den Felsbrocken sind nicht mit Humus gefüllt. Eine „Felsspaltenvegetation“ ist nicht zu erkennen. Auf dem Rest wächst Draht-Schmiele. Auch eine mit Heidelbeeren bewachsene Fläche ist im Hintergrund auszumachen. Der „Buchen-Grenzwald“ wächst nicht nur im Hintergrund, sondern links auch im Mittel- und Vordergrund.

Abb. Nr. 22

LRT 9110 Bodensaure Buchenwälder
Von Osten bis an den Felsgrat heranreichende, weitgehdn (sic!) nutzungsfreie Uralt-Buchenbestände weisen größten Strukturreichtum auf und sind unter Erhaltungsstufe A einzustufen.

Plötzlich ist nicht mehr von der „Sonderwaldgesellschaft“3 des „Ebereschen-Bergahorn-Buchen-Grenzwaldes“ die Rede und auch nicht von einer „sehr speziellen Ausprägung“. Sondern es handelt sich um einen ganz regulären Lebensraumtyp, nämlich den Lebensraumtyp 9110 „Bodensaure Buchenwälder“, auch „Hainsimsen-Buchenwald“ genannt.4 Die Buchen zeigen auch nicht etwa „skurrile Wuchsformen“, sondern sind sehr gut erhalten. Eine bessere Erhaltungsstufe als A ist nicht möglich. Das Foto passt zu der Beschreibung: die zwei alten, mit Moos und Flechten bewachsenen Buchen im Vordergrund wachsen bis unmittelbar an die großen Gesteinsblöcke heran.

Abb. Nr. 23 und 25

LRT 9110 Bodensaure Buchenwälder
Typischer Vegetationsomplex (sic!) der zentralen Gratbereiche aus Buchen-Grenzwald, Bergahorn-Ebereschen-Mischwald, offenen Blockhalden und Felsen sowie Zwergstrauch-Heiden und Kryptogamen-Fluren

Die Beschreibung der beiden Fotos Nr. 23 und 25 ist genauso konfus wie die Rechtschreibung: Die Überschrift „LRT 9110 Bodensaure Buchenwälder“ passt nicht zu einem „Vegetationskomplex“. Höchstwahrscheinlich entspricht nur der „Buchen-Grenzwald“ diesem Lebensraumtyp.

Abb. Nr. 23

Mit „Grenzwald“ ist offenbar gemeint, dass die Blockhalde den Buchen eine natürliche Grenze setzt. Aber das Foto unterstützt diese Behauptung gerade nicht: mitten zwischen großen Felsbrocken wachsen halbrechts zwei große Buchen. Auch der Plural „Blockhalden“ stimmt nicht; es ist nur eine Blockhalde zu sehen. Und auf dieser wachsen ganz ordinäre Blaubeersträucher. Der Fachbegriff „Zwergstrauch-Heiden“ wirkt reichlich übertrieben. „Kryptogamen-Fluren“, d. h. Moose, Flechten und Pilze sind auf dem Foto überhaupt nicht zu erkennen. Das gilt auch für den „Bergahorn-Ebereschen-Mischwald“: zu sehen ist keine Vogelbeere und kein Bergahorn, nur zwei oder drei alte Birken, die am Rand der Blockhalde stehen.

Abb. Nr. 25

Auf dem Foto ist eine schmale, maximal 5 m breite und vielleicht 20 m lange Blockhalde abgebildet, die vegetationsfrei ist. Am hinteren Rand der Blockhalde wachsen mehrere große Buchen und auch von rechts neigt sich eine große Krone ins Bild. Halbrechts wächst im Mittelgrund eine kleine Fichte am vorderen Rand der Halde. Ein „Bergahorn-Ebereschen-Mischwald“ oder „Kryptogamen-Fluren“ sind weit und breit nicht zu sehen. Nicht einmal eine Birke ist abgebildet.

Abb. Nr. 24

LRT 9110 Bodensaure Buchenwälder
Naturnaher Altbuchenwald auf Blockhalde im Kammbereich an der „Mausefalle“ (Teiluntersuchungsgebiet 2/5), die Krautschicht wird auch hier deutlich von Drahtschmiele dominiert. Sehr alte Stockausschläge bei der Buche weisen auf weit zurückliegende Nutzungseinflüsse oder Sturm- und Eisbruch-Ereignisse hin.

Die Beschreibung stimmt. Fast. Denn so „alt“ scheinen die schlanken Buchen mit einem BHD von vielleicht 50 cm nicht zu sein. Richtig ist: Auf der Blockhalde im Kammbereich wächst ein Buchenwald. Das kommt der Natur nahe. Die Beschreibung redet nicht vom „Buchen-Grenzwald“, nicht von „skurrilen Wuchsformen“, nicht von „Unterlegenheit gegenüber Eberesche und Bergahorn“ und nicht vom „Ebereschen-Bergahorn-Buchen-Grenzwald“. Sondern: Auf der Blockhalde wächst ein Buchenwald. Punkt.

Abb. Nr. 26

LRT 9110 Bodensaure Buchenwälder
Buchengrenzwald im Übergang zum Ebereschen-Bbergahorn-Wald (sic!) nordöstlich „Kellerwand“. Hochgradig toholzreiche (sic!) Waldformationen wie diese spiegeln fehlende Nutzungseinflüsse und extremen Standortcharakter wieder und finden sich in vielen Bereichen des Grates zwischen „Mausefalle“ und „Kellerwand“

Wie immer ist kein „Ebereschen-Bergahorn-Wald“ zu sehen. Abgebildet in der Mitte ist eine Eberesche, gut erkennbar an ihren roten Früchten. Ansonsten sind nur Buchen fotografiert. Weil dieser Wald ausnahmsweise nicht genutzt wurde, gibt es selbstverständlich viel Totholz. Aber mit einem „extremen Standortcharakter“ hat das überhaupt nichts zu tun. Alte Bäume wie der halbrechts im Vordergrund sterben und brechen dann ab. Das ist völlig normal.

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  1. Grunddatenerfassung, S. 58 ff. []
  2. mündliche Mitteilung vom Geo- und Naturparkführer Lothar Klitsch am 6.3.2017 []
  3. siehe Mangelhafte Beschreibung des Ebereschen-Bergahorn-Buchen-Grenzwaldes in der Grunddatenerfassung []
  4. zum Fachbegriff „Lebensraumtyp“ siehe Lexikon der Fachbegriffe []