Grunddatenerfassung für das FFH-Gebiet „Hoher Keller“

Ebereschen als Werbeträger für Kahlschläge

Förster wissen, dass Kahlschläge in der Bevölkerung einen ganz schlechten Ruf haben. Katrin Bartsch, Revierleiterin im Forstamt Jesberg:

„Wir hatten die Projektleitung im Vorfeld der Naturschutzmaßnahme vergeblich auf zu erwartende Reaktionen aus der Bevölkerung hingewiesen.“1

Deshalb stehen am 5 ha großen Kahlschlag am Kellerwaldturm zwei große Infotafeln:

Es fällt auf, dass die Eberesche auf beiden Tafeln einen ganz prominenten Platz einnimmt. Gleich zweimal wird betont, dass sie es ist, die vom Kahlschlag „profitiert“. Als einziger Baum ist sie auf beiden Tafeln mit einem großem farbigen Foto abgebildet. Von den anderen Bäumen ist nur die Birke noch auf einer Tafel mit einem Foto vertreten. Auf diesem ist sie allerdings nur klein im Hintergrund zu erkennen. Buche und Ahorn werden im Informationstext nur erwähnt – und das kurz und ganz ohne Bild.

Auf den Tafeln wird die Eberesche insgesamt siebenmal namentlich genannt, die Birke fünfmal, die Buche viermal und der Ahorn einmal. Diese hervorgehobene Stellung der Eberesche hat einen Grund: Ebereschen sind typische Pionierbäume: Sie besiedeln zusammen mit Birken immer als erste einen Kahlschlag und sie wachsen schnell. Gegenüber den unscheinbaren Birken haben sie einen unschätzbaren Vorteil: Sie sind wegen der vielen leuchtend roten Früchte auch für botanische Laien weithin zu erkennen und sie sind hübsch. Deshalb werden sie auch gerne in Gärten, Parks oder als Alleebäume gepflanzt. Aus diesem Grund eignen sich Ebereschen als Werbeträger für Kahlschläge: auf der einen Seite die bösen Fichten, die es verdienen, gefällt zu werden, auf der anderen Seite die guten Ebereschen, die durch den Kahlschlag gefördert werden.

Buchen dagegen eignen sich nicht als Werbeträger für Kahlschläge. Im Gegensatz zu Pionierbäumen wie Eberesche oder Birke vertragen sie das raue Klima auf den kahlgeschlagenen Freiflächen nicht: weder den klirrenden Frost noch die glühend heiße Sonne. Sie brauchen Mutterbäume, in deren Schutz sie ganz langsam wachsen. Wer das erklärte Ziel hätte, den Fichten- in einen Buchenwald umzubauen, dürfte die Fichten nicht kahlschlagen, sondern müsste Voranbau betreiben – laut Bayerischer Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft „ein hervorragendes Mittel für den Waldumbau“.2

Die Begründung für den Kahlschlag ist noch nicht ganz vollständig: Als Rechtfertigung reicht es nicht zu sagen: „Der Kahlschlag ist eine naturschutzfachliche Maßnahme. Die Eberesche profitiert davon.“ Man stelle sich bloß einmal vor, man würde mit dieser Begründung die Bergfichtenwälder in den Hochlagen des Nationalparks Harz kahlschlagen! In den Hochlagen im Harz wurden die Fichten nicht künstlich angepflanzt. Sie wachsen da von Natur aus und gehören dahin.3 Zur Begründung des Kahlschlags muss also hinzukommen: „Die Fichten gehören nicht auf den Wüstegarten. Natürlicherweise wachsen dort Ebereschen und Birken.“

Und es müssen Ebereschen und Birken sein. Denn wären es Buchen, dürfte man die Fichten auch nicht kahlschlagen, weil man dann die alten Fichten als Stiefmütter für die jungen Buchen bräuchte.

Diese wichtige Begründung, dass am Wüstegarten von Natur aus Birken und Ebereschen wachsen, liefert Markus Schönmüller. Und seine Begründung ist mangelhaft.

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  1. Im Dialog 01/2016, S. 4 f. []
  2. siehe Merkblatt Nr. 26 der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft – Voranbau von Mischbaumarten []
  3. siehe Vegetationsprofil des Nationalparks Harz []