Grunddatenerfassung für das FFH-Gebiet „Hoher Keller“

Einleitung

2006 macht Markus Schönmüller eine ganz erstaunliche Entdeckung: am 675 m hohen Wüstegarten im Kellerwald entdeckt einen Wald. Und weil er in diesem Wald Ebereschen, Bergahorne und Buchen gefunden hat, nennt er ihn den „Ebereschen-Bergahorn-Buchen-Grenzwald“.1 Der „Grenzwald“ ist zwar nur 2 ha groß, aber Schönmüller ist überzeugt, dass er etwas ganz besonderes entdeckt hat: Der Wald sei eine „überregionale Besonderheit“ und eine „sehr spezielle Ausprägung einer Sonderwaldgesellschaft“. Damit nicht genug: Der Wald sei ein „uriges Relikt“. So wie er sah einmal der ganze Gipfelgrat des Wüstegartens aus, bevor der Mensch ihn zuerst kahlgeschlagen und dann mit Fichten wieder aufgeforstet hat. Schönmüller spart nicht mit Superlativen: Etwas vergleichbares finde man nur auf den „höchsten Gipfellagen der Mittelgebirge, etwa im Harz“.

Schönmüller ist nicht irgendwer, und er vertraut seine Entdeckung nicht etwa seinem Poesiealbum an; er ist Leiter des Planungsbüros für Ökologie, Naturschutz und Landschaftspflege in Bad Wildungen und er veröffentlicht seine Entdeckung in der Grunddatenerfassung zu Monitoring und Management des FFH-Gebietes „Hoher Keller“ im Jahr 2006.

Neun Jahre später wird die „sehr spezielle Ausprägung einer Sonderwaldgesellschaft“ leider „sehr spezielle“ Folgen haben: Ende 2015 werden am Wüstegarten 5 ha Fichtenwälder kahlgeschlagen mit dem erklärten Ziel, diese „Sonderwaldgesellschaft“ zu fördern. Schönmüller selbst wird den Kahlschlag in einem Leserbrief gegenüber Kritikern rechtfertigen.

Ich werde in diesem Artikel nicht nur begründen, dass Schönmüller die „Sonderwaldgesellschaft“ sehr schlecht und widersprüchlich beschreibt, sondern auch zeigen, dass sie auf den von ihm veröffentlichten Fotos gar nicht zu erkennen ist. Sie eignet sich aber hervorragend als Vorwand für einen Kahlschlag.

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  1. Grunddatenerfassung, S. 8 []