Der Naturschutz-Frame in der Forstwirtschaft

Forstwirtschaft und Public-Relations

Kahlschlag am Wüstegarten mit dem Kellerwaldturm im Hintergrund

Im Januar 2016 redet Katrin Bartsch, Revierleiterin des Forstamts Jesberg, in der Mitarbeiter-Zeitung von HessenForst „ImDialog“ Klartext:

„Wir hatten die Projektleitung im Vorfeld der Naturschutzmaßnahme vergeblich auf zu erwartende Reaktionen aus der Bevölkerung hingewiesen. Zwar wurden zu Beginn der Maßnahme zwei Infotafeln über Ziel, Zweck und Hintergrund der landschaftsprägenden Waldumbaumaßnahme aufgestellt, sie ersetzten eine proaktive Presse- und Öffentlichkeitsarbeit jedoch leider nicht. Unsere Befürchtungen traten ein: Presseartikel und Leserbriefe, die sich unter den Schlagworten „Großkahlschlag“ und „Waldverwüstung“ meist kritisch und nicht immer sachlich mit der Projektmaßnahme auseinandersetzen waren die Folge. Schlagzeilen, die leider immer auch an HessenForst hängen bleiben, ob berechtigt oder nicht.“1

Das Wort „Kahlschlag“ aktiviert einen Frame im Gehirn. Bartsch erkennt ganz richtig, dass dieser Frame „Reaktionen aus der Bevölkerung“ bewirkt, die „meist kritisch“ sind. Eine „proaktive Presse- und Öffentlichkeitsarbeit“ , d. h. Public-Relations oder kurz PR, ist nötig. Eine erste wichtige PR-Aktion ist die Tabuisierung des Frames „Kahlschlag“ oder des noch schlimmeren Frames „Großkahlschlag“. Zwar sind Worte wie „Kahlschlag“, „Kahlhieb“ oder „Abtrieb“ ganz normale forstwirtschaftliche Bezeichnungen „für die großflächige und vollständige Abholzung einer Bestandsfläche“.2 Aber alle Verantwortlichen meiden dieses Wort in allen öffentlichen Erklärungen wie der Teufel das Weihwasser. Sie verwenden stattdessen unbelastete Worte wie z. B. „Fichtenentnahme“,  „Fichtenrücknahme“, „vorzeitige Nutzung“ oder „Waldumbau-Maßnahme“.

Der Grund dafür ist, dass fast alle Menschen automatisch konkrete Bilder im Kopf haben, wenn sie das Wort „Kahlschlag“ hören. Elisabeth Wehling empfiehlt Google-Bilder, wenn man wissen will, was in einem Frame alles an Bildern drin steckt.3 Gibt man bei Google-Bilder das Wort „Kahlschlag“ ein, erhält man Hunderte von Bildern. Und diese Bilder sind wirklich furchtbar. Auch die Gefühle, die sie unwillkürlich auslösen, sind sehr unangenehm.

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  1. ImDialog 01/2016, S. 5, Hervorhebung von F.-J. A. []
  2. Stinglwagner, Gerhard; Haseder, Ilse; Erlbeck, Reinhold: Kosmos Wald- und Forstlexikon, Stuttgart 52016, S. 470 []
  3. siehe Elisabeth Wehling, Die Macht der Sprachbilder []