Der Naturschutz-Frame in der Forstwirtschaft

„Sprache ist niemals unschuldig.“
Roland Barthes1

Einleitung

Die Kognitionsforscherin Elisabeth Wehling von der Universität Berkeley in Kalifornien weist auf einen Irrglauben hin: Menschen denken, sie würden bewusst, objektiv und vernünftig über die Fakten dieser Welt nachdenken. Aber das ist falsch, denn Menschen können Fakten ohne „gedankliche Deutungsrahmen, in der kognitiven Wissenschaft Frames genannt“2 gar nicht verarbeiten.

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By Martin Kraft, CC BY-SA 3.0, Link

Ein einfaches Beispiel aus der Forstwirtschaft ist die Tatsache der Kronenverlichtung bei Buchen: Einzelne Äste tragen keine oder nur wenige Blätter und Teile der Krone sind abgestorben. Das kann man sehen.

Diese Tatsache kann aber mit drei ganz unterschiedlichen Frames von unserem Gehirn interpretiert werden:

  • Der erste Frame ist der „Waldsterben“-Frame. Er ordnet die Kronenverlichtung in das große Thema „Waldsterben“ ein und macht dann die Abgase für die kränkelnden Buchen verantwortlich.
  • Der zweite Frame ist der „Klimawandel“-Frame. Er erklärt die kranken Kronen, indem er sie zu eine Folge des Klimawandels macht.
  • Der dritte und letzte Frame ist der „Bewirtschaftungsfehler“-Frame. Dann sind Förster am Absterben der Kronen schuld. Sie haben bei der Bewirtschaftung des Buchenwalds Fehler gemacht, indem sie beispielsweise zu viele Buchen gefällt oder zu viele Rückegassen angelegt haben.3

Das kleine Beispiel zeigt schon, dass Frames nicht nur in der Politik, sondern auch in der Forstwirtschaft eine große Rolle spielen. Das Beispiel, um das es in diesem Artikel geht, ist der Kahlschlag am Wüstegarten, bei dem im Oktober und November 2015 5 ha Fichtenwald abgeholzt wurden. Mein Artikel ist gegliedert in folgende Kapitel:

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  1. zit. n. Elisabeth Wehling, Die Macht der Sprachbilder []
  2. Elisabeth Wehling, Politisches Framing – Wie eine Nation sich ihr Denken einredet – und daraus Politik macht, Herbert von Halem Verlag 2016 []
  3. siehe Hümmel – das Revier von Förster Peter Wohlleben – Kranke Buchen im Nachbarwald []