Verbiss durch Rehe

Im Winter fressen Rehe gerne die Knospen junger Bäume. Ein Reh frisst pro Tag 1,5 kg Grünfutter. Eine Knospe wiegt 0,1 g. Wenn nur 10 % der Nahrung eines Rehs aus Knospen besteht, frisst ein einziges Reh pro Tag 1500 Knospen.

Dr. Thomas Gehle vom Landesamt für Ökologie, Bodenordnung und Forsten NRW schätzt in einer Studie aus dem Jahr 2006 die Rehwilddichte im Bereich des Hiesfelder Waldes auf ungefähr 16 Rehe pro 100 ha. Er gibt zu, dass in NRW mit insgesamt fast einer halben Million Rehe die Rehwilddichten in Wälder auf bis zu 100 Rehe / 100 ha ansteigen können. Natürlich wäre dagegen 1 Reh pro 100 ha (Peter Wohlleben, Wald ohne Hüter, S. 54).

Wenn die Rehwilddichte zu hoch ist, fressen die Rehe sämtliche jungen Bäume auf. Das Foto zeigt eine junge Buche, deren Knospen am Ende der Triebe fein säuberlich abgebissen worden sind:

Wildverbiss bei Jungbuche

Die Rehwilddichte im NSG Hiesfelder Wald ist viel zu hoch. Dafür sprechen fünf Indizien:

  1. Wuchshüllen
  2. Wildzäune
  3. keine natürliche Verjüngung
  4. Adlerfarn
  5. Sichtbarkeit von Rehen am Tage

1. Wuchshüllen

Am südlichen Rand des Waldes findet sich zwischen der Ebersbach- und der Pfalzgrafenstraße ein ca. 2 ha großes Gebiet, in dem künstlich angepflanzte Jungbäume mit hunderten von Wuchshüllen gegen den Verbiss durch Rehe geschützt werden.  Eine Wuchshülle kostet zwischen 3 und 5 €.

 

2. Wildzäune

Eine Informationstafel im Wald informiert über die natürliche Verjüngung in einem 170 Jahre alten Buchenwald. Im Jahr 1984 musste ein 1,9 ha großes Areal durch ein Wildgatter geschützt werden, weil die jungen Buchen ansonsten von den Rehen aufgefressen worden wären:

tafel_08_verjueng

3. Keine natürliche Verjüngung

Im Hiesfelder Wald existiert seit 1978 eine 9 ha große Naturwaldzelle. In dieser wird kein Holz mehr eingeschlagen. Der Wald aus bis zu 200 Jahre alten Buchen darf sich ohne jeden menschlichen Eingriff entwickeln. Es gibt in diesem Wald keine jungen Buchen. Der Waldboden ist kahlgefressen:

Naturwaldzelle ohne Verjüngung

Die Strauchschicht wird gebildet durch die Stechpalme, die dem Verbiss entwachsen kann:

Stechpalmensträucher in der Naturwaldzelle

 

4. Adlerfarn

Der Adlerfarn werden von Rehen nicht gefressen. Er dominiert die Krautschicht im Hiesfelder Wald.

 

5. Sichtbarkeit von Rehen

Am helllichten Tag kann man im Hiesfelder Wald Rehe beobachten. Dies ist nur möglich bei unnatürlich hohen Rehwildbeständen. Das Foto entstand im März 2013 in der Nähe des Alten Postwegs:

Reh im Hiesfelder Wald