Nachtrag zu: Greenpeace hilft keinem Schwein

Am 22. Februar hatte ich behauptet: Greenpeace hilft keinem Schwein. Die ARD braucht immer etwas länger. Drei Monate später kommt plusminus zu einem ähnlichen Ergebnis. Die Sendung vom 6. Juni stellt fest:1

  • „Tolle Labels [sind] allein noch kein Garant für besseres Fleisch.“
  • „Konventionelle Massentierhaltung beherrscht weiterhin den Markt.“

Die Kampagne von Greenpeace erwähnt die Sendung mit keinem einzigen Wort. Das ist gnädig, denn Greenpeace hatte die Einführung der Labels als großen Erfolg gefeiert.

Der eigentliche Verdienst der Sendung aber sind die Filmszenen, in denen gezeigt wird, wie Hühner und Schweine in der Stufe 3 „Für mehr Tierschutz“ gehalten werden.

Die Filmszenen haben mich schockiert.

Von Thomas Pynchon stammt der Satz:

„Wenn sie es schaffen, dass Du Dir die falschen Fragen stellst, brauchen sie sich keine Sorgen über die Antworten zu machen.“

Und plusminus stellt die falschen Fragen:

Über die Antwort auf die Frage „Woher soll so viel besseres Fleisch kommen?“ braucht sich die deutsche Fleischindustrie wirklich keine Sorgen machen. Die eigentlich interessante Frage lautet: Wie sehen die 4 Haltungsstufen konkret aus? Dankenswerterweise zeigt plusminus, wie Hühner und Schweine in Stufe 3 gehalten werden. Ganz offensichtlich ist sich plusminus überhaupt nicht bewusst, wie unerträglich das ist, was sie da filmen, und wie unerhört, was dazu gesagt wird. Die Szenen zur Hühnerhaltung mit dem Label der Stufe 3 beginnen bei Minute 4:24.

„Dann haben wir hier Picksteine, die schon rege angenommen wurden.“

„Hier sind im Stall 400 m Sitzstangen drin.“

„Für die bessere Haltung bekommt dieser Bauer 30 % mehr pro Kilo Huhn.“

„Dann haben wir Strohballen als Beschäftigungsmaterial“

Die Szenen zur Schweinehaltung beginnen bei Minute 5:18.

„Er hat umgestellt von Massentierhaltung auf Tierwohl.“

„Ich habe für zusätzliches Beschäftigungsmaterial ungefähr 15.000 € investiert.“

„Und natürlich kostet das auch Geld, dass die Tiere mehr Platz haben.“

„Die Gebäudekosten verteilen sich auf weniger Tiere.“

 

Über die Ähnlichkeiten zwischen Tier- und Waldschutz

Vielleicht werden sich einige Leser fragen, warum ich mich auf meiner Webseite, deren Thema ja kritische Analysen zur Forstwirtschaft sind, mit Massentierhaltung beschäftige. Der Grund dafür ist, dass es auffällige Ähnlichkeiten zwischen dem Tier- und dem Waldschutz in Deutschland gibt. Die Szenen in dem Filmbeitrag, in denen Hühnermäster Geißler oder Schweinezüchter Allmenröder über die „bessere Haltung“ der Tiere und über „Sitzstangen“ und „Beschäftigungsmaterial“ fabulieren, könnten sich mit etwas veränderten Worthülsen auch in einem deutschen Wirtschaftswald abspielen: Der moderne Förster würde dann über die „naturnahe Bewirtschaftung“ schwadronieren und über „Biotopbäume“ und „Totholz“. Sogar auf ein Label könnte er stolz verweisen: natürlich nicht auf das Label des Tierschutzbundes, aber auf das Label des FSC (siehe Kritik des FSC-Deutschland).

  1. siehe Discounter-Label – Woher soll so viel besseres Fleisch kommen? []