Lockdown der Nationalparks

Ich veröffentliche eine kurze E-Mail, die ich vergangenes Wochenende an einen Mitarbeiter des Nationalparks Kalkalpen geschrieben habe:

Lieber Herr …!

Sie schreiben, ein Highlight Ihres Nationalparks sei die älteste bekannte Buche in Europa. Diese werde ich leider dieses Jahr nicht sehen. Gestern studierte ich die Regelungen für den Lockdown in Österreich und war … entsetzt. Meine Frau und ich hätten im August Zeit und Geld gehabt – aber es ist verboten.

Ausgerechnet Österreich, das Tourismusland! In Deutschland war ein, wenn nicht das Hauptargument für die Einrichtung von Nationalparks immer die Förderung des Tourismus. Immer! Ein Nationalpark ist wichtig für … den Tourismus! Millionen von Besuchern! Und ich schätze, bei Ihnen war es ähnlich … Naturschutz, ja sicher! Auch! Aber viel wichtiger: Arbeitsplätze! Umweltpädagogen! Ökologen! Ranger! Gastronomie! Hoteliers! Hilfe für strukturschwache Regionen! Die Bauindustrie! Die riesigen neuen Besucherzentren! Neue Straßen! Neue Bahnhöfe! Neue Buslinien!

Ich erinnere mich an ein ganzes Wochenendseminar zu diesem Thema im Jahr 2017, durchgeführt vom BUND während der Kampagne für den Nationalpark Steigerwald. Tourismus, Tourismus, Tourismus! Die Regierung in Bayern richtete dann nicht den Nationalpark ein, sondern … einen Baumwipfelpfad nahe Ebrach. Wofür? Tourismus … Das neue Falkenstein-Schutzhaus im Nationalpark Bayerwald wurde letztes Jahr mit großem Trara und viel Politprominenz und Presse und Fernsehen und und und eingeweiht. Wofür? Tourismus …

Und nun? Ich bin sprach- und fassungslos … Ich verstehe die Welt nicht mehr! Dabei kann ich vieles verstehen: sogar Kahlschläge in Nationalparks. Aber die Schließung von Nationalparks für Touristen verstehe ich nicht mehr: man ruiniert wissentlich die Wirtschaft. Deswegen schreibe ich auch – fast – nichts mehr auf meiner Webseite in den vergangenen Wochen.

Herzliche Grüße
Franz-Josef Adrian

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