Massive Schälschäden in der Hohen Schrecke

Die Hohe Schrecke ist ein Naturschutzgroßprojekt in Thüringen. 2.000 ha Wald sollen hier der forstlichen Nutzung entzogen und wieder Wildnis werden. Projektträger ist die Naturstiftung David, die vom BUND gegründet wurde. Das Bundesumweltministerium fördert das Projekt mit 9,4 Mio. €. Eines der Juwelen des Projekts ist das Wiegental, ein großer geschlossener Bestand von bis zu 250jährigen Buchen, wie es ihn nirgendwo sonst in Deutschland gibt. Ich habe im August das Wiegental besucht und war entsetzt: Nahezu alle jungen Bäume – Buche, Ahorn, Esche, ob fingerdick oder armdick – waren von Rothirschen geschält.

geschälte Ahornbäume im Wiegental

Ich dokumentiere die Schälschäden ausführlich mit hochauflösenden Fotos. Im Anschluss daran fasse ich ein Telefoninterview mit Dr. Dierk Conrady, dem Projektleiter vor Ort, zusammen, das ich gestern geführt habe. Weitere Telefoninterviews mit Förstern und Wildtierbiologen werden in den nächsten Tagen folgen. Hier geht es zu meinem Bericht: Massive Schälschäden im Wiegental.

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Reise in die Finsternis

Auf die Idee zu dieser Reportage hat mich der nordrhein-westfälische Umweltminister Remmel gebracht. Remmel war Anfang September zu Besuch in Lichtenau, wo er den Streit zwischen Landwirten und Jägern wegen viel zu hoher Rotwildbestände schlichten wollte. Dabei sprach er von Wildschäden, die in die Millionen gehen könnten – und zwar auf den Feldern und im Wald.1 Also beschloss ich, mir den Wald in Lichtenau einmal anzuschauen.

Es war schlimm, ganz schlimm. Wenn Bäume vor Schmerzen schreien könnten, müssten sich die Bewohner von Lichtenau die Ohren zuhalten.

Lichtenau_Wildschaeden_1000

Hier geht es zu meiner ausführlichen Reportage mit vielen hochauflösenden Fotos: Wildschäden durch Rothirsche in Lichtenau.

  1. siehe Rothirschzucht im Eggegebirge []

Rothirschzucht im Eggegebirge

Kleinenberg ist ein Dorf im Kreis Paderborn am Südrand des Eggegebirges. Seit Jahren beschweren sich dort die Landwirte über Rothirsche, die ihre Äcker kahl fressen und zertrampeln. Nun ist der Streit so eskaliert, dass sogar der Umweltminister vor Ort war. Am 11. September zitiert die Printausgabe1 der Neuen Westfälischen Johannes Remmel mit den Worten:

„Wildschäden gibt es in vielen Regionen, ich habe aber noch nie gesehen, dass Landwirte ihre Felder mit Zäunen vor Wild schützen müssen. […] Wir müssen dringend eine Lösung für das Problem finden, denn die Schäden im Wald und auf den Feldern können in die Millionen gehen.“

Der Minister drückt sich sehr diplomatisch aus. Denn es geht nicht nur um ein „Problem“ oder einen „Streit“ zwischen Jägern und Bauern. Offenbar wurde in der Egge jahrelang  gegen Gesetze und Verordnungen verstoßen. Zahlen zu den Rothirsch-Beständen waren falsch und Aufsichtsbehörden überfordert. Mehreren Bauern, die öffentlich die Jäger kritisierten, wurden die Zäune zerschnitten, so dass die Kühe frei herumliefen, und ihre Silageballen wurden zerfetzt.2 Weiterlesen

  1. Die Online-Version ist leider erheblich gekürzt: Umweltminister Remmel will Streit um Wild-Schäden in Lichtenau beilegen []
  2. persönliche Mitteilung von Landwirt Stephan Böddeker []