Gran Canaria und die PR-Probleme der BBIWS

  • Wald ist Wasser.
  • Wald ist reine Luft.
  • Wald ist ein wichtiger Klimaschützer.
  • Wald ist für uns Menschen einfach unersetzlich!

So lauten die ersten vier Sätze der Petition der Bundesbürgerinitiative Waldschutz (BBIWS). Und sie sind alle falsch.

Ich war selbst auf dem Treffen anwesend, als über den Text der Petition beraten und abgestimmt wurde. Ich habe damals nicht protestiert. Mir war gar nicht bewusst, dass die Sprüche so nicht stimmen. Und mir fielen auch keine besseren Slogans ein. Das Problem: Diese vier Werbesprüche sind alle falsch. Es geht auch ohne Wald. Und die Menschen vermissen den Wald auch nicht. Im Gegenteil: Millionen machen Urlaub gerade dort, wo kein Wald ist. Das wurde mir klar, als ich den Baedeker-Reiseführer zu Gran Canaria gelesen habe.

Schon der Einband des Buches widerlegt den vierten Spruch. Wald ist eben nicht unersetzlich. Der Einband zeigt die gewaltige Dünenlandschaft im Süden der Insel, die Dunas de Maspalomas. Die Dünen gelten nicht als hässlich. Sie sind nicht der Schandfleck der Insel. Sie sind kein ökologisches Problem. Im Gegenteil: Sie sind Naturschutzgebiet und das Aushängeschild von Gran Canaria. Kein Reiseführer, kein Film im Fernsehen ohne diese Wüste:

Dunas de Maspalomas.jpg
By HimarermeOwn work, Public Domain, Link

Der Baedeker verleiht 2 Sterne: Die grandiose Dünenlandschaft“ ist ein „Top-Reiseziel“ mit einem „Hauch von Sahara“ und einem tollen Sandstrand“. Die einmalige Dünenlandschaft […] gehört zu den größten Attraktionen der Insel.“ Wald ist für uns Menschen einfach unersetzlich? Von wegen! Die Touristen laufen nicht schreiend davon. Im Gegenteil: Sie finden es toll. Den Wald vermisst niemand. Der Massentourismus konzentriert sich genau hier im Süden der Insel.

Auch die drei anderen Slogans der BBIWS werden auf Gran Canaria Lügen gestraft. Wald ist Wasser? Es geht auch ohne Wald!

„So ist auf Gran Canaria vom einst viel gepriesenen Lorbeerwald weniger als 1% des ursprünglichen Areals übrig geblieben.“1

Seit Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Wald abgeholzt. Wald ist unersetzlich für die Wasserversorgung der Insel? Blödsinn! Den Wassermangel löst man technisch: Erst mit Stauseen, dann mit tiefen Brunnen, jetzt mit Meerwasserentsalzungsanlagen:

„Auf Gran Canaria arbeiten derzeit mehr als 100 kleinere und größere Entsalzungsfabriken, mehr als die Hälfte des auf der Insel verbrauchten Wassers kommt ursprünglich aus dem Atlantik.“2

Wald ist Wasser? Auch ohne Wald hat keiner der fast 4 Millionen Urlauber pro Jahr3 auf Gran Canaria Angst zu verdursten.

BergweltGranCanarias2.jpg
Von Rüdiger MarmullaEigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Link

Auch über dreckige Luft sorgt sich niemand auf Gran Canaria. Wald ist reine Luft? Lächerlich!

„Die Luftverschmutzung hält sich auf den Kanaren infolge geringen Aufwands an Wärmeenergie (mildes Klima!) und des fast ständig wehenden Winds in erfreulichen Grenzen.“4

Wald ist ein wichtiger Klimaschützer? Quatsch!

„Auf den Kanarischen Inseln herrscht ein warm-gemäßigtes Klima, nicht zu Unrecht spricht man vom ‚ewigen Frühling‘. Das Klima ist milder und angenehmer, als man es in diesen Breiten erwarten würde.“5

Ewiger Frühling geht auch ohne Wald!

Westkuste von Gran Canaria.jpg
Von Bodo Teichert – Eigenes Werk, CC BY 2.5, Link

Schluss

Die BBIWS hat ein PR-Problem. Ihre Slogans überzeugen nicht. Sie sind aber wichtig, wenn man die Öffentlichkeit beeinflussen will. Wir brauchen einen PR-Berater.

  1. Baedeker, S. 28 []
  2. Baedeker, S. 30 []
  3. 3,7 Mio. 2016 []
  4. Baedeker, S. 28 []
  5. Baedeker, S. 30 []