Frede und die Blockhalden

Liest man die Begründung von Achim Frede für den Kahlschlag am Wüstegarten, dann kann man auf die Idee kommen, der Wüstegarten sei kein Berg im hessischen Mittelgebirge, sondern in den bayerischen Alpen. Da ist von „Quarzitklippen“, einem „Berg-Grat“, „Felsen“, „extremen, gehölzarmen Felsgrat-Partien“ und „Blockhalden“ die Rede.

Im vierten Kapitel über den Kahlschlag am Wüstegarten widme ich mich den Blockhalden. Ich habe nur eine gefunden und die ist 20 m2 groß: Frede und die Blockhalden.

Frede und der Biotopkomplex

Achim Frede ist fachlicher Leiter des Naturschutzgroßprojekts Kellerwald, Abteilungsleiter im Nationalpark Kellerwald-Edersee und Diplom-Biologe. Glaubt man ihm, dann ist der 675 m hohe Wüstegarten eine wahre Schatztruhe. Denn dort gibt es „Sauerhumusrasen“, „Borstgrasrasen“, „Kryptogamenfluren“, „Quellmoore“, „Niedermoore“, „Zwischenmoore“, „Gebirgsbäche“ und und und. Frede kommt auf nicht weniger als 11 Biotope, die dort angeblich einen „Komplex“ bilden. Dieser ist so ungemein „wertvoll“ , dass man dafür gleich 5,1 ha Fichtenwälder kahlschlagen muss. Das „Vorkommen seltener, spezialisierter und arealgeografisch interessanter Biozönosen“ rechtfertigt einen Kahlschlag allemal.

Fingerhut-Schlaggesellschaft (Epilobio-Digitalietum purpureae) auf dem Kahlschlag am Wüstegarten (Roter Fingerhut, Wald-Greiskraut und Draht-Schmiele)

Mich überzeugt die Erzählung Fredes über sein „Naturschutzprojekt“ nicht. Meine Zweifel fangen damit an, dass er Biotope aufzählt, die es am Wüstegarten selbst in den offiziellen Dokumenten des Naturschutzgroßprojekts gar nicht gibt, und dass selbst die Biotope, die es dort tatsächlich gibt, nur winzig klein sind. Lesen Sie hier das dritte Kapitel meines Artikels Antrag auf Kahlschlag am Wüstegarten durch Achim Frede: Frede und der Biotopkomplex.

Antrag für den Kahlschlag am Wüstegarten durch Achim Frede

Ich habe bislang fünf Artikel über den Kahlschlag am Wüstegarten geschrieben. Das Forstamt Jesberg konnte dort nicht einfach 5,1 ha Fichtenwälder kahlschlagen. Das verbietet das Hessische Waldgesetz. Es musste einen förmlichen Antrag bei der Oberen Forstbehörde geben. Und die Hauptrolle bei diesem Antrag spielt Achim Frede, der nicht nur Fachlicher Leiter des Naturschutzgroßprojekts Kellerwald-Region ist, sondern auch Abteilungsleiter des Nationalparks Kellerwald-Edersee. Frede begründet den Großkahlschlag ausführlich auf zwei eng bedruckten DIN-A4-Seiten. Es ist ein schier unglaubliches Dokument.

Ich beginne heute mit dem ersten Kapitel eines Artikels, der sich mit diesem Dokument auseinandersetzt. Das Kapitel widmet sich Fredes Zusammenarbeit mit dem Forstamt Jesberg und der Größe des Kahlschlags. Und wundern Sie sich bitte nicht, aber – nimmt man die Aussagen der Beteiligten ernst, ist der Kahlschlag eigentlich viel zu klein: Antrag auf Kahlschlag am Wüstegarten durch Achim Frede.

Projektleiter Rainer Paulus zum Kahlschlag am Wüstegarten

Irgendetwas stimmt nicht mit dem 5 ha großen Kahlschlag am Wüstegarten. An dieser „Biotoprenaturierung“ des Naturschutzgroßprojekts Kellerwald-Region ist irgendetwas faul: Fragen werden nicht beantwortet, Verantwortliche sind telefonisch nicht erreichbar, amtliche Dokumente dürfen nicht veröffentlicht werden, die Gesprächsatmosphäre ist eisig. Lesen Sie selbst, was mir passierte, als ich von Projektleiter Rainer Paulus wissen wollte, wie viele Fördergelder für den Kahlschlag am Wüstegarten geflossen sind: Projektleiter Rainer Paulus zum Kahlschlag am Wüstegarten.

Ein Mischwald als Begründung für den Kahlschlag am Wüstegarten

Warum wurden Ende 2015 am Kellerwaldturm auf dem Gipfel des Wüstegartens 5 ha Fichtenwald kahlgeschlagen?

Die Verantwortlichen geben an, der Kahlschlag diene dem Schutz der Natur. Denn die Fichten seien vom Menschen gepflanzt, sie gehörten da von Natur aus gar nicht hin. Normalerweise wachse am Wüstegarten ein Mischwald aus Birken, Ebereschen und Bergahorn. Die Idee mit diesem Mischwald taucht zum ersten Mal im Jahr 2006 auf, und zwar in einem wichtigen Gutachten von Markus Schönmüller, dem Leiter eines Planungsbüros für Ökologie, Naturschutz und Landschaftspflege. Neun Jahre später hat er in einem Leserbrief den Kahlschlag mit markigen Worten verteidigt.

Ich halte nicht nur die Beschreibung des Mischwalds im Gutachten für mangelhaft, sondern auch die dazu gehörende Fotodokumentation. Hier geht es zu meinem Artikel: Grunddatenerfassung für das FFH-Gebiet „Hoher Keller“

Maßnahmenplan für das FFH-Gebiet „Hoher Keller“

Stellen Sie sich vor, Sie erstellen mit einem Gärtner einen Maßnahmenplan für die Pflege Ihres Gartens: Hecken schneiden, Rasen vertikutieren, Stauden pflanzen und Unkraut jäten. Dann kommen sie abends nach Hause und sämtliche Obstbäume sind weg! Etwas ganz Ähnliches scheint am Wüstegarten im FFH-Gebiet „Hoher Keller“ passiert zu sein.

2014 wurde der Maßnahmenplan für dieses Schutzgebiet veröffentlicht. Er enthält nicht weniger als 24 Maßnahmen. Aber nirgendwo steht etwas von einem 5 ha großen Kahlschlag am Wüstegarten. Hier geht es zu meinem Artikel: Maßnahmenplan für das FFH-Gebiet „Hoher Keller“.

Tag des Waldes in Porta Westfalica

21. März ist „Tag des Waldes“. In Vorfreude auf diesen Festtag hat die Firma Forst- & Agrarservice A. F. Pape Nolte vom 17. – 18. März am Mindener Weg in Porta Westfalica in der Lücke zwischen den Häusern mit den Hausnummern 9 und 11 rund 0,15 ha Wald gerodet. Ich wohne in unmittelbarer Nachbarschaft und die Rodung war für meine Genesung nicht förderlich.

Ein ausführlicher Hintergrundbericht folgt.