Das Märchen von den verlorenen Arbeitsplätzen

Einleitung

Ralph Gerdes, Betreiber der Webseite der Nationalparkgegner „Unser Teutoburger Wald“ wurde 2012 nicht müde, das Märchen zu verbreiten „Der geplante Nationalpark zerstört .. bis zu 1.800 Arbeitsplätze bundesweit.“ (siehe „Meinungen“ ganz unten, Hervorhebungen von F.-J. A) Gerdes hielt sich für oberschlau und listete alle Holzarbeiter im engeren und weiteren Sinn auf, die ihm so in seinen Sinn kamen.

Das Märchen von den Arbeitsplätzen

Wäre Gerdes auch noch in die Idee gekommen, alle Angestellten im Lebensmittelhandel bei Aldi, Lidl und Penny und Tante Emma aufzulisten, die von den Einkäufen der wackeren Holzarbeiter abhängig sind, er wäre sicherlich auf 10.000 Arbeitsplatzverluste gekommen. Und erst mal all die Arbeiter in der Papierindustrie! Und sind nicht auch alle Arbeiter in den Zeitungsverlagen abhängig vom Holz aus dem Teutoburger Wald? Irgendwie?

Gerdes hätte auch noch die Ausfälle bei Lohnsteuer und Sozialbeiträgen und die nun benötigte Arbeitslosenhilfe und die Hartz-IV-Kosten aufsummieren können. Dann hätten er und seine „Initiative Waldfreiheit“ uns sicherlich mit ganzseitigen Zeitungsanzeigen „Milliardengrab Nationalpark“ beglückt.

waldfreiheit
ganzseitige Zeitungsanzeige der Initiative Waldfreiheit

 

Milchmädchenrechnung

Gerdes geht davon aus, dass 100 Festmeter Holz 3 Arbeitsplätze schaffen. 2007 stieg wegen Kyrill der Einschlag von Holz von 62.290.000 m3 auf 76.728.000 m3 (aus: Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Holzmarktbericht 2011) Es wurden also 14.438.000 m3 mehr Holz eingeschlagen. Nach Gerdes hätten dadurch 433.140 Arbeitsplätze geschaffen werden müssen.

China

Im Jahre 2012 wurden 809.000 Festmeter Buchenrohholz als unverarbeitete ganze Stämme exportiert: u. a. 302.000 Festmeter nach China, 260.000 nach Österreich und 115.000 nach Schweden (Zahlen von Holzmarktinfo.de). Glaubt eigentlich irgendjemand ernsthaft an Engpässe bei Buchenholz?

Und Fichtenholz wäre in den nächsten 30 Jahren reichlich zu Spottpreisen im Nationalpark zu kaufen gewesen: Die Fichtenwälder sollten ja – wie Gerdes durchaus weiß – abgeholzt und in Buchenwälder umgewandelt werden. So where is the fucking problem?

Mein Fernseher kommt aus Südkorea, mein Auto aus Japan und meine Weintrauben aus Chile  – und Gerdes macht sich Sorgen um die armen Sägewerke, die ihr Holz nun 50 km weiter entfernt einkaufen müssen. Geht’s noch?

Roboter

Das Märchen von den verlorenen Arbeitsplätzen ist auch deswegen so dämlich, weil die holzverarbeitende Industrie fast nur noch Roboter einsetzt.

Harvester, tonnenschwere riesige Maschinen, die aussehen wie Kampfmaschinen aus einem Terminator-Film, ersetzen die Waldarbeiter. Und sollten Sie doch einmal einen Arbeiter im Wald entdecken, so spricht dieser polnisch oder rumänisch, weil Deutsche nicht zu den Billiglöhnen der Forstindustrie arbeiten wollen.

In den Sägewerken ist es nicht anders: Europas modernstes Sägewerk betreibt die Firma Pollmeier in Creuzburg (Thüringen). Dort zersägen computergesteuerte Maschinen auf einer Fläche von 70 Fußballfeldern mit der Hilfe von gerade einmal 400 Arbeitern pro Jahr die gigantische Menge von einer halben Million Festmeter Buchenholz.

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