Naturwaldreservat Waldhaus

Die Schaufelbuchen als lebensbewahrende Mütter des Waldes

Das Waldhaus hat dieselbe Geschichte wie das benachbarte Naturwaldreservat Brunnstube (siehe Geschichte des Naturwaldreservats Brunnstube). Knapp „zwei Dutzend 300jähriger ‚Schaufelbuchen‘ machen rund 40 % des Vorrats von über 800 Festmetern pro Hektar aus. Eingebettet sind die Giganten in 190-jährige Altbestände, vorwiegend aus Buchen“ (siehe das Kapitel “Steigerwald” in: Georg Sperber und Stephan Thierfelder: Urwälder Deutschlands, München 2. Auflage 2008, S. 51).

Es sind die „mächtige(n), mehr als 300 Jahre alten Buchenmatrone(n)“ (Georg Sperber und Thomas Stephan, Frankens Naturerbe – Buchenwälder im Steigerwald, Bamberg 2008, S. 40), die „den Naturwaldreservaten Brunnstube und Waldhaus … urwaldähnliche Strukturen (verleihen), wie man sie sonst in keinem deutschen Buchenreservat findet“ (ebd. S. 73). 20 bis 30 Altbuchen pro Hektar hatte man im 19. Jahrhundert nicht wie ihre Altersgenossen gefällt, sondern weiter wachsen lassen: Aus den meterdicken Stämmen sollten später aus einem Stück Getreideschaufeln geschnitzt werden.

„Die Schaufelbuchen retteten eine Vielzahl von Arten in unsere Zeit, die in den … Försterwäldern … keinen Platz zum Überleben gefunden hätten. Hier fanden ‚Urwaldreliktarten‘, seien es Holzpilze wie die Stachelbärte, mulmbewohnende Käfer wie der Eremit, Bechsteinfledermaus oder der Zwergschnäpper Asyl, als die moderne Forstwirtschaft sie vertrieb“ (ebd. S. 72 f.).

Das erklärt, warum in vielen anderen Naturwaldreservaten trotz hoher Totholzvorräte und trotz langer Zeiten der Nichtbewirtschaftung viele Urwaldreliktarten ausgestorben sind: Ihre Floren- und Faunentradition ist aufgrund intensiver Bewirtschaftung abgerissen. Ihnen „fehlen solche Traditionsbewahrer“ (ebd. S. 73). Sperber nennt die Schaufelbuchen auch „lebensbewahrende Mütter des Waldes“ (ebd.).

Die traditionsbewahrenden Schaufelbuchen erklären auch, warum es sinnvoll wäre, um die beiden Naturwaldrervate Waldhaus und Brunnstube herum weitere Buchenwälder zu schützen und den Einschlag von Buchen zu stoppen. Aus den Naturwaldreservaten heraus könnten dann Urwaldreliktarten langsam in die neuen Prozessschutzgebiete einwandern: „Von diesen Spenderflächen aus könnte die Artenvielfalt wieder einwandern in einen ‚Urwald von morgen'“ (ebd, S. 172). Dies war der Plan von Altlandrat Günter Denzler, der am 16. April 2014 das 773 ha große Waldschutzgebiet „Der Hohe Buchene Wald im Ebracher Forst“ eingerichtet hat (siehe die Karte im Zeitungsartikel „Die Buchen bleiben geschützt“ im Fränkischen Tag vom 21. Juni 2014).

Der Einwand des stellvertretenden Ebracher Forstamtsleiters Daniel Steuer, „die Wälder des Schutzgebiets (sind) im Schnitt gerade mal 90 Jahre alt, also weit weg von den Altersstadien, die Buchenwälder ökologisch interessant werden lassen“ führt also in die Irre (siehe Der „geklaute“ Wald oder die Gier nach dem Titel – Leserbrief von Daniel Steuer vom 3. Juni 2014). Besonders bizarr wirkt der Vorwurf angesichts von Nationalparks wie z. B. im Harz, Schwarzwald und in der Eifel, wo Tausende Hektar Fichtenplantagen allererst in Buchenwälder umgewandelt werden sollen. Dort wäre man froh, wenn man 90jährige Buchenwälder hätte!

 

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