Faktencheck: Jörg Müller

Kritik am Müller-Deal

So sympathisch ich Müllers Plädoyer im SPIEGEL für mehr Wildnis finde, den von ihm vorgeschlagenen Deal halte ich für wenig hilfreich. Dafür habe ich drei Gründe:

Deal unnötig

Für Müller steht fest: Wenn Flächen stillgelegt werden, dann müssen die übrigen Flächen umso intensiver ausgebeutet werden. Das aber setzt den Glauben an die zwei Dogmen der Holzlobby voraus: das Dogma vom Importverbot und das Dogma vom hohen Holzverbrauch. Auf die Idee, Holz zu importieren oder den Holzverbrauch zu senken, kommt er nicht. Auch dass Deutschland mehr Laubholz einschlägt als es verbraucht und Netto-Exporteur von Laubroh- und -schnittholz ist, scheint er nicht zu wissen.

Deal unmöglich

Aus Fichtenforsten können nicht noch „höhere Erträge“ herausgepresst werden. Die Produktion der „getrimmten“ Holzäcker lässt sich nicht mehr steigern. Rückegassen im Abstand von 20 m, Kalkung, Insektizideinsatz, Harvester, Häcksler und Vollbaumernte – mehr „Holzleistung“ geht nicht. Viel wahrscheinlicher ist, dass das Produktivitätsmaximum längst überschritten ist. In Zukunft werden Fichtenplantagen nicht mehr „unschlagbar produktiv“ sein – ganz im Gegenteil: Bis zu 25 % des Waldbodens sind jetzt schon durch den Maschineneinsatz unwiderruflich verdichtet, die Bodenfruchtbarkeit leidet durch die Vollbaumnutzung und die Fichte verträgt die Klimaerwärmung nicht. Vom Borkenkäfer ganz zu schweigen. Es ist viel viel mehr zu befürchten als „gelegentliche Sturmschäden“.

Deal absurd

Wer soll eigentlich diesen Deal abschließen? Da sitzen dann Forstminister Helmut Brunner und Martin Neumeyer, der Leiter der Bayerischen Staatsforsten, an einem Tisch mit Ralf Straußberger und Hubert Weiger vom Bund Naturschutz und handeln einen Deal aus? Wie sollte der aussehen? Die Staatsforsten legen 10 % ihres Waldes still und richten im Steigerwald und Spessart einen Nationalpark ein. Im Gegenzug verspricht der BN, nicht gegen eine intensivierte Holzproduktion auf den übrigen Flächen zu protestieren. So etwa? Die ganze Idee ist absurd: Der Wald in Bayern gehört nicht den Bayerischen Staatsforsten. Und schon gar nicht gehört er den Großsägewerken Pollmeier oder Klausner oder Pröbstl. Er gehört allen Bürgern Bayerns. Und vielleicht finden diese irgendwann einmal in der Zukunft Fichten- und Buchenplantagen genauso widerlich und überflüssig wie Schweinemastanlagen oder Kohlekraftwerke. Und vielleicht entscheiden sich dann die Bürger dafür, 10, 20 oder gar 50 % ihres Eigentums stillzulegen. Und zwar ganz ohne irgendeinen Deal. Und vielleicht ist das gar nicht einmal so utopisch in einem Land, in dem das Buch „Das geheime Leben der Bäume“ von Peter Wohlleben monatelang die Bestseller-Listen anführt.

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