Faktencheck: Altholzinseln

Das Trittsteinkonzept

Das Trittsteinkonzept ist sehr leicht zu verstehen. In fast allen Veröffentlichungen dazu taucht eine simple Abbildung auf.1

Die großen dunkelgrünen Flecken sind die Naturwaldreservate (engl. „forest reserve“). Sie sollen größer als 10 ha sein. Sie dürfen aber auch gerne bis zu mehreren 100 ha groß sein.2

Die kleinen hellgrünen Flecken sind die Trittsteine, auch Altholzinseln oder Schlüssel-Habitate oder hot-spots genannt. Sie sollen 1 – 5 ha umfassen.3 Der Name „Altholzinsel“ ist Programm: Es sind Inseln mit alten und zerfallenden Bäumen in einem Meer von jungen und reifen Bäumen. Letztere sind für viele waldtypische Arten schlicht lebensfeindlich. Auch der Ausdruck „Trittsteine“ ist durchaus wörtlich zu nehmen: Die Arten sollen auf diese Steine treten, um von Naturwaldreservat zu Naturwaldreservat zu gelangen. Im Englischen spricht man auch von „set-aside patches“, wörtlich übersetzt also von „beiseite gelegten Flecken“. Gemeint sind natürlich stillgelegte Flächen, in denen die Bäume ihre natürliche Altersgrenze erreichen und dann zerfallen dürfen. Das Wort „Stilllegung“ ist leider missverständlich: Denn still ist es in alten Wäldern gerade nicht – sie sind Zentren der Artenvielfalt. Im Englischen meint „patch“ übrigens auch Pflaster – und das sind sie ja auch: Pflaster auf der Wunde Wirtschaftswald. Der Abstand zwischen den Altholzinseln soll 1 – 2 km betragen. Als „Faustregel“4 reicht das angeblich für die meisten Arten.5

Die kleinen dunkelroten Punkte sind die Habitatbäume, auch Biotopbäume genannt. Das sind z. B. große abgestorbene Bäume, Bäume mit Höhlen usw., die als Lebensraum für Tiere, Pilze und Flechten dienen. Glaubt man den Forstökologen, so reichen 5 – 10 Habitatbäume pro ha.6

Habitatbäume bilden zusammen mit den Altholzinseln die in der Abbildung orange gefärbten „dispersal corridors“, also Ausbreitungskorridore. Über diese Korridore kriecht dann beispielsweise der Steinpicker, eine Schnecke, mit seinem 2 cm kleinen Gehäuse den kilometerlangen Weg von Naturwaldreservat zu Naturwaldreservat.

Mergner benutzt in seinem Aufsatz eine ähnliche Abbildung, die das Konzept auf den Forstbetrieb Ebrach anwendet:

Im Westen ist das Naturwaldreservat Waldhaus, im Osten das Naturwaldreservat Brunnstube zu sehen. Die Karte ist nicht maßstabsgetreu – ein Vergleich mit Google-Maps zeigt, dass der Abstand zwischen beiden Reservaten in Wirklichkeit viel größer ist.

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  1. Die folgende Abbildung stammt aus dem Aufsatz Connectivity and fragmentation: island biogeography and metapopulation applied to old-growth elements  von Kris Vandekerkhove, Arno Thomaes and Bengt-Gunnar Jonsson, erschienen in dem Sammelband von Daniel Kraus und Frank Krumm (Hg.) Integrative approaches as an opportunity for the conservation of forest biodiversity, European Forest Institute 2003, S. 107 []
  2. Zahlen aus Connectivity and fragmentation, S. 110 []
  3. ebd. []
  4. ebd. []
  5. zur Kritik an dieser Faustregel siehe weiter unten []
  6. Connectivity and fragmentation, S. 110 []