Alter der Buchenwälder in der Stellungnahme von Ulrich Mergner

6. Langfristige Behandlung

Mit 277,2 ha gehört der größte Teil des GLB zur Nutzungsart der „langfristigen Behandlung“. Dabei denkt man vielleicht unwillkürlich an schmerzhafte Wurzelhalsbehandlungen beim Zahnarzt. In Bayern werden aber auch Wälder „langfristig behandelt“ – und zwar solche, die bereits das Ideal der Staatsförster erreicht haben:

„kleinflächig mosaikartig aufgebaute Wälder, welche sich durch trupp-, gruppen- und horstweise Strukturen, Mischbaumartenreichtum und Ungleichaltrigkeit auszeichnen.“1

Unter einem „Trupp“ versteht man in der Forstwirtschaft eine Kreisfläche mit einem Durchmesser bis zu 15 m, eine „Gruppe“ hat einen Durchmesser von 15-30 m und ein „Horst“ einen Durchmesser von 30-60 m.2 Die drei Fachbegriffe beschreiben den sogenannten horizontalen Bestandsaufbau. Der ideale Buchenwald soll so aussehen wie in Abbildung 18 unten:

Im Musterwald gibt es große Flächen mit Naturverjüngung (NV). Vereinzelt sind kleine Dunkelfelder (DF) vorhanden; das sind Flächen, in denen die Oberschicht noch dicht geschlossen ist und keine „Lichtungshiebe“ stattgefunden haben. Dort stehen noch Elitebäume (gelbe Punkte) und Biotopbäume (blaue Punkte). VB steht für Voranbau: auf diesen Flächen wurden künstlich Bäume angepflanzt, die natürlicherweise dort gar nicht wachsen würden – z. B. Douglasien. Achten Sie einmal auf die roten Kreuzchen in der Abbildung: Jedes steht für einen gefällten Elitebaum. In Wirklichkeit sind noch viel mehr Altbäume gefällt worden. Die gefällten Nicht-Elitebäume fehlen in der Abbildung. Auf den Flächen mit Naturverjüngung und Voranbau wurden fast alle Altbäume gefällt. Dort stehen nur noch einige wenige Überhälter einsam und verloren herum und kränkeln vor sich hin.3

Die Bäume werden nicht alle auf einmal wie beim Schirmschlag, sondern femelschlagartig, d. h. in Trupps, Gruppen und Horsten und zu unterschiedlichen Zeiten gefällt. Deshalb ist die Naturverjüngung unterschiedlich alt und auch unterschiedlich hoch. So entsteht der vertikale Bestandsaufbau mit Unter- und Zwischenstand.4 Am Ende steht er da: der künstliche Försterwald der Bayerischen Staatsforsten mit „langfristig dauerwaldartigen Strukturen […] mit […] kleinflächigem Wechsel von Horizontal- und Vertikalstrukturen“.5 Und genau für diesen Idealwald gilt die Nutzungsart der „langfristigen Behandlung“.

Man kann übrigens ausrechnen, wie viele dicke Bäume mit einem BHD von 65 cm maximal auf einem Hektar wachsen dürfen. Es sind rund 65 Bäume. Sie haben dann einen Kronendurchmesser von 12 m und überschirmen eine Fläche von (6 m)2  • π • 65 ≈ 7.350 m2. Mehr als 70 % Überschirmung erlauben die Förster ja nicht.

7. Außerregelmäßige Bewirtschaftung

16,2 ha im GLB sind Klasse-I-Wälder, d. h. sie sind laut Naturschutzkonzept der BaySF älter als 180 Jahre. Im Forstbetrieb Ebrach ticken die Uhren anders: Hier sind die Klasse-I-Wälder nur 117 Jahre alt.6 Klasse-I-Wälder sind ebenso kostbar wie selten: Im gesamten 16.494 ha großen Ebracher Forstbetrieb gibt es nur 20 ha.7 Aber auch Klasse-I-Wälder können bewirtschaftet werden. Es sind keine Totalreservate. Das sogenannte Naturschutzkonzept der Staatsforsten sieht ausdrücklich die Entnahme werthaltiger Bäume vor. Es „erfolgen keinerlei regulären forstliche Maßnahmen“.8 Außerregelmäßige schon.

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  1. S. 58 []
  2. siehe Der horizontale und vertikale Bestandsaufbau []
  3. siehe die Fotos von bedauernswerten Überhältern in Fabrikschleichach []
  4. siehe Der horizontale und vertikale Bestandsaufbau []
  5. S. 45 []
  6. siehe Mergner und wie er die Welt sah []
  7. siehe Naturschutzkonzept des Forstbetriebs Ebrach, S. 12 []
  8. a. a. O., S. 13, Hervorhebung von mir []