Alter der Buchenwälder in der Stellungnahme von Ulrich Mergner

1. Die Nutzungsarten im Waldbauhandbuch der BaySF

Es gibt ein sehr sonderbares Dokument, das in der Diskussion um den Steigerwald leider völlig unter den Tisch fällt: Ich meine das Waldbauhandbuch der Bayerischen Staatsforsten. Ich bin mir sicher, dass nicht ein einziger der Abgeordneten des Bayerischen Landtags, die am 4. Juni 2015 gegen den GLB gestimmt haben, es gelesen hat.1 Sie glauben an das Trittsteinkonzept wie an die unbefleckte Empfängnis Mariens.

In dem Handbuch finden sich nicht nur Angaben zum Alter der Wälder, die zur Spalte „Durchschnittsalter“ in Mergners Tabelle passen. Es erklärt auch in verblüffend verständlicher Sprache, was sich hinter den geheimnisvollen Fachbegriffen in der Spalte „Nutzungsart“ verbirgt. Die Staatsforsten unterscheiden sieben Nutzungsarten:

  1. Jungbestandspflege (0-30 Jahre)
  2. Jungdurchforstung (30-40 Jahre)
  3. Altdurchforstung – Phase 1 (40-60 Jahre)
  4. Altdurchforstung – Phase 2 (60-80 Jahre)
  5. Verjüngungsnutzung (80-120 Jahre)
  6. Langfristige Behandlung
  7. Außerregelmäßige Bewirtschaftung

Eine guten Überblick über die ersten fünf Nutzungsarten gibt Abb. 17. Schon bei diesem ersten Überblick fällt auf, dass die staatlich verwalteten Buchenwälder gar nicht älter als 100 Jahre werden können: die Zeitskala endet bei 100.2


1. Jungbestandspflege

Jungbestandspflege

66,6 ha des GLB haben ein Durchschnittsalter von nur 31 Jahren.3 Die ihnen entsprechende Nutzungsart heißt „Jungbestandspflege“.4 Ziel sind 150 „Elitebaumkandidaten“. Sie sollen am Ende zu den „besten Bäumen“5 herangezogen werden, „qualitativ hochwertig“6, „gut geformt“, „vital“ und „gesund“7. Die Sprache erinnert an den Jargon von Fitness-Magazinen. Am Ende dieser ersten Phase im Leben des Buchenforsts sind die Kandidaten 12 m hoch und 30 Jahre alt, sofern sie sich an die Anweisungen des Handbuchs halten.

2. Jungdurchforstung

Jungdurchforstung

46,7 ha des GLB sind durchschnittlich 50 Jahre alt. Damit sind sie etwas älter, als es ihrer Nutzungsart, der „Jungdurchforstung“ entspricht.8 Möglich, dass sie auf „ertragsschwächeren Standorten“ wachsen. Dort dauert alles ein wenig länger und dieser Lebensabschnitt dauert 50 Jahre.9 Am Ende sind aus 150 „Elitebaumkandidaten“ 100 „Elitebaumanwärter“ geworden.

Es wird zum ersten Mal massiv geholzt: Pro „Elitebaumkandidat“10 werden zwei sogenannte „Bedränger“ gefällt.11 Das heißt, dass pro ha 200 Bäume dem Harvester zum Opfer fallen.12 Die fixe Idee dahinter ist, dass dann die Kronen der zukünftigen Elitebäume mehr Platz haben: „durch stetige Umlichtung [wird] der Ausbau der Krone […] forciert“ ,13 d. h. erzwungen. Laut den Modellberechnungen der BaySF nehmen Durchmesser und Länge des Baumstammes dann schneller zu. Das Ganze nennt sich „Durchmesserförderung“. Ziel ist es, in möglichst kurzer Zeit viel Holz zu produzieren. Peter Wohlleben vergleicht Elitebäume, deren Kronen ständig „umlichtet“ und „freigestellt“ werden mit gedopten Mastschweinen.

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  1. siehe Beschluss des Plenums 17/2249 []
  2. Eine detailliertere Zusammenfassung bietet „Anlage 1: Übersicht zur Buche – bessere Standorte“ auf S. 77. []
  3. Die obere Zeichnung stammt wie auch alle folgenden von mir. []
  4. siehe S. 47-49 []
  5. S. 31 []
  6. S. 53 []
  7. S. 49 []
  8. siehe S. 49-51 []
  9. siehe Anlage 2: Übersicht zur Buche – ertragsschwächere Standorte, S. 79 []
  10. Ein anderer Fachbegriff für Elitebaum lautet Z-Baum. []
  11. „in dicht aufgewachsenen Beständen aus Naturverjüngung eher 2 Bedränger“, S. 50 []
  12. siehe S. 50 []
  13. S. 53, Hervorhebung von mir []