Kahlschlag am Huzenbacher See

Einleitung

Der Flyer „Unterwegs im Nationalpark“ aus dem Jahr 2015 erwähnt den Huzenbacher See mit keinem einzigen Wort. Die NLP-Verwaltung beschreibt zwar den Wilden See und den Buhlbachsee. Den Huzenbacher See aber schweigt sie tot. Vielleicht hat sie ein schlechtes Gewissen. Am Huzenbacher See sieht es nämlich so aus:

Auf den folgenden Seiten erzähle ich ausführlich, wie es dazu kommen konnte. Eine der zahlreichen unglaublichen Pointen der Geschichte ist, dass einer der für den Kahlschlag verantwortlichen Forstbeamten, Jörg Ziegler, kurz danach zum Leiter des Fachbereichs Waldbau in der NLP-Verwaltung befördert wurde. Mein Artikel ist folgendermaßen gegliedert:

  1. Verantwortlicher Nummer 1: Harald Langeneck
  2. Verantwortlicher Nummer 2: Jörg Ziegler
  3. Kahlschlag im Schonwald

Verantwortlicher Nummer 1: Harald Langeneck

In der Nacht vom 30. Juni auf den 1. Juli 2012 warf ein Gewittersturm am Ostufer des Huzenbacher Sees ungefähr 3 ha Fichtenwald um. Der Windwurf wurde vollständig aufgearbeitet. Das gesamte Sturmholz wurde von den Waldarbeitern entfernt. Zurück blieb eine besenreine Fläche, die sich in nichts von einem Kahlschlag unterscheidet.

Ich habe im Internet zwei Zeitungsartikel zur Räumung des Windwurfs am Huzenbacher See gefunden: Der erste erscheint zweieinhalb Monate nach dem Sturm und trägt den Titel „Mit Seilkränen am Steilhang“. Melanie Hilbert lässt in ihrem Artikel einen der beiden Hauptverantwortlichen ausführlich zu Worte kommen: Es ist Harald Langeneck, stellvertretender Leiter des Kreisforstamts Freudenstadt. Es scheint ein sich wiederholendes Muster zu sein: Männer erklären Frauen die Welt und diese stellen keine Fragen.

Harald Langeneck interessieren am Windwurf vor allem drei Dinge: Technik, Holz und Geld. Und so redet er viel über Seilkräne, über Festmeter und über die Kosten. Überhaupt spielen Zahlen eine große Rolle: nicht weniger als 12 präsentiert Langeneck.1 Zahlen suggerieren Genauigkeit und Seriosität. In der Fülle unwichtiger Detailinformationen geht völlig unter, dass der immense Aufwand nicht einen einzigen Euro Gewinn für die Staatskasse abwirft: „Die Aufarbeitung sei dennoch gut kostendeckend machbar […], macht Langeneck deutlich.“ Die Aufarbeitung deckt die Kosten – mehr nicht. Und so macht Langeneck vor allem deutlich, dass der Windwurf für das staatliche Forstamt ein wirtschaftliches Fiasko ist. Mit Betrieben, die keinen Gewinn erwirtschaften, macht die Marktwirtschaft für gewöhnlich kurzen Prozess.

An keiner Stelle des Zeitungsartikels spricht Langeneck darüber, warum er Fichtenplantagen anbaut, die seit 150 Jahren in schöner Regelmäßigkeit von Stürmen umgeschmissen werden. Er thematisiert auch nicht, warum er den Windwurf überhaupt geräumt und nicht einfach liegen gelassen hat. Denn der Huzenbacher See wurde damals bereits seit mindestens einem Jahr als Bestandteil des zukünftigen NLPs diskutiert.2 Das aber erfährt der Leser nicht. Die Autorin Melanie Hilbert stellt keine kritischen Fragen und verfügt auch über kein Hintergrundwissen über Windwürfe. Sie selbst hat buchstäblich nichts zu sagen und übernimmt wortwörtlich die Aussagen von Langeneck. Der Schwarzwälder Bote nennt das Qualitätsjournalismus.

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  1. 350.000, 5, 2, 50, 4, 8, 200.000, 20, 100.000, 15, 50.000, 0,5 []
  2. siehe Nationalpark stößt vor Ort auf wenig Gegenliebe, Die Welt vom 25. September 2011, darin der Satz: „In der auf der Tagung vorgestellten Suchkulisse für einen Nationalpark …“ []