17,5 Millionen Euro für Besucherzentrum

Sinnvolle Verwendungsmöglichkeiten für 17,5 Millionen Euro

Es geht mir nicht darum, die 17,5 Millionen zu sparen, damit Finanzminister Schmid eine schwarze Null produzieren kann. Ich bin kein Freund vom Bund der Steuerzahler und seinem Geschwätz von der Steuergeldverschwendung. Ich würde die Millionen nur nicht in Beton investieren, sondern in Menschen.

1. Ökologen einstellen

Im Fachbereich 2 „Ökologisches Monitoring, Forschung und Artenschutz“ des NLPs arbeiten zur Zeit 3 – in Worten: drei – Personen. Ist einer davon Experte für Totholzkäfer? Oder für Holzpilze? Was kaum jemand weiß: In Deutschland stehen nicht nur viele Totholzkäfer und Holzpilze auf der Roten Liste – es sterben auch die entsprechenden Forscher aus. Und zwar buchstäblich: Am 14. Dezember 2013 starb beispielsweise Heinz Engel, einer der besten Pilzkenner Deutschlands. Claus Bässler und Jörg Müller vom NLP Bayerischer Wald geben freimütig zu, dass ohne dessen Pilzkenntnisse viele ihrer Forschungen überhaupt nicht möglich gewesen wären.1

Und die Süddeutsche Zeitung schreibt über den Käferforscher Ulrich Schaffrath:

„Auch der Käferforscher […] ist eine gefährdete Spezies. An den Universitäten wird Feldforschung, wie Schaffrath sie im Wald betreibt, kaum noch unternommen, das Fach an sich ist unpopulär. Er selbst arbeitet freiberuflich, den Tag im Wald bekommt er nicht bezahlt […] Viele seiner Kollegen haben inzwischen hingeschmissen.“2

Wie wäre es, wenn der NLP für 17,5 Millionen zehn Käfer- und Pilzforschern für 20 Jahre eine feste Stelle anbieten würde?

 

2. Naturschützer finanzieren

Stellen Sie sich einmal vor, der Freundeskreis des Nationalparks Steigerwald hätte morgen am Tag 17,5 Millionen Euro zur Verfügung. Er könnte damit nicht nur Ulla Reck und Günther Oltsch endlich ein anständiges Gehalt zahlen. Man könnte damit Dutzende solch spektakulärer Studien wie die über Starkbuchen im Ebracher Schutzgebiet finanzieren! Man könnte Ökologen, Pädagogen, Presse-Referenten und Werbefachleute einstellen! Man könnte groß angelegte Medien-Kampagnen bezahlen! Vermutlich hätte man dann innerhalb ganz kurzer Zeit den Nationalpark Steigerwald.

Der Bund Naturschutz hat einen einzigen hauptamtlichen Waldreferenten: Ralf Straußberger. Mehr kann der BN nicht bezahlen. Der NABU hat ebenfalls nur einen: Stefan Adler. Der BUND hat Geld für eine Waldexpertin: Nicola Uhde. Greenpeace leistet sich zwei: Sara Westerhaus und Gesche Jürgens. Alle fünf klagen über Stress und Überarbeitung, über Mangel an Geld und an hauptamtlichen Mitarbeitern. Für einen fest angestellten Mitarbeiter braucht man vermutlich 60.000 Euro im Jahr. Mit 17,5 Millionen könnte man also rund 30 Waldreferenten für 10 Jahre fest einstellen. Ich bin mir sicher: Das würde die Forstwirtschaft in Deutschland tiefgreifend verändern.

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  1. siehe Claus Bässler und Jörg Müller, Selbst naturnahe Waldwirtschaft stört biologische Prozesse, AFZ – Der Wald 3/2015, S. 42 []
  2. Jan Heidtmann und Marlene Weiss, Aus einer anderen Zeit – Der Wurzelhalsschnellkäfer steht für eine zwecklose Welt, Süddeutsche Zeitung vom 6./7. Dezember 2014 []