Verkehrssicherung im Nationalpark Jasmund

Nachhübschen

Noch fehlt es dem Verkehrssicherungskorridor an Totholz. Das aber wird sich in den nächsten Jahren ändern: Vereinzelt werden dann Bäume an einen leichten Waldtraktor angeseilt und umgerissen. Diese bleiben dann liegen. Es soll aussehen wie vom Sturm gefällt. Das Ziel ist es, künstlich Totholz zu schaffen, um z. B. den Totholzkäfern einen Lebensraum zu bieten.1

Wenn der Antrag des NLP-Amt vom Umweltministerium bewilligt wird, kauft es auch eine Stubbenfräse. Stubben brauchen 20 Jahre, um zu verrotten. Deshalb sollen sie kurz angefräst werden, damit das schneller geht. Denn es gibt Touristen, die von den vielen Stubben wie erschlagen sind. Der Anblick ist im Moment nicht schön und entspricht nicht dem, was Touristen von einem NLP erwarten. Stodian spricht davon, dass diese Flächen „optisch nachgebessert“ bzw. „nachgehübscht“ werden sollen.

Otto Normalverbraucher und der Kahlschlag auf Rügen

Wie wichtig und notwendig das Nachhübschen des Verkehrssicherungskorridors ist, verdeutlicht mir ein Telefonat mit Maik Trettin, einem Journalisten der Ostsee-Zeitung in der Lokalredaktion Rügen.

Trettin weist nämlich auf den aktuellen Zustand der B 96 hin und wie das auf Otto Normalverbraucher wirken muss. Die B 96 wird zur Zeit ausgebaut und verbreitert. Fährt Otto Normalverbraucher nun auf dieser B 96 zum NLP in Urlaub, sieht er, dass überall auf Rügen Bäume und auch Hecken gefällt werden. Der NDR berichtet im Nordmagazin vom 12. Februar 2019 darüber und der Bericht heißt bezeichnenderweise: Kahlschlag auf Rügen. Otto Normalverbraucher fährt also durch breite Schneisen und an vielen Baumstümpfen vorbei. Kommt er dann in den NLP, wo man denkt, da ist die Welt noch in Ordnung, sieht er, dass es links und rechts der Straße genauso katastrophal aussieht. Bei Otto Normalverbraucher kann so der Eindruck entstehen, dass an sämtlichen Ecken der Insel Bäume wie verrückt abgeholzt werden.

Bei vielen wird das Fass endgültig überlaufen, wenn sie sehen, dass auch direkt gegenüber dem NLP-Amt Bäume gefällt wurden. Dass das gar nicht die Bäume des NLP-Amts sind und dass für diese Fällungen die Stadt Sassnitz verantwortlich ist, weiß Otto Normalverbraucher ja nicht. Er wird denken, dass das Amt die Bäume an der Straße im NLP fällen lässt und zusätzlich auch noch die Bäume direkt vor dem Amt. Otto Normalverbraucher ist es auch egal, wer da fällt und wer zuständig ist und aus welchem Grund. Er sieht einfach nur das Ergebnis.

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  1. siehe dazu Manfred Dworschak, Tote Bäume spenden Leben – Nationalpark Bayerischer Wald: Großversuch mit Totholz, SPIEGEL 34/2016 []