Verkehrssicherung im Nationalpark Jasmund

Zwei Schritte

Aus den oben genannten Gründen ging das NLP-Amt in Absprache mit dem Ministerium bei der Straße in zwei Schritten vor:

  • 1. Schritt: akute Fälle
  • 2. Schritt: Verkehrssicherungskorridor

1. Schritt: akute Fälle

Im ersten Jahr, d. h. im März und April 2017, wurde die Straße nur von den wirklich akuten Fällen vor allem in der vordersten Reihe befreit.1 Zu den akuten Fällen gehörten z. B. Bäume mit Pilzbefall oder bereits abgestorbene Bäume.

Buche mit Weißfäule an der Stadtkante in Sassnitz

Alle gefällten Bäume wurden zunächst liegen gelassen.

Gefällte abgestorbene Eschen (Eschentriebsterben) an der  L 303

Schließlich befand man sich im NLP und Totholz ist wichtig. Dann aber tauchten zwei schwerwiegende Probleme auf:

  1. Probleme mit dem Arbeitsschutz
  2. Probleme mit dem Tourismus

zu 1:
Es gab Probleme mit dem Arbeitsschutz bzw. der Arbeitssicherheit: Die ausführende Firma und auch Sicherheitsbeauftragte des NLPs sagten, dass man hier jetzt nicht mehr weiterarbeiten könne. Aus Gründen der Arbeitsschutzes bzw. der Arbeitssicherheit müssten die gefällten Bäume geräumt werden. Ansonsten könnten neue Bäume erst wieder gefällt werden, wenn das Totholz ganz verrottet sei. Denn man kann auf einen Stapel Holz nicht noch weiter drauf fällen; das schlägt hoch und das ist gefährlich.

zu 2:
Auch Vertreter des örtlichen Tourismus kamen und beschwerten sich über die das katastrophale Bild: viele abgesägte Bäume, die links und rechts am Straßenrand lagen. Das gäbe einen empörten Aufschrei bei den Besuchern des NLP: Das könne man nicht einfach so liegen lassen, das müsse weggeräumt werden.

Weil der NLP für den Abtransport des Verkehrssicherungsholzes kein Geld im Haushalt hatte, gab die Gemeinde diesen in Auftrag. Das Holz wurde zunächst von der Straße weggezerrt und am nächsten Wanderweg aufgestapelt. Die Holzpolter mit dem bereits verfaulenden Stämmen sahen sehr unschön aus und taugten nicht einmal mehr als Industrieholz und auch nicht als Brennholz. Denn die dicken, alten und knorrigen Bäume wollte keiner spalten. Deshalb wurde das Holz schließlich vollständig geschreddert und von der Landesforst MV Waldservice und Energie GmbH dann als Energieholz verheizt.

2. Schritt: Verkehrssicherungskorridor

Im zweiten Jahr, d. h. im Februar und März 2018, begann der NLP dann damit, auf beiden Seiten der Straße einen Waldsaum herzustellen, der langfristig stabil sein soll.2 Da die Bäume bis zu 42 m hoch werden, soll dieser Saum links und rechts der Straße jeweils 30 m breit sein: so viel wie nötig, so wenig wie möglich. Das NLP-Amt macht nun eine sog. vorgreifende Verkehrssicherung. Sie will einen langfristig stabilen Waldsaum herstellen; sie fällt also jetzt schon Bäume, die erst in Zukunft absterben werden. Noch sind diese Bäume jung und völlig gesund.

Und so entsteht für den Laien dann das falsche Bild, als fälle das Amt völlig unnötig junge, gesunde Bäume. Denn bei Verkehrssicherung denkt man an alte, kranke und lange Bäume, die womöglich auch noch schief stehen. Dass die vielleicht nicht standfest sind und umfallen können, leuchtet ein. Aber ein junger Baum fällt ja in der Regel nicht um. Wenn der Laie dann noch hört, dass 40 ha betroffen sind und rd. 50 % der Bäume gefällt werden, ist er völlig irritiert. Fakt aber ist, dass die verbleibenden Bäume nach der Maßnahme ausreichend Wurzelraum haben und genug Licht bekommen, um sich stabil zu entwickeln. Olaf Dieckmann vom Umweltministerium in Schwerin sagt dazu:

„Wir hatten die Wahl zwischen zwei Varianten: Entweder jedes Jahr dort Eingriffe vornehmen oder jetzt einmal richtig eingreifen und für Stabilität sorgen und in 5-, vielleicht auch 10-Jahresabschnitten dann nochmal wiederkommen.“

© Ingolf Stodian

2018 und auch 2019 war dem Forstunternehmen von vornherein klar, dass das Holz mitgenommen werden sollte, weil es aus den oben genannten Gründen nicht liegenbleiben konnte. Das Stammholz wurde nicht geschreddert und verheizt, sondern auf Länge geschnitten, so dass es verkauft werden konnte. Es hat einen Durchmesser von 30, 40 oder 45 cm. Der Nebeneffekt war, dass die Maßnahme preiswerter wurde. In der Summe bleibt es aber für den NLP ein Defizit-Geschäft.

Dieser Verkehrssicherungskorridor von insgesamt 75 ha ist in der NLP-Planung als Pflegezone ausgewiesen und macht knapp 3 % der NLP-Fläche aus.3 Er ist nicht Bestandteil der Kernzone. Das Welterbe ist selbstverständlich nicht davon betroffen.

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  1. siehe Verkehrssicherung im NLP, Pressemitteilung des NLP vom 7.3.2017, und 300 Bäume werden an der Stadtkante in Sassnitz gefällt, Ostsee-Zeitung vom 28.3.2017 []
  2. siehe auch NLP Jasmund – Gefährdende Bäume müssen weichen, Aktuelle Informationen vom 6.2.2018, Bäume im Nationalpark Jasmund auf Rügen werden gefällt, T-Online vom 15.2.2018, und Verkehrssicherung im Nationalpark, Pressemitteilung des NLP vom 6.3.2019 []
  3. siehe NLP Jasmund – Gebietsentwicklung []